«Brücke in die Zukunft»: Start-up-Szene wächst

15.04.2021 Niedersachsen hat nicht den Ruf eines Start-up-Zentrums wie Berlin oder das Silicon Valley. Doch auch zwischen Küste und Harz wächst die Zahl der Gründerinnen und Gründer mit innovativen Geschäftsideen.

Michael Rohrdrommel, Gründer und Geschäftsführer von Happy Glückskeks, öffnet im Lager des Unternehmens aus Hameln einen Glückskeks. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

In Niedersachsen sind im Corona-Jahr 2020 deutlich mehr Start-ups gegründet worden. Wie aus dem am Donnerstag vorgestellten ersten Start-up-Monitor des Landes hervorgeht, wurden 106 Neugründungen gezählt - im Jahr davor waren es 89 (plus 19 Prozent). Fast jedes dritte Start-up kam aus der Region Hannover (34), gefolgt von den Hochschulstandorten Osnabrück und Braunschweig (je 9) sowie Göttingen (7). Der Anteil an Gründerinnen lag mit 20 Prozent leicht über dem Bundesdurchschnitt.

Wirtschaftsminister Bernd Althusmann bezeichnete die Start-ups, die sich durch innovative Geschäftsideen auszeichnen, als «entscheidende Brücke in die Zukunft nach Corona». Ohne eine lebendige Start-up-Szene werde Niedersachsen, aber auch Deutschland in den nächsten zehn Jahren im internationalen Wettbewerb den Anschluss verlieren. «Das ist kein kurzfristiger Hype, das ist eine langfristige Entwicklung», sagte der CDU-Politiker.

Als Beispiel verwies er auf das Braunschweiger Unternehmen Corat Therapeutics, das ein Corona-Medikament entwickelt und jetzt auch vom Bund gefördert wird. «Das Unternehmen steht kurz vor dem Start der ersten klinischen Testphase seines Antikörper-Medikaments zur Behandlung von Covid-19», sagte der Minister. Wenn das Medikament schnell in die Produktion komme, könne es vielleicht bis zum Jahresende zur Verfügung stehen. «Das könnte ein Riesenschritt nach vorne sein bei der Corona-Pandemiebekämpfung im Vorfeld einer Erkrankung.» Das Land Niedersachsen fördert Corat Therapeutics zusammen mit weiteren Geldgebern bereits seit Juni 2020. Über die Höhe der Beteiligung hatten die Partner Stillschweigen vereinbart.

Auf das ganze Land gesehen haben Niedersachsens Start-ups einen eher technischen Schwerpunkt. Die Gründer kämen häufiger aus den Bereichen Informatik, Mathematik und Ingenieurwesen als im Bundesschnitt, heißt es im Monitor. Positiv hervorgehoben haben die befragten Jungunternehmer den bezahlbaren Büroraum und die Nähe zu den Hochschulen. Verbesserungsbedarf gebe es allerdings bei der Vernetzung mit anderen Gründern und der Kooperation mit Unternehmen.

Der Präsident des Bundesverbands Deutsche Startups, Christian Miele, hob Niedersachsen dennoch als beispielhaft dafür heraus, wie auch außerhalb der Metropolen ein gutes Umfeld für Gründungen entstehen könne. Stephanie Birkner, Professorin für Female Entrepreneurship (weibliches Unternehmertum) an der Uni Oldenburg, warb derweil, wie auch Miele, für mehr Diversität in der Szene. Zukunftsfähiges Wirtschaften bedeute auch, die Wirtschaft umzudenken. «Das wird nicht funktionieren, wenn die gleichen Menschen auf die gleiche Art und Weise Wirtschaft weiter betreiben», sagte Birkner.

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