Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Millionenhilfen für Wirtschaft: Tourismus stark betroffen

30.03.2020 - Es wird immer klarer - die Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus wird dramatische Folgen für die Wirtschaft auch in Mecklenburg-Vorpommern haben. Erste Millionenhilfen fließen. Dennoch könnte das Virus eine «Schneise der Verwüstung» durch die Wirtschaft im Norden ziehen.

  • Harry Glawe (CDU), Wirtschaftsminister von MV. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Harry Glawe (CDU), Wirtschaftsminister von MV. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zur Kompensation Corona-bedingter Einnahmeausfälle hat die Landesregierung nach den Angaben von Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) bislang etwa 6,7 Millionen Euro an Antragsteller ausgezahlt. Mit Hilfe dieser nicht rückzahlbarer Zuschüsse soll Solo-Selbstständigen, Kleinst- und Kleinunternehmen in Mecklenburg-Vorpommern das unternehmerische Überleben ermöglicht werden. «Die Auszahlung der Soforthilfe läuft weiter auf Hochtouren. Die Nachfrage ist ungebrochen hoch», erklärte Glawe am Montag in Schwerin. Etwa 16 000 Anträge seien beim Landesförderinstitut eingegangen, das bislang 650 davon bewilligt habe. Die Anträge spiegelten die breite Vielfalt aller Branchen wider.

Dennoch könnte das Coronavirus eine Schneise der Verwüstung durch die norddeutsche Wirtschaft ziehen. Beinahe jedes fünfte Unternehmen in den Küstenländern sieht sich nach einer Umfrage gegenwärtig von einer Insolvenz bedroht, teilte die IHK Nord am Montag in Hamburg mit. Damit liege der Norden genau im ähnlich gravierenden Bundestrend.

Von rund 4500 Unternehmen in Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gaben drei Viertel an, dass sie Umsatzrückgänge von mehr als zehn Prozent für das Geschäftsjahr 2020 erwarten. Mit Einbußen von mehr als 50 Prozent für den Umsatz rechnen über alle Branchen hinweg sogar rund ein Viertel der Unternehmen. Fast die Hälfte der Unternehmen erwartet einen teilweisen bis kompletten Stillstand der geschäftlichen Tätigkeit.

Schon jetzt scheint klar, dass die Corona-Pandemie für die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern dramatische Folgen haben wird. Denn nun fällt wegen des bis 19. April geltenden Reiseverbots das Ostergeschäft aus, üblicherweise der erste Saisonhöhepunkt. Laut Statistik verzeichneten Hotels, Pensionen, Ferienhausvermieter und Campingplätze im Land im April 2019 - auch wegen der Osterfeiertage - rund 2,6 Millionen Übernachtungen. Das waren gut sieben Prozent der zum Jahresende registrierten 34 Millionen Übernachtungen.

In einer verbandsinternen Befragung zu Beginn des Jahres rechneten 62 Prozent der Anbieter noch mit ähnlich guten Geschäften wie 2019, zwölf Prozent sogar mit Steigerungen. Die jüngste Verbandsumfrage aber zeigt nicht nur Ernüchterung, sondern blanke Existenzangst: Demnach rechnen 95 Prozent der rund 900 befragten Unternehmer mit starken Umsatzeinbußen, 40 Prozent mit einem Komplettausfall des Umsatzes.

Es zeichneten sich über das Jahr Umsatzverluste von 10 bis 20 Prozent ab, sagte Verbandsgeschäftsführer Tobias Woitendorf. Niemand wisse zudem, wie lange die Krise anhalte und wann der Tourismus wieder in Gang komme. «Das wichtigste ist, dass wir die Betriebe und damit die Arbeitsplätze möglichst alle erhalten.»

Die Zahl der Corona-Infektionen lag am Montag (16.30 Uhr) bei 366, das waren 10 mehr als am Tag zuvor. Laut Landesamt für Gesundheit und Soziales mussten oder müssen 36 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, 7 davon auf einer Intensivstation. Am Samstag war ein 57-jähriger Mann aus dem Landkreis Ludwigslust-Parchim gestorben, er war der erste Todesfall im Nordosten im Zusammenhang mit dem Virus.

Der Pandemie zum Opfer fallen auch die Jugendweihen im Frühjahr. Der Jugendweiheverein MV sagte zunächst alle Feiern im April ab. Sie sollen nach den Sommerferien nachgeholt werden. «Feierstunden, die für den Monat Mai geplant sind, behalten wir uns vor durchzuführen, soweit die Lage es möglich macht», heißt es auf der Internetseite des mit Abstand größten Anbieters von Jugendweihen im Nordosten.

Auch die Kirchen haben ihre Feiern für Kinder und Jugendliche wegen der Krise vorerst abgesagt. Die Konfirmationen, für die in Mecklenburg-Vorpommern nach Angaben eines Kirchensprechers rund 1200 Jugendliche angemeldet sind, würden auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Konfirmationen finden immer um Pfingsten statt - Pfingstsonntag ist dieses Jahr am 31. Mai. Die katholische Kirche teilte mit, dass Erstkommunionen und Firmungen verschoben werden, bis die Aussetzung der Feier von Gottesdiensten wieder aufgehoben sei.

Am Montag wurden weitere Großveranstaltungen abgesagt. Dieses Mal traf es die für Anfang Mai in Rostock geplante 16. Nationale Branchenkonferenz Gesundheitswirtschaft. Ursprünglich war geplant, dass sich die Konferenz mit ihren mehr als 800 Teilnehmern mit den Auswirkungen des Klimawandels auf die Gesundheit befasst. Auch die Lange Nacht der Wissenschaften in Rostock, die regelmäßig mehrere Tausend Wissbegierige anlockt, wird am 23. April nicht stattfinden. Einen neuen Termin gibt es noch nicht.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren