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Weniger Opfer von häuslicher Gewalt in Universitätsmedizin

01.07.2020 - Bei der Gewaltopferambulanz der Universitätsmedizin Rostock haben sich im ersten Halbjahr des Jahres weniger Menschen gemeldet als noch im Vorjahreszeitraum. Die Corona-Krise dürfte einen Anteil daran haben.

  • Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller in einer Küche. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Mann und eine Frau stehen hinter einem zerbrochenen Teller in einer Küche. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In der ersten Jahreshälfte haben sich rund zehn Frauen nach häuslicher Gewalt bei der Gewaltopferambulanz der Universitätsmedizin Rostock gemeldet. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres lag diese Zahl noch bei 16, wie die Universitätsmedizin auf Anfrage mitteilte. Ein Mann sei in den ersten sechs Monaten des Jahres nicht vorstellig geworden, im Vorjahreszeitraum war es noch einer. Die Zahl repräsentiere nur die Fälle, in denen sich Opfer selbst gemeldet hätten.

Für den Rückgang gibt es laut Verena Kolbe, Fachärztin für Rechtsmedizin an der Uniklinik Rostock mehrere Ansatzpunkte. Durch das vermehrte Home-Office in der Corona-Krise könne es sein, dass der Faktor Arbeit wegfalle, wo die Verletzungen sichtbarer seien. Ebenfalls gebe es in der Corona-Zeit weniger Kontrollinstanzen wie beispielsweise Sportvereine. Dadurch sei eine noch höhere Dunkelziffer zu vermuten.

Die Zahl der Untersuchungen in der Rechtsmedizin insgesamt sei ebenfalls gesunken. Waren es im ersten Halbjahr 2019 noch 132 Untersuchungen, so waren es von Januar bis Juni dieses Jahres rund 90. Neben häuslicher Gewalt gebe es ebenfalls Untersuchungen wegen anderer körperlicher Gewalt und Anzeichen von Kindesmissbrauch.

Landes- und auch bundesweit gebe es keine signifikanten Steigerungen bei der Inanspruchnahme von Beratungs- und Hilfsangeboten bei häuslicher und sexualisierter Gewalt, teilte das Sozialministerium auf Anfrage mit. «Dennoch besteht bei uns die Annahme, dass es eine Zunahme von häuslicher Gewalt infolge der Corona-Pandemie gibt», sagte Sozialministerin Stefanie Drese (SPD).

Drese betonte die Bedeutung von Hilfsangeboten, wie etwa das Beratungs- und Hilfenetz MV. Darin seien unter anderem neun Frauenhäuser und fünf Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt und Stalking gebündelt. Zudem verwies die Ministerin auf die Kampagne «Zuhause nicht sicher?», bei der in bundesweit rund 26 000 Supermärkten auf die Problematik aufmerksam gemacht werde.

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