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Tod von Sechsjähriger in Torgelow: Anklage gegen Stiefvater

10.07.2019 - Der gewaltsame Tod der sechsjährigen Leonie hat Anfang 2019 nicht nur die Menschen in Torgelow und Wolgast erschüttert. Nun wurde Anklage erhoben. Ob das Kind eine Treppe herunterfiel, wie der Stiefvater behauptet, oder misshandelt wurde, muss ein Gericht klären.

  • Außenaufnahme des Landgerichts Neubrandenburg. Foto: Stefan Sauer/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Außenaufnahme des Landgerichts Neubrandenburg. Foto: Stefan Sauer/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Neubrandenburg (dpa/mv) - Sechs Monate nach dem Tod der sechsjährigen Leonie aus Torgelow (Vorpommern-Greifswald) hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen den Stiefvater erhoben. Wie eine Behördensprecherin in Neubrandenburg der Deutschen Presse-Agentur sagte, werden dem zur Tatzeit 27 Jahre alten Mann «Mord durch Unterlassen» und sieben Fälle der Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Das Landgericht Neubrandenburg, wo der Prozess stattfinden soll, habe die Anklage zugelassen. Ein Verhandlungstermin stehe noch nicht fest. Der Beschuldigte soll den Tod des Mädchens verschuldet sowie Leonie und ihren kleineren Bruder vorher mehrfach schwer misshandelt haben.

Das Mädchen war am 12. Januar tot in der Wohnung der Familie in Torgelow gefunden worden. Der Stiefvater bestritt laut Staatsanwaltschaft bisher eine Schuld. Er habe angegeben, das Mädchen sei vor ihrem Tod eine Treppe hinuntergestürzt. Ermittler vermuten aber aufgrund des komplexen Verletzungsbildes, dass Leonie schwer misshandelt wurde und an den «multiplen Verletzungen» starb, weil niemand Hilfe holte.

Die Mutter hatte lange in Wolgast gelebt, sich dann aber vom leiblichen Vater getrennt. Sie war mit ihren zwei Kindern und dem Stiefvater, von dem sie ein weiteres Baby hat, nach Torgelow gezogen. Der Fall sorgte über Mecklenburg-Vorpommern hinaus für Aufsehen, auch weil der Beschuldigte wenige Tage nach dem Fund der Toten nach einer Vernehmung in Pasewalk im gleichen Landkreis aus einem Polizeigebäude fliehen konnte. Er war nach einer Woche wieder gefasst worden.

Zwei Tage nach dem Vorfall brachte das Jugendamt den jüngeren Bruder der Toten beim leiblichen Vater in Wolgast unter. Dieser erhob ebenfalls Vorwürfe gegen den Stiefvater, woraufhin auch der Zweijährige untersucht und Verletzungen festgestellt worden waren. Die Mutter wurde mit ihrem Baby in eine Mutter-Kind-Einrichtung gebracht, wo sie nach Angaben des Landkreises derzeit noch sein soll. Gegen die Frau wird ebenfalls ermittelt, weil sie die Misshandlungen und Verletzungen ihrer Tochter bemerkt haben soll, aber auch keine Hilfe geholt habe.

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