Schließung von Majorel-Callcentern Thema im Landtag

15.04.2021 Für zwei Drittel der rund 1000 Beschäftigten in den zum Jahresende schließenden Majorel-Callcentern in Stralsund, Neubrandenburg und Schwerin könnten sich Anschlussbeschäftigungen ergeben. In der Branche gebe es eine Nachfrage nach qualifizierten Servicemitarbeitern, sagte Agrarminister Till Backhaus (SPD) am Donnerstag im Schweriner Landtag. Gespräche mit der Bertelsmann-Tochter Majorel, die im November die Schließung von drei ihrer vier Center im Nordosten angekündigt hatte, zur Fortführung hätten nicht zum Erfolg geführt, Sozialplan-Verhandlungen liefen.

Ein Schild mit dem Schriftzug des Callcenter-Unternehmen Majorel hängt in Stralsund. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Doch hätten in Schwerin drei Unternehmen Bedarf an 180 Mitarbeitern angemeldet, in Neubrandenburg fünf Firmen an 150. Für den Standort Stralsund gebe es Verhandlungen zur vollständigen Übernahme des Callcenters, aber auch Angebote anderer Center-Betreiber für 300 Beschäftigte, erklärte Backhaus. Er vertrat Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU), der die Debatte für Vorgespräche zum Corona-Gipfel verlassen hatte.

Der Linke-Abgeordnete Henning Foerster würdigte die Bemühungen des Wirtschaftsministeriums zur Rettung der Arbeitsplätze, zog aber in Zweifel, dass nun gleichwertige und sichere Arbeitsplätze zur Verfügung stünden. Es handele sich lediglich um pauschale Angebote, sagte er unter Hinweis auf Angaben eines Betriebsrates.

Foerster verwies auf die weiterhin schwierige Situation in der Branche, die trotz leichter Verbesserungen mit Monatslöhnen unter 2000 Euro immer noch zum Niedriglohnsektor zähle. Wie Redner anderer Fraktionen, kritisierte auch Foerster die Praxis, Callcenter mit Hilfe staatlicher Zuschüsse aufzubauen, nach Ablauf der Bindungsfrist aber zu schließen und im Ausland wieder mit öffentlichem Geld neue aufzubauen.

Der SPD-Abgeordnete Jochen Schulte äußerte sich kritisch zum Verhalten des Mitgesellschafters Bertelsmann. Für mehr als 1000 Familien bringe der bevorstehende Jobverlust eine unsichere Zukunft. Betroffen seien vor allem Frauen und Menschen mit Behinderung, die es oft schwer hätten auf dem Arbeitsmarkt. «Darum ist es ein absolutes Unding, dass der Callcenter-Anbieter Majorel die drei Standorte im wahrsten Sinne des Wortes einstampfen wird und scheinbar keiner der Entscheider im Bertelsmann-Konzern so wirklich Notiz davon nimmt», beklagte Schulte. Auch ein Brief der Bundeskanzlerin auf Initiative der SPD-Landtagsfraktionen von Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern habe in der Konzernzentrale offenkundig nicht zu einem Nach- und Umdenken geführt.

Schulte verwies auf die regelmäßig von der Bertelsmann-Stiftung veröffentlichten Sozial-Studien, mit denen «sehr selbstbewusst» Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft genommen werde. «Komischerweise gilt offenbar diese moralische Pflicht nicht für Bertelsmann selbst, wenn es um die eigene Verantwortung als Arbeitgeber geht», konstatierte Schulte unter Hinweis auf mangelnde Bereitschaft zu weiteren Verhandlungen. «Die Schließungen sind jedenfalls für uns und die Menschen in Ostdeutschland ein katastrophales Signal», so Schulte.

Majorel, früher Arvato, hatte die Schließungen damit begründet, dass die betroffenen Standorte in Mecklenburg-Vorpommern seit längerem rote Zahlen schrieben. Daher solle der Geschäftsbetrieb dort zum 31. Dezember 2021 eingestellt werden. Betroffen ist auch ein Callcenter im sächsischen Chemnitz. Das Callcenter in Rostock mit 450 Mitarbeitern bleibt Majorel zufolge bestehen.

© dpa-infocom GmbH

Weitere News