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Studie: Zu große Kita-Gruppen und zu wenige Krippenplätze

26.09.2019 - MV braucht 6800 zusätzliche Fachkräfte in den Kitas, sagt die Bertelsmann Stiftung. Das Fehlen des Personal gehe auf Kosten der Qualität frühkindlicher Bildung. Und: Nicht jeder Wunsch nach einem Krippenplatz kann erfüllt werden.

  • Eine Erzieherin geht mit zwei Kindern über den Flur der Einrichtung. Foto: Jan-Philipp Strobel/Archiovbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Erzieherin geht mit zwei Kindern über den Flur der Einrichtung. Foto: Jan-Philipp Strobel/Archiovbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Gütersloh/Schwerin (dpa/mv) - Die Zahl der Krippenplätze reicht einer Studie der Bertelsmann Stiftung zufolge in Mecklenburg-Vorpommern nicht aus. Zwar besuchten mit 56 Prozent aller Kinder unter drei Jahren im Nordosten deutlich mehr als im Bundesdurchschnitt (34 Prozent) eine Krippe oder Tagesmutter, heißt es im Ländermonitor zur frühkindlichen Bildung, den die Stiftung am Donnerstag veröffentlicht hat. Ein bedarfsgerechtes Angebot sei das aber noch nicht: Laut der «Kinderbetreuungsstudie U12» des Deutschen Jugendinstituts wünschten sich im vergangenen Jahr 61 Prozent der Eltern von unter Dreijährigen in MV einen Platz in einer Kita oder Kindertagespflege.

Auch an der Betreuungsqualität üben die Experten zum wiederholten Mal Kritik. Nach wie vor sei bei den unter Dreijährigen eine Erzieherin für sechs Kinder zuständig. Dies sei bundesweit der zweitschlechteste Wert nach Sachsen und weit entfernt von der Empfehlung der Stiftung für einen Betreuungsschlüssel von eins zu drei. Bei den Kindergartenkindern (drei bis sechs Jahre) hat sich der Personalschlüssel in den vergangenen Jahren von 1 zu 14,9 (2013) auf 1 zu 13,2 (2018) verbessert.

«Dennoch muss eine Fachkraft in MV rein rechnerisch mehr als sechs Kindergartenkinder mehr betreuen als in Baden-Württemberg, dem Bundesland mit der günstigsten Personalausstattung.» Innerhalb des Nordostens gebe es zudem Unterschiede. So liege im Landkreis Vorpommern-Rügen der Personalschlüssel in Kindergartengruppen bei 1 zu 11,7, im Landkreis Vorpommern-Greifswald hingegen bei 1 zu 14,1.

Für faire Bildungschancen sei eine ausreichende Zahl an Plätzen in nicht genug, mahnte die Bertelsmann Stiftung. Die Angebote müssten auch kindgerecht sein. Nach Berechnungen der Stiftung sind für kindgerechte Personalschlüssel in Mecklenburg-Vorpommern rechnerisch 6816 zusätzliche Vollzeit-Fachkräfte erforderlich. Die Linken-Politikerin Jacqueline Bernhardt wies darauf hin, dass in den nächsten zehn Jahren 3058 Erzieher in den Ruhestand gehen würden. «So fehlen in den kommenden zehn Jahren circa 10 000 Fachkräfte im Kita-Bereich», sagte sie. Derzeit beendeten im Land aber jährlich nur 700 die Ausbildung.

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) misst der Bertelsmann Studie nur begrenzte Aussagekraft bei, wie sie erklärte. «Trotz des im Ländermonitor erwähnten bundesweit größten Qualitätssprungs im Kindergartenbereich in Mecklenburg-Vorpommern nehmen wir die Ergebnisse sehr zurückhaltend zur Kenntnis.» Erneut würden zusätzliche Investitionen des Landes in die Qualität von der Studie nicht berücksichtigt, etwa Sonderzuschüsse zur Förderung von Kindern in Brennpunkt-Kitas oder das Landesprogramm zur Qualitätsverbesserung in der Kindertagespflege. Außerdem sei das Personal in MV überdurchschnittlich gut ausgebildet.

Die Erziehergewerkschaft GEW sieht mit Sorge, dass die Bildungschancen in Kita laut Studie im Land unterschiedlich sind. «Die Ursache ist, dass es, anders als bei den Schulen, keinen landesweit geregelten, einheitlichen Mindestpersonalschlüssel gibt», sagte die GEW-Landesvorsitzende Annett Lindner. Die Personalausstattung richte sich nach der finanziellen Leistungsfähigkeit eines Landkreises oder kreisfreien Stadt, die alle jeweils ihre eigenen Schlüssel definierten. Die GEW forderte die Einführung eines landesweit einheitlichen Mindestpersonalschlüssels. Auch die sozialpolitische Sprecherin der Fraktion Freie Wähler/BMV im Landtag, Christel Weißig, kritisierte: «Der Betreuungsschlüssel ist in Rostock besser als in Vorpommern-Greifswald.»

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