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«Unter uns»: Modellprojekt hilft wohnungslosen Frauen

24.02.2020 - Die genaue Lage der Wohnung ist geheim, weil sie ein geschützter Ort sein soll. Seit einem halben Jahr bekommen obdachlose und von Wohnungsnot bedrohte Frauen dort Hilfe. Eine erste Bilanz zeigt, wie nötig die Einrichtung ist.

  • Patricia Kirsch (l) und Mona Bothe stehen an der Tür der Beratungsstelle für Frauen «Unter uns». Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Patricia Kirsch (l) und Mona Bothe stehen an der Tür der Beratungsstelle für Frauen «Unter uns». Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Braunschweig (dpa/lni) - Ein halbes Jahr nach der Einrichtung einer Anlaufstelle speziell für von Wohnungsnot bedrohte Frauen ziehen die Projektträger eine positive Bilanz. «Diese Möglichkeit wird sehr gut angenommen», sagte Patricia Kirsch von der Diakonischen Gesellschaft Wohnen und Beraten in Braunschweig. «Hier sollen die Frauen herkommen, wenn sie nicht wissen, wo sie in dieser Nacht schlafen können», beschreibt Kirsch das vorrangige Ziel.

Die Wohnung ist hell, aber einfach eingerichtet. Zwei Betten, Tisch und Stühle, bereitgestellt wird sie von der Stadt. Der genaue Ort soll geheim bleiben, denn die Wohnung ist als Schutzraum für Frauen in Notlagen gedacht. Das Land fördert das auf drei Jahre ausgerichtete Modellprojekt mit 300 000 Euro. Sozialministerin Carola Reimann bezeichnete Wohnungslosigkeit kürzlich als «eine besonders prekäre Form von Armut und sozialer Ausgrenzung». «Wir müssen diesen Menschen in Not helfen», sagte die SPD-Politikerin bei einer Tagung mit Fachleuten im Januar.

Genaue Übernachtungszahlen liegen nach Angaben der Beratungsstelle noch nicht vor. «Wir sind nicht durchgängig belegt, merken aber, dass sich das Angebot lohnt», sagte Sozialarbeiterin Kirsch mit einem Winter Erfahrung. Als vielleicht wichtigsten Aspekt nennt sie die Möglichkeit, dass die Frauen bleiben können, bis geklärt ist, wohin sie kommen. Im Ernstfall geht es darum, dass Frauen, die Gewalt erfahren haben, nicht wieder dahin geschickt werden, wo es passiert ist. «Solche Kreisläufe wollen wir durchbrechen», sagte Kirsch, die mit ihrer Kollegin Mona Bothe in der Beratungsstelle aktiv ist.

In der Einrichtung können sich Frauen auch austauschen, ausruhen und wenn gewollt Unterstützung in Anspruch nehmen. Auch duschen oder einfach Wäsche waschen und trocknen soll möglich gemacht werden. Auf die Frage nach dem Auslöser für das Modellprojekt nennen die Sozialarbeiterinnen ihre Fakten. Im November 2018 waren demnach von 118 Frauen, die um Hilfe baten, 68 akut wohnungslos und zehn unmittelbar von Wohnungslosigkeit bedroht. Zwei Frauen lebten in unzumutbaren Wohnverhältnissen, eine Frau war formal von Wohnungslosigkeit betroffen.

Unabhängig davon, dass die Träger von einer höheren Dunkelziffer ausgehen, waren diese Zahlen Anlass zum Handeln. Wenige Monate später im August 2019 startete «Unter uns» – der Treff für wohnungslose Frauen. Das Sozialministerium in Hannover beschreibt das Ziel mit einem ambulanten Angebot nur für Frauen, um dem Problem der verdeckten Wohnungslosigkeit entgegenzuwirken. Gemeint ist, dass es bei Frauen oft später oder sogar nicht auffällt, wenn sie in Notlagen erstmal irgendwo unterkommen, wie eine Ministeriumssprecherin sagte.

In Niedersachsen gibt es nach Angaben des Sozialministeriums mit 54 Beratungsstellen und 35 Tagesaufenthalten ein flächendeckendes Angebot an ambulanten Hilfen. Zusätzlich seien mehr als 1300 Plätze in stationären Einrichtungen verfügbar. Im vergangenen Jahr stellte das Land demnach rund 33,7 Millionen Euro für diese Aufgaben zur Verfügung. Die Braunschweiger Sozialarbeiterinnen Kirsch und Bothe wollen ihr Angebot nun weiter bekannt machen, um auf die prekäre Lebenssituation dieser Frauen aufmerksam zu machen und Hilfe zu etablieren.

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