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Wale stranden: Interessantes Phänomen für die Forschung

23.09.2020 - Ein deutscher Wal-Experte hält die zeitnahen Strandungen von zwei Grindwal-Gruppen vor der australischen Insel Tasmanien für ein interessantes Phänomen. Es zeige, dass die Strandungen nicht - salopp gesagt - damit zu erklären sind, «dass es immer mal welche gibt, die falsch abbiegen», sagte Harald Benke, Direktor des Deutschen Meeresmuseums in Stralsund, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

  • Der Direktor des Stralsunder Meeresmuseums, Harald Benke. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Direktor des Stralsunder Meeresmuseums, Harald Benke. Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

«Die Wale folgen alle einem Leittier, daher auch der Name Pilotwale», sagte Benke. Wenn der Pilot, der männlich oder weiblich sein kann, die Orientierung verliert und in flaches Wasser gerät, schwimmt die Gruppe ihm nach. Im seichten Wasser versagt aber das Echoortungssystem, mit dem sich die Wale orientieren und verständigen, völlig. Zu den Gründen für die Strandungen gibt es laut Benke mindestens drei Theorien:

- Eine besagt, dass sich Wale - wie auch Vögel - an magnetischen Feldlinien auf der Erde orientieren. Kommt es zu Störungen, etwa durch Erdbeben, können die Tiere die Orientierung verlieren. Auch Sonnenstürme könnten das Erd-Magnetfeld beeinflussen und Strandungen auslösen, erklärte Benke mit Verweis auf eine Studie des Kieler Physikers Klaus Vanselow von 2016. Eine solche Störung könnte nach Ansicht Benkes im aktuellen Fall die Ursache sein

- Auch für die Theorie, wonach die Echoortung der Wale durch Lärm in den Meeren versagt, könnten die aktuellen Strandungen ein Beleg sein. «Die Wale verständigen sich über Schall und navigieren mit Schall. Wenn es im Meer zu laut ist, hören sie das Echo nicht mehr», erläuterte Benke.

- Auch die Theorie, wonach das Leittier sich verschwimmt, weil es nicht mehr gut hören kann, etwa wegen Krankheiten oder Parasiten im Ohr, sei prinzipiell denkbar.

Grindwale schwimmen in großen Gruppen im offenen Meer. Sie tauchen bis auf 600 Meter Tiefe und jagen Fische und Kalmare. Stranden die Wale, gibt es kaum Rettung. «Der Großteil der Tiere stirbt», sagte der Forscher, der 1984 erstmals mit Grindwalen in Berührung kam. Liegen sie auf Sandbänken, können sie trotz ihrer isolierenden Speckschicht schnell überhitzen. Zudem drücke ihr Körpergewicht auf die inneren Organe. Sie geraten in physiologischen Stress und sterben an Herz-Kreislauf-Versagen. Ihre Haut erleide bei Trockenheit Risse und könne in Fetzen abfallen.

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