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Stippvisite in der Hauptstadt: Nachweis für Wolf in Berlin

06.05.2020 - Die Vermutung, dass Wölfe auch vor der Hauptstadt nicht Halt machen, gibt es schon lange. Aber immer fehlte der Beweis. Das hat sich geändert.

  • Ein Wolf schaut in die Kamera. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Wolf schaut in die Kamera. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Der Wolf war da: Erstmals ist es nun auch in der Hauptstadt gelungen, die Anwesenheit eines Isegrim zu belegen. Das Weibchen mit Sender habe sich im Januar vier Tage lang am Rand des südöstlichen Stadtteils Adlershof aufgehalten, sagte Derk Ehlert, Wildtierexperte der Senatsumweltverwaltung und bestätigte Berichte von «B.Z.» und RBB. Inzwischen lebe die umtriebige zweijährige Wölfin, die den Namen «Juli» bekam, auf einem Truppenübungsplatz nahe Neubrandenburg (Mecklenburg-Vorpommern).

Das städtische Berlin sei kein Lebensraum für Wölfe, erläuterte Ehlert. Sie könnten zwar an den Stadträndern immer wieder mal herumstreifen. Aber das, was Wölfe liebten, biete die Hauptstadt ihnen nun mal nicht: weite und ungestörte Landschaften. Dabei sind die Tiere nicht wählerisch - es muss nicht immer Wald sein. Beliebt bei Wölfen seien unter anderem Truppenübungsplätze, Industriebrachen und Tagebaue, berichtete Ehlert.

Jungwölfin «Juli« stammt aus Sachsen und nimmt das Leben sportlich: Sie wanderte samt ihrem Sender seit Juli 2019 hunderte von Kilometern und war unter anderem in Polen unterwegs. Sie sei ein wenig rund um Schmöckwitz in Brandenburg gestreunt und habe Autobahnen passiert, sagte Ehlert. Am Jahresanfang steckte sie ihre neugierige Nase auch nach Berlin-Adlershof hinein.

Spuren hinterließ sie keine. «Wir haben weder Pfotenabdrücke noch Losung oder Rissspuren gefunden. Sie war praktisch unsichtbar», sagte Ehlert. Seit Wochen sei «Juli» nun schon in Mecklenburg. Dort scheint es ihr also besser zu gefallen als in Berlin.

Bisher hat die Corona-Krise nicht mehr Wildtiere nach Berlin gelockt. «Die waren vorher schon da», sagte Ehlert. Füchse genehmigten sich nun bei weniger Verkehr zum Beispiel längeren Ausgang. Aber das sei auch schon alles - und wahrscheinlich bald wieder vorbei.

Nach Angaben des Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf gab es im Monitoringjahr 2018/19 in Deutschland 105 Wolfsrudel, 25 Paare sowie 13 Einzeltiere. Das größte zusammenhängende Vorkommen liegt in der Lausitz, beiderseits der deutsch-polnischen Grenze. Wolfsrudel wurden für Brandenburg (41), Sachsen (22) und Niedersachsen (21) sowie für Sachsen-Anhalt (15), Mecklenburg-Vorpommern (5) und Bayern (1) nachgewiesen.

Weite Teile Deutschlands bieten nach einer Einschätzung des Bundesamts für Naturschutz vom Mittwoch geeigneten Lebensraum für Wölfe. Grundsätzlich müsse in allen Landschaften mit Revieren oder durchziehenden Tieren gerechnet werden. Großstädte und Ballungsräume sind für Wolfsterritorien aber schlecht geeignet. Als günstiges Gelände gelten die bayerischen Alpen, Gebiete entlang der tschechischen Grenze, in den Mittelgebirgen sowie verstreut in Nordostdeutschland.

Wie viele Wölfe in Deutschland leben können, sei weniger eine biologische als eine gesellschaftspolitische Frage, teilte der Deutsche Jagdverband (DJV) mit. «Mit den Schäden nimmt in betroffenen Gebieten auch die Ablehnung zu.» Ein friedliches und konfliktfreies Zusammenleben von Wolf und Mensch stehe und falle mit flächendeckendem Herdenschutz, hieß es von der Naturschutzorganisation WWF. «Der muss vom Staat unterstützt werden, insbesondere finanziell.»

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