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«Nicht im Wilden Westen»: Abschuss von Wölfin erntet Kritik

12.02.2021 - Zum zweiten Mal nach 2016 ist ein auffälliger Wolf in Niedersachsen im Auftrag des Landes getötet worden. Das betroffene Rudel habe innerhalb von zweieinhalb Jahren 500 Schafe gerissen, sagt Umweltminister Lies. Doch war das Vorgehen rechtmäßig?

  • Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Wolf schaut hinter einem Baum hervor. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Erstmals seit fast fünf Jahren ist wieder ein Wolf in Niedersachsen mit Genehmigung des Landes getötet worden. Bei Löningen im Landkreis Cloppenburg wurde ein weibliches Tier erschossen. Das in der Gegend ansässige sogenannte Herzlaker Rudel habe seit September 2018 circa 500 Schafe gerissen, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD). Dabei ließen sich die Wölfe mehrfach auch nicht von 1,20 Meter hohen Zäunen und Herdenschutzhunden abhalten. Die Ausnahmegenehmigung zum Abschuss bezog sich auf einen männlichen Wolf, dem die Risse überwiegend zugeordnet werden konnten.

«Die wirkliche Identifizierung des einzelnen Wolfes ist in diesem Gelände kaum möglich», erläuterte Lies. Daher sei auch die Tötung des weiblichen Wolfes wegen eines engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhanges zu den Rissen durch das Bundesnaturschutzgesetz gedeckt. Wölfe stehen unter strengem Artenschutz. Im Frühjahr 2016 wurde erstmals ein Wolf in Niedersachsen in staatlichem Auftrag getötet, weil er Menschen zu nahe gekommen war.

Eine DNA-Untersuchung soll jetzt die Identität der getöteten Wölfin klären. Laut Ministerium werden keine weiteren Tiere des Rudels mehr gejagt. Umweltverbände und die Grünen-Fraktion im Landtag kritisierten, dass das Land verschweigt, wie viele Wölfe derzeit mit Ausnahmegenehmigungen getötet werden dürfen. Lies zufolge geht es darum, die Schützen und Jäger vor Attacken von militanten Wolfsbefürwortern zu schützen. In Niedersachsen stehen sich Wolfsgegner und -freunde seit Jahren erbittert gegenüber.

«Wir sind hier nicht im Wilden Westen, wo nach Gutdünken Wölfe abgeschossen werden, bis man den richtigen Wolf irgendwann trifft», sagte am Freitag Nabu-Landeschef Holger Buschmann. Das Umweltministerium führe «geheime Abschusslisten». Die Interessengemeinschaft Wolfsfreunde Deutschland sprach von einer «rechtswidrigen Tötung» und stellte nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen Lies, den zuständigen Landrat sowie den unbekannten Schützen.

«Von einem Urteil in einem Prozess nach der Strafanzeige erhoffen wir uns Rechtssicherheit», sagte der Präsident der Landesjägerschaft, Helmut Dammann-Tamke, der auch CDU-Landtagsabgeordneter ist. Es handele sich um die bundesweit erste Wolfsentnahme, die mit Nutztierrissen begründet werde. Die Jäger reißen sich laut Dammann-Tamke nicht darum, Wölfe zu schießen. «Das ist keine Jagd, sondern eine Anordnung nach Naturschutzrecht, an der sich wenige freiwillig beteiligen.» Die Jäger bringen sich dem CDU-Politiker zufolge nur ein, wenn ihre Anonymität gesichert wird.

Wolfsschützer hatten mehrfach gegen die Ausnahmegenehmigungen zum Abschuss verhaltensauffälliger Wölfe geklagt. Aus diesem Grund war zum Beispiel die Suche des so genannten Rodewalder Rüden rund 45 Kilometer nördlich von Hannover zeitweise ausgesetzt worden. Die Zahl der Wölfe im Land stieg innerhalb eines Jahres von etwa 230 auf aktuell rund 350. Inzwischen gibt es 35 Rudel und zwei Paare.

Nach Überzeugung von Dammann-Tamke halfen wohl Spuren im Schnee, den Wolf in der Nähe von Löningen aufzuspüren und in der Nacht zum Donnerstag zu schießen. Das Herzlaker Rudel hatte laut Ministerium zuletzt am 10. Oktober und 12. November Nutztiere gerissen. Allein einem Schäfer sei in den vergangenen Jahren ein Schaden von 50 000 Euro entstanden. Sind die Tierhalter in der Region jetzt erleichtert? Ein betroffener Schäfer wollte sich am Freitag nicht zum Thema Wolf äußern.

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