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Angler setzen mehr als 1000 junge Schlammpeitzger aus

01.12.2019 - Schlammpeitzger leben versteckt. Selbst Angler bekommen die als stark gefährdet eingestufte Fischart fast nie zu Gesicht. Nun werden in Ostfriesland mehr als 1000 junge Schlammpeitzger ausgesetzt.

  • Thomas Klefoth (r) und Hilke Nieland setzen am Ufer des Ems-Jade-Kanals junge Schlammpeitzger aus. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Thomas Klefoth (r) und Hilke Nieland setzen am Ufer des Ems-Jade-Kanals junge Schlammpeitzger aus. Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Emden (dpa) - Um die Artenvielfalt in Niedersachsens Gewässern zu erhalten, haben Angler in Ostfriesland am Sonntag rund 1200 junge Schlammpeitzger in Grabensysteme der Stadt Emden ausgesetzt. Die Fischart ist als stark gefährdet eingestuft und europaweit geschützt. «Das Ziel ist die Wiederansiedlung dieser Fische», sagte der Leiter des Projektes, Thomas Klefoth vom niedersächsischen Anglerverband. «Der Schlammpeitzger ist ein natürlicher Bestandteil der Graben- und Flusssysteme in Norddeutschland und wir möchten diese Fischart gerne erhalten», so der Verbandsbiologe. Ihm zufolge heißen die Fische im Volksmund auch Gewitterfurzer, Piepaal und Moorgrundel.

Schlammpeitzger haben einen aalartig gestreckten Körper, sie können bis zu 35 Zentimeter lang werden. Sie leben versteckt in Gräben und Auen mit schlammigem Grund, in den sie sich eingraben. Die Fische können in Gewässern mit geringem Sauerstoffgehalt überleben, da sie die sogenannte Darmatmung beherrschen. Das bedeutet, dass der Fisch an der Wasseroberfläche Luft atmet und in den Enddarm weiterleitet. «Dessen Ende ist extrem dünnwandig und von feinen Blutgefäßen durchzogen. Hier findet der Gasaustausch statt», heißt es in einem Papier des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) über die Fischart.

Wie viele Schlammpeitzger in Niedersachsen leben, ist unbekannt. «Es ist ein Fisch, den man fast nie sieht», sagte Klefoth. Durch den Ausbau von Gewässern und intensive Landwirtschaft ist der Lebensraum der Art vielerorts bedroht.

Um Jungtiere aufzuziehen, hat der Verbandsbiologe gemeinsam mit einem Berufsfischer zufällig in Reusen gefangene Schlammpeitzger in einen Teich gebracht, damit sich die Fische auf natürliche Weise vermehren. «Vor drei Jahren haben wir das Projekt ins Leben gerufen», erzählt Klefoth. «Im ersten Jahr ist es uns leider nicht gelungen, weil ein paar kleine Hechte mit in den Teich reingerutscht sind und die haben alle Schlammpeitzger aufgefressen.

In diesem Jahr hat es aber geklappt.» Vor Hechten und Vögeln beschützt, hat sich die Zahl der Tiere im Teich verhundertfacht. Die Zahl der Schlammpeitzger ist von zwölf auf rund 1200 Tiere gewachsen, wie Klefoth berichtet. An den Projektkosten von rund 36 000 Euro haben sich ihm zufolge unter anderem die Stadt und Stadtwerke Emden beteiligt.

Nach der Freilassung der Jungfische hoffen die Projektbeteiligten, dass sich die Schlammpeitzger weiter vermehren. Damit sie überleben, haben die Angler Gewässer ausgesucht, die möglichst wenig ausgebaggert werden, denn die Bagger bedeuten oft das Ende der Tiere. Aus Sicht von Naturschützern ist der Erhalt der Schlammpeitzger wichtig, da sie zur Stabilität der Ökosysteme beitragen. «Die Ökosysteme sind stabiler, wenn die ursprünglichen Arten in ihrer gesamten Vielfalt vorkommen», sagte Klefoth. Jede Art habe eine Rolle in der Nahrungskette.

Nach Angaben des Laves ist es wichtig, die Lebensräume der Schlammpeitzger zu erhalten. «Dort, wo günstige Lebensbedingungen herrschen, ist die Art weiterhin vorkommend», sagte Silke Klotzhuber vom BUND. Um den Schlammpeitzger und andere bedrohte Arten zu schützen, hat Niedersachsen Schutzgebiete ausgewiesen. In Bremen gibt es ein ökologisches Grabenräumprogramm, um bedrohte Tiere wie den Schlammpeitzger zu schützen. Nach Angaben des dortigen BUND-Landesverbandes werden Gräben nur zu bestimmten Zeiten und naturschonend geräumt. «Bei uns sind die Bestände gut, weil wir seit vielen Jahren viele Schutzmaßnahmen haben», sagte Birgit Olbrich.

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