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Angeklagter Waffensammler bestreitet Anschlagspläne

14.10.2019 - Frühere Klassenkameraden dachten, er sei ausgewandert. Ein junger Mann hat viele Jahre in seinem Zimmer verbracht, im Internet illegale Waffen bestellt und sich an Chats von Rechtsextremisten beteiligt. Jetzt sitzt er in Untersuchungshaft.

  • Justitia mit Sonne und Taube. Foto: Arne Dedert/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Justitia mit Sonne und Taube. Foto: Arne Dedert/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hannover (dpa/lni) - Er habe Dutzende teils verbotene Waffen gekauft und in seinem Zimmer gehortet, aber nie einen Menschen verletzen wollen. Ein 30-Jähriger hat im Landgericht Hannover gestanden, in einen «Strudel aus Verschwörungstheorien und rechter Gesinnung» geraten zu sein, aber jegliche Anschlagspläne bestritten. «Er hatte niemals vor, damit Menschen Schaden zuzufügen», betonte Verteidiger Pascal Ackermann am Montag. Seinem Mandanten sei es um das reine Sammeln und die Historie der Waffen gegangen. Auslöser war demnach ein Computerspiel mit dem Schauplatz Zweiter Weltkrieg.

Der bärtige, stark übergewichtige Mann ist gemeinsam mit seinem 53-jährigen Vater wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz angeklagt. Wegen Terrorverdachts hatte zunächst die Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelt, dafür fand sie aber keine konkreten Hinweise. Dem Sohn wird zudem Körperverletzung vorgeworfen, weil er einen Polizisten bei seiner Festnahme im März attackierte. Seinen Vater treffe keine Schuld. Ihm habe er vorgespielt, es handele sich um Deko-Waffen sowie legale Waffen, betonte der 30-Jährige. Auch rund 3650 Schuss Munition wurden bei den beiden entdeckt.  

Im Gerichtssaal kam der Terroranschlag von Halle zur Sprache. Möglicherweise würden jetzt Parallelen zu dem Täter von Halle gezogen, etwa das zurückgezogene Leben, sagte der Verteidiger. Der Waffensammler war Fan eines Blogs, auf dem Fake News, rechtsextreme Hetze und Hass verbreitet werden. Über eine Messenger-Gruppe sei er unter anderem an das Video des Anschlags in Christchurch gekommen, sagte der Angeklagte. Sein Verteidiger betonte: «Er hat sich in der Haft von den Verschwörungstheorien und sämtlichem rechtsgerichteten Gedankengut distanziert.» Genauer ausführen wollte das der 30-Jährige auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters nicht. Er sagte nur: «In der Haft habe ich gemerkt, dass es nicht so ist.»

Mit knappen Worten schilderte der blasse Angeklagte seine psychischen Probleme, die ihn dazu gebracht hätten, abgeschottet zu leben. Wegen Mobbings in der Schule aufgrund seines starken Übergewichts habe er sich vor etwa elf Jahren aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sein Vater verbreitete die Legende, der Sohn sei ausgewandert. Selbst Nachbarn wussten demnach nicht, dass der 30-Jährige mit in der 50-Quadratmeter-Wohnung lebte.

Von 2014 ließ der Sohn die Gewehre und Maschinenpistolen zu seiner Großmutter liefern, sein Vater holte dort die etwa 35 bis 40 Pakete ab. Der Sohn benutzte die Identität seines Vaters für die zunächst legalen Waffenkäufe - nach seinen Angaben weil sein eigener Personalausweis unauffindbar und wohl abgelaufen war. «Es gab so 'n schönes Glücksgefühl, wenn ich was Neues bekommen habe. Andere freuen sich über Briefmarken oder Autos.»

Ermittlungen im Darknet hatten zur Razzia und Festnahme des jungen Mannes geführt. Vor diesem Scheinkauf habe sein Mandant aber nie Waffen über das Darknet bezogen und keine Waffe mit der Digitalwährung Bitcoin bezahlt, erklärte der Verteidiger. Im Tresor des 30-Jährigen fanden die Polizisten knapp 100 000 Euro Bargeld. Dies sei legales Geld, beteuerte er. «Ich hatte ein gutes Händchen mit Bitcoin.» Er habe rund 10 000 Euro - Geldgeschenke seiner Großmutter - investiert. «Ich würde nie anonym 'ne scharfe Schusswaffe verkaufen, das ist so, als ob ich selber schieße.»

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