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«Audi-Bande»: Mutmaßliche Geldautomaten-Gangster vor Gericht

03.06.2019 - Seit mehreren Jahren sorgt die sogenannte «Audi-Bande» in Deutschland für Angst und Schrecken. Nachts jagt sie Geldautomaten in die Luft und rast mit PS-starken Boliden davon. Nun stehen drei mutmaßliche Gangster vor Gericht. Gesprächig sind sie nicht.

  • Drei mutmaßliche Gangster der sogenannten «Audi-Bande» stehen in Düsseldorf vor dem Landgericht. Foto: Frank Christiansen/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Drei mutmaßliche Gangster der sogenannten «Audi-Bande» stehen in Düsseldorf vor dem Landgericht. Foto: Frank Christiansen/dpa/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Düsseldorf (dpa/lnw) - Sie sind nie länger als fünf Minuten am Tatort und mit ihren PS-starken Fluchtwagen hängen sie die Polizei spielend ab, wenn sie nachts Geldautomaten in die Luft gejagt haben: Seit mehreren Jahren sorgt die sogenannte «Audi-Bande» nicht nur in Nordrhein-Westfalen für Aufsehen. Drei der mutmaßlichen Gangster, die für ihre Beutezüge aus den Niederlanden kommen, stehen seit Montag in Düsseldorf vor Gericht.

Ihre Taten sind sorgfältig vorbereitet, berichtet Staatsanwalt Joel Güntert: Garagen würden angemietet, um das Equipment zu bunkern, Tiefgaragen würden ausbaldowert, um sich zu verstecken, bis die Luft wieder rein ist.

Der Hauptangeklagte war laut Anklage an der Sprengung von sieben Geldautomaten in NRW, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt beteiligt, die beiden anderen Angeklagten an je einer der Explosionen. Die 26, 28 und 31 Jahre alten Männer sind Niederländer aus Utrecht. Zwei von ihnen haben auch die marokkanische Staatsangehörigkeit. Ihnen wird schwerer Bandendiebstahl und das Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen vorgeworfen.

Für die Fahrt zum Tatort sollen sie immer gestohlene, hoch motorisierte Autos der Marke Audi genutzt haben - «PS-stärker als die Streifenwagen», wie Staatsanwalt Joel Güntert betont. Die Angeklagten würden vor allem durch DNA-Spuren belastet. Sie gehörten einer «überwiegend marokkanischstämmigen, in den Niederlanden ansässigen Gruppierung an».

Wenn es den Geldautomaten ans Eingemachte geht, seien die Gangster komplett in schwarz gekleidet - Sturmhauben inklusive. Mit Schläuchen wird ein Gasgemisch in die Automaten geleitet und mit einem Elektroschocker gezündet, berichtet der Staatsanwalt.

Bei einer Explosion in Mönchengladbach hätte die Bande beinahe knapp 200 000 Euro auf einen Schlag erbeutet, wäre die Polizei nicht sofort am Tatort aufgekreuzt. Die Täter ließen ihre Tasche mit drei gut gefüllten Geldkassetten fallen. Mehr als 600 000 Euro Beute und weit mehr als 100 000 Euro Sachschaden sollen dennoch allein bei den sieben angeklagten Fällen auf das Konto der Bande gegangen sein.

Der Staatsanwalt wirft dem Hauptangeklagten Explosionen in Castrop-Rauxel, Essen, Mönchengladbach, Ratingen und Recklinghausen (alle in Nordrhein-Westfalen) sowie in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) und Schüttorf (Niedersachsen) vor.

Die «Audi-Bande» schlägt blitzschnell zu - die Schäden gehen längst in die Millionen. Im Landeskriminalamt NRW hat sich die Sonderkommission «Heat» an die Fersen der Bande geheftet, benannt nach dem Hollywood-Gangster-Epos von 1995 mit Robert de Niro und Al Pacino.

Zu den Vorwürfen schwiegen die drei Männer am Montag. Gleich nach Verlesung der Anklage baten ihre Verteidiger um ein Rechtsgespräch hinter verschlossenen Türen - ohne die Angeklagten. Über den Inhalt des Gesprächs will die Vorsitzende Richterin Alexandra Bernardy am Donnerstag die Öffentlichkeit informieren.

Die Zahl der Angriffe auf Geldautomaten ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Einem Medienbericht vom Wochenende zufolge listet das Bundeskriminalamt im neuen Lagebericht für 2018 bundesweit 369 Fälle auf - ein Anstieg um 38 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Allein in NRW waren es 108 Taten.

Bekannt wurde die «Audi-Bande», als sie im September 2015 in Düsseldorf der Polizei davon raste - mit zeitweise über 250 Stundenkilometern. 21 Streifenwagen konnten die Täter nicht stoppen. Sogar der Polizei-Hubschrauber wurde abgehängt. Über sieben Autobahnen verlor sich ihre Spur in den Niederlanden. Zwischendurch konnten die Gangster sogar stoppen, um ihren Wagen aufzutanken.

Lücken in den eigenen Reihen durch Festnahmen konnte die Bande bislang immer schließen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sich die «Audi-Bande» aus einer etwa 300-köpfigen Szene marokkanischer Einwanderer aus Utrecht rekrutiert. Für den Prozess hat das Landgericht bis Ende Oktober 35 Verhandlungstage eingeplant.

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