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Überdurchschnittlicher Zuwachs an Privatschulen in MV

07.08.2019 - Seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Schüler an Privatschulen in Mecklenburg-Vorpommern mehr als vervierfacht. Der Trend hält an. Für die Opposition liegen die Gründe dafür auf der Hand.

  • Mäppchen liegen vor einer Schülerin der 5. Klasse. Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Mäppchen liegen vor einer Schülerin der 5. Klasse. Foto: Uwe Anspach/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Schwerin/Dortmund/ (dpa/mv) - Der Run auf die Privatschulen hält auch in Mecklenburg-Vorpommern an. Den Prognosen des Bildungsministeriums zufolge werden zum Schulstart am 12. August rund 18 000 Schüler an den 79 privaten allgemein bildenden Schulen im Land erwartet. Der Zuwachs läge mit etwa 2 Prozent drei Mal so hoch wie der an den 483 öffentlichen Schulen. Dort werden voraussichtlich 133 600 Schüler ins neue Schuljahr starten, 0,7 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Der Anteil der an Privatschulen unterrichten Kinder und Jugendlichen beträgt im Nordosten inzwischen fast 12 Prozent. Er liegt damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von etwa 9 Prozent. Vor 20 Jahren besuchten gerade einmal 2 Prozent der Schüler in Mecklenburg-Vorpommern eine Schule in freier Trägerschaft. Dazu gehören etwa Waldorf- und Montessorischulen vor allem aber Bildungseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft, die alle Geld vom Staat erhalten. Zur Finanzierung werden aber auch Schulgebühren erhoben, in der Regel gestaffelt nach dem Elterneinkommen.

Den Grund für den wachsenden Zuspruch für Schulen in freier Trägerschaft sieht die Bildungsexpertin und Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Simone Oldenburg, vor allem im Zustand der staatlichen Schulen. Unterrichtsausfall, Stillbeschäftigung und Lehrermangel sorgten für Frustration und Mehrarbeit bei Pädagogen und ließen Eltern das Vertrauen in das öffentliche Schulsystem verlieren.

«Schulen in freier Trägerschaft sind Ergänzungsangebote, die ihre Existenzberechtigung haben, aber nicht zum Regelfall werden dürfen», mahnte Oldenburg. Es sei Pflicht des Staates, Schulen zu betreiben. Als fatal bezeichnete sie, dass inzwischen Ministerialbeamte und die Führungsebene der Landesregierung ebenfalls Schulen in freier Trägerschaft für ihren Nachwuchs bevorzugten. Die Verantwortlichen selbst hätten den Glauben an und das Vertrauen in das System verloren. «Sicher, weil sie wissen, wie geizig und unüberlegt sie die staatlichen Schulen ausstatten», vermutet die Oppositionspolitikerin.

Nach Angaben des Verbandes Deutscher Privatschulverbände (VDP) lernen bundesweit knapp eine Million Schüler - das ist jeder elfte - an einer Einrichtung in privater Trägerschaft. Laut Statistik hat sich binnen 25 Jahren die Zahl der Schulen in privater Trägerschaft von rund 3200 auf knapp 5850 nahezu verdoppelt. Das Wachstum komme stark aus Ostdeutschland, wo es vor der Wende praktisch keine Privatschulen gab, hieß es.

Den Worten der Bildungsforscherin Nele McElvany von der Universität Dortmund zufolge werden Privatschulen in hohem Maße von einer «sozial privilegierten Schülerschaft» besucht. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) äußerte die Befürchtung, dass die Existenz privater Schulen «sozial selektiv» wirke. McElvany räumte ein, dass es Schulen gebe, in denen es um Elite gehe. Häufiger seien aber eine alternative Pädagogik oder ein christlich-sozialer Hintergrund wesentliche Merkmale.

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