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Studie zur Lebensqualität und Homeoffice

31.05.2020 - Stralsunder Wissenschaftler vermuten, dass nach Corona deutlich mehr Beschäftigte im Homeoffice arbeiten als vor der Pandemie. Das könnte eine Chance für Regionen abseits der Metropolen sein.

  • Eine Frau arbeitet im Homeoffice. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Frau arbeitet im Homeoffice. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Viele Firmen haben während der Corona-Pandemie gute Erfahrungen mit dem Homeoffice gemacht. Das könnte nach Ansicht des Stralsunder Wissenschaftlers Lieven Kennes dazu führen, dass künftig mehr Unternehmen das Arbeiten von zu Hause gestatten. «Wenn man dort arbeiten darf, wo man leben möchte, könnte das eine top Chance sein, dass sich mehr Menschen in Mecklenburg-Vorpommern niederlassen», sagte der Professor für Statistik und Ökonometrie an der Hochschule Stralsund. Eine Hilfe bei der Entscheidung über den Arbeitsort von Einzelnen und von Firmen bietet eine Studie der Hochschule, die die Lebensqualität im Landkreis Vorpommern-Rügen mit der in den Metropolen Berlin, Hamburg und München sowie mit ähnlich großen Städten wie in der vorpommerschen Region vergleicht.

Christian Bülow als Leiter des Welcome Centers in Stralsund kann mit der Studie gut arbeiten: «Die Lebensqualität ist objektiviert dargestellt», sagte er. Das Welcome Center ist eine Anlaufstelle des Landkreises für Fachkräfte, Rückkehrer, Studierende und Zuzügler aus dem In- und Ausland sowie für regionale Betriebe auf der Suche nach Mitarbeitern.

Stärken der Region an der Ostsee mit den Städten Stralsund, Barth, Grimmen und Bergen auf Rügen sind laut Studie das günstige Verhältnis von Betreuungsplätzen pro Kind, gute überregionale Zugverbindungen für Stralsund und Bergen, die geringe Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastung gegenüber den Metropolen und der erschwingliche Wohnraum. «Da kann jeder entscheiden, ob er Natur, saubere Luft und Kinderbetreuung möchte, oder schnell Geld verdienen will und einen Flughafen um die Ecke braucht», sagte Bülow. Im zweiten Fall sei er in einer Großstadt besser aufgehoben. Andererseits gebe es den Trend der Großstadtflucht.

«Lebensqualität ist etwas sehr Subjektives. In unserer empirischen Studie präsentieren wir jedoch die Resultate objektiver Datenanalysen, so dass jeder seine individuelle Gewichtung vornehmen kann», sagte Kennes. Der größte Nachteil der Region seien die niedrigen Gehälter. «Obwohl da Dynamik drin ist», meinte er. Im Schnitt liegt das Bruttoentgelt im Landkreis Vorpommern-Rügen bei weniger als 2500 Euro. In den Vergleichsstädten Coswig (Sachsen), Bebra (Hessen) und Neunburg vorm Wald (Bayern) seien es zwischen 2600 und 3300 Euro. Stolberg (NRW), Hamburg und München liegen zwischen knapp 3500 und 4200 Euro. Im Vergleich ist die Arbeitslosenquote in Vorpommern-Rügen am höchsten.

Dafür bieten die nordvorpommerschen Städte deutlich günstigere Mieten als die Metropolen. In Stralsund wurden demnach 2018 bei der Neuvermietung 5,77 Euro pro Quadratmeter fällig, in Berlin 9,04, in Hamburg 10,40 und in München 16,24 Euro. Die anderen Vergleichsstädte lagen auf ähnlichem oder leicht geringerem Niveau wie in Vorpommern-Rügen.

In die Studie einbezogen wurden zudem Kriterien wie die Dichte von Supermärkten, Museen, Theatern, Konzertsälen, Bibliotheken, Spielplätzen und Freizeitangeboten sowie Wetterdaten.

Die Studie entstand Kennes zufolge in Kooperation zwischen der Hochschule, dem Landkreis Vorpommern-Rügen und der Hansestadt Stralsund. Die Studie ist Kennes zufolge repräsentativ. Als Vergleichsstädte seien nach einem Zufallsalgorithmus Kommunen zwischen 8000 und 70 000 Einwohnern in ländlichen Regionen gewählt worden, fern von Metropolen.

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