Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Backhaus will gepanzerte Löschfahrzeuge auch für MV

26.06.2019 - Im Hitzesommer 2018 hielten Großbrände in munitionsbelasteten Wäldern die Feuerwehren in Atem. Löschpanzer mussten zur Hilfe geholt werden. Aus Brandenburg. Nun brennt es wieder. Agrarminister Backhaus sieht Handlungsbedarf, und Innenminister Caffier zeigt sich erstaunt.

  • Ein Löschpanzer bekämpft in einem Wald mit Munitionsresten einen Brand (Luftaufnahme mit einer Drohne). Foto: Daniel Bockwoldt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Löschpanzer bekämpft in einem Wald mit Munitionsresten einen Brand (Luftaufnahme mit einer Drohne). Foto: Daniel Bockwoldt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lübtheen (dpa/mv) - Mecklenburg-Vorpommern ist nach Ansicht von Umwelt- und Agrarminister Till Backhaus (SPD) völlig unzureichend auf Waldbrände in munitionsbelasteten Gebieten vorbereitet. Die ausgedehnten Brände auf früheren Truppenübungsplätzen im Vorjahr hätten das Ausmaß der Gefahren deutlich gemacht. «Ohne Löschpanzer werden wir das Problem nicht gelöst bekommen», betonte der Minister am Mittwoch bei einem Besuch in Lübtheen (Kreis Ludwigslust-Parchim). Allerdings sehe er den Bund finanziell maßgeblich in der Pflicht. Schließlich sei das Land nicht Verursacher der Munitionsbelastungen.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU), in dessen Zuständigkeit der Brandschutz fällt, zeigte sich verwundert über den Vorstoß seines Kabinettskollegen. «Mit dem Feuerwehrverband gibt es bereits klare Absprachen zur Anschaffung allradgetriebner Tankfahrzeuge, die in Verbindung mit dem Katastrophenschutz zum Einsatz kommen sollen. Wenn gepanzerte Löschfahrzeuge benötigt werden, müssen diese von Fall zu Fall angefordert werden», sagte Caffier. Auch das Land Brandenburg, das deutlich mehr munitionsbelasteten Gebiete habe, ordere dann die benötigte Technik von einem Privatunternehmen.

Am Rande des früheren Truppenübungsplatzes bei Lübtheen war am Dienstag ein Feuer ausgebrochen, bei dem es laut Feuerwehr auch zur Detonation von im Boden liegender Munition kam. Betroffen war ein Karree von 30 Hektar, auf 6 Hektar davon habe Feuer gelodert. Der Brand sei am Boden geblieben und habe unter anderem durch die Wässerung von Schutzstreifen unter Kontrolle gebracht werden können. Doch könne wegen der anhaltenden Hitze und möglicherweise auffrischendem Wind noch keine vollständige Entwarnung gegeben werden, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Man sei vorbereitet, zur Not die kleine Gemeinde Jessenitz-Werk zu evakuieren. Dort leben rund 200 Menschen.

Backhaus (SPD) sprach sich dafür aus, in der Region gepanzerte Löschfahrzeuge zu stationieren, die dann bei Bränden in den gefährlichen Waldgebieten zum Einsatz kommen sollen. «Es ist an der Zeit, das durchzusetzen», sagte er. In Brandenburg gibt es solche Fahrzeuge, die im Vorjahr auch schon bei zwei großen Waldbränden in Südwestmecklenburg zum Einsatz gekommen waren und teuer bezahlt werden mussten.

Nach Angaben des Ministers sind in Mecklenburg-Vorpommern 28 000 Hektar als hochgradig und weitere 45 000 Hektar als minderschwer munitionsbelastet eingestuft. Fachleute hätten auf früheren Truppenübungsplätzen bis zu 45,5 Tonnen Munition ermittelt. In solchen Gebieten könnten aus Sicherheitsgründe keine herkömmlichen Löschangriffe geführt werden. Für Feuerwehrleute gelte ein Sicherheitsabstand von 1000 Metern.

Aus diesem Grund hatte Landrat Stefan Sternberg (SPD) am Dienstagabend aus dem benachbarten Brandenburg auch zwei Löschpanzer an den Brandort beordert. Das Gebiet weise eine hohe Belastung mit Munition auf, die zum großen Teil aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs stamme. Zudem hätten sich in unmittelbarer Nähe des Brandherdes ein Dorf und eine Fabrik befunden, auf deren Gelände große Gastanks stehen. «Mir war das ganze Ding zu heiß», begründete Sternberg den Einsatz der Löschpanzer. Die Kosten trage der Landkreis.

Es sei Sache des Landkreises gewesen, über den Mitteleinsatz zu entscheiden, sagte Caffier. Er war am Mittwoch auf Usedom unterwegs, wo zwischen Peenemünde und Karlshagen im Norden der Ferieninsel ebenfalls in einem munitionsbelasten Wald ein Feuer ausgebrochen war. Den Angaben zufolge war im Innenministerium die Bestellung der Löschpanzer für den Brand bei Lübtheen im Innenministerium als überzogen bewertet worden.

Sternberg verwies auf die insgesamt unzureichende technische Ausstattung vieler Feuerwehren. Das habe sich auch nach den Erfahrungen des Hitzesommers 2018 nicht grundlegend verbessert. «Wir haben einfach zwölf Monate verloren», sagte er.

Lübtheens Bürgermeisterin Ute Lindenau verwies darauf, dass die Entscheidung über einen Landeszuschusses für den Kauf eines neuen Löschfahrzeugs im Ortsteil Lübbendorf auf den Herbst verschoben worden sei. Das alte Löschfahrzeug wurde nach Angaben Lindenaus jetzt vom TÜV wegen technischer Mängel stillgelegt. Der Ort musste im Vorjahr wegen eines großen Waldbrandes vorübergehend evakuiert werden. Die Verschiebung der Zuschussentscheidung hänge möglicherweise damit zusammen, dass die Unterlagen unvollständig waren oder der Kauf vom Kreis nicht als dringlich eingestuft worden sein könnte, sagte Caffier.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren