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Stadtumbau Ost: Milliarden-Programm für schöneres Wohnen

18.01.2020 - Die Plattenbausiedlungen in den ostdeutschen Städten verloren nach dem Mauerfall ihre Anziehungskraft und damit Bewohner. Mit Milliardenaufwand versuchen Bund, Länder und Kommunen die Viertel aufzupeppen, vielfach mit Erfolg. Auch die Altstädte profitieren.

  • Sanierte, ehemalige DDR-Plattenbauten, aufgenommen aus einem Leichtflugzeug. Foto: Ralf Hirschberger/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Sanierte, ehemalige DDR-Plattenbauten, aufgenommen aus einem Leichtflugzeug. Foto: Ralf Hirschberger/zb/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schwerin (dpa/mv) - Plattenbauten sollten in der DDR schnell und effektiv Wohnraum für Millionen bringen. So entstanden Satellitensiedlungen am Rande der Städte, in historischen Altstädten mussten ganze Straßenzüge den funktionalen Betonbauten weichen und selbst in Dörfern wurden Mehrgeschosser aus Fertigteilen errichtet. Mit dem mehrfach umbenannten Programm Stadtumbau Ost versuchen Bund und Länder nun seit fast 30 Jahren der Konformität der Wohngebiete zu trotzen, die Einheitswohnungen aufzuwerten und das Leben in den Vierteln durch Um-, Rück- und Ergänzungsbau angenehmer zu machen. In betroffenen Städten und bei Fachverbänden wird die Förderung sehr geschätzt, wie eine dpa-Umfrage ergab.

«Das Programm ist eine Erfolgsgeschichte», lautet das eindeutige Fazit von Andreas Wellmann, Geschäftsführer des Städte- und Gemeindetags in Mecklenburg-Vorpommern. Durch den Abriss nicht mehr benötigter Wohnungen sei die meist stark verdichtete Bebauung in vielen Städten merklich aufgelockert worden. Zudem hätten die Fördermittel ein Vielfaches an Investitionen ausgelöst. «In den Wohngebieten hat sich was bewegt, so dass viele Menschen bis heute gern dort leben», sagte Wellmann. Dennoch hält er übergreifende Entwicklungskonzepte für die Viertel für nötig, damit sie auch für Familien unterschiedlicher Einkommensschichten interessant werden.

Bund und Land beteiligen sich nach Angaben des Bauministeriums in Schwerin zu gleichen Teilen an der Förderung des Städte-Umbaus, der zum Teil aber auch von den Kommunen mitfinanziert werde. Von 2002 bis 2019 haben demnach Bund und Land für Projekte im Nordosten insgesamt 465 Millionen Euro bereitgestellt. 360 Millionen Euro davon seien zur Aufwertung der Wohnviertel eingesetzt worden, 105 Millionen für den Abriss nicht mehr benötigter Bauten.

Laut Ministerium wurden damit etwa 360 Einzelprojekte ermöglicht. Sämtliche für Mecklenburg-Vorpommern bereitgestellte Finanzhilfen seien bewilligt worden und hätten jeweils über einen Zeitraum von fünf Jahren eingesetzt werden können. Bislang seien etwa 31 400 zumeist wegen sinkender Einwohnerzahlen nicht mehr benötigter Wohnungen abgerissen worden. Das meiste Geld sei aber in Erweiterung und Erneuerung der Infrastruktur geflossen. Dazu zählten Sanierung und Bau von Begegnungszentren, Kitas, Schulen, Spiel- und Sportstätten, Straßen und Grünflächen. Auch für die Modernisierung privater erhaltenswerter Gebäude würden Zuschüsse gezahlt, hieß es.

Als landesweit größte Stadt setzte Rostock nach Angaben eines Stadtsprechers beim Programm Stadtumbau Ost bislang 97 Millionen Euro ein. Von den Investitionen profitierten nicht nur Plattenbaugebiete beiderseits der Warnow, sondern auch Bereich der Innenstadt. So sei im Petriviertel ein neues Wohngebiet mit attraktiven Freiräumen, Spielflächen und interessanter Bebauung entstanden, hieß es. Laut Bauministerium konnte dank Stadtumbau-Programm Stadtteil Groß Klein die Wohnqualität wesentlich verbessert werden. In der Folge habe die Abwanderung gestoppt und der Wohnungsleerstand von 26 auf unter zwei Prozent gesenkt werden können.

In Stralsund standen laut Stadtsprecher zwischen 2002 und 2017 etwa 45 Millionen Euro für den Stadtumbau zur Verfügung. In die Verschönerung der Welterbe-Stadt seien aber zusätzlich auch Mittel aus dem Denkmalpflegeprogramm geflossen. Mit den Geldern seien vor allem Projekte in der Altstadt und der Frankenvorstadt unterstützt worden, dazu zähle die Gestaltung des Alten Markts. Doch auch das Plattenbaugebiete Grünhufe und Knieper West profitierte von dem Umbau-Programm.

In Neubrandenburg flossen nach Angaben der Stadt 55 Millionen Euro aus dem Gemeinschaftsprogramm in den Stadtumbau. Mit den Mitteln seien Aufwertungs- und Rückbaumaßnahmen in fast allen Stadtteilen finanziert worden. Das Programm sei auch genutzt worden, um Erschließungsstraßen zu bauen oder Schulen zu sanieren, hieß es.

In Anklam wird nach Angaben des Bauministeriums die im Zweiten Weltkrieg stark zerstörte Mitte um den Marktplatz neu gestaltet. Nach dem Abriss von Plattenbauten entstehen dort moderne Gebäude, die sich in ihrer Architektur aber am historischen Bestand orientieren. Die neue Marktbebauung gebe der Stadt «einen angemessenen Maßstab und eine neue Mitte zurück», heißt es auf der Internetseite der Stadt.

Nach Auffassung des Verbands Norddeutscher Wohnungsunternehmen ist das Stadtumbau-Programm auch künftig unverzichtbar. «Angesichts des demografischen Wandels und der veränderten Anforderungen an den Wohnungsgrundriss besteht auch künftig die Notwendigkeit, alte Wohngebäude abzureißen und durch modernere zu ersetzen. Zudem hat das Förderprogramm eine wichtige städtebauliche Wirkung entfaltet, weil Problembereiche beseitigt und Innenstädte modernisiert wurden», resümierte Verbandsdirektor Andreas Breitner. Das Förderprogramm stützte zudem die Konjunktur und versetzte Wohnungsunternehmen in die Lage, hochwertigen und bezahlbaren Wohnraum anzubieten und so für sozialen Frieden in den Quartieren zu sorgen.

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