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Artenschutzzentrum: Igel nicht von der Mutter trennen

07.10.2019 - Jedes Jahr tummeln sich viele Igel im Artenschutzzentrum Leiferde, die dort eigentlich nicht hingehören. Weil sie hilfsbedürftig wirken, werden sie dorthin gebracht. Für die Tiere ist das aber eher ein Problem.

  • Ein junger Igel sitzt im Nabu-Artenschutzzentrum im Landkreis Gifhorn. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein junger Igel sitzt im Nabu-Artenschutzzentrum im Landkreis Gifhorn. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Leiferde (dpa/lni) - Falsch verstandene Tierliebe wird für Igel häufig zum Problem. «Zu viele Tiere werden zu uns gebracht, obwohl das nicht nötig wäre», sagt Bärbel Rogoschik vom Artenschutzzentrum des Naturschutzbundes (Nabu) in Leiferde. Derzeit sind ihr zufolge rund 35 Tiere in der Einrichtung. Das Problem: «Viele Menschen können nicht einschätzen, wann ein Igel hilfsbedürftig ist.»

Die Tiere können erst Ende September geboren sein und wiegen daher teils nur wenige Gramm. Für viele Menschen wirkt es dann so, als würden sie hilflos und von ihrer Mutter getrennt um ihr Überleben bangen, wie Nabu-Sprecher Philip Foth erläutert. Das sei in der Regel aber nicht der Fall. Eher gilt das Gegenteil. «Wer die Tiere dann mitnimmt, trennt sie oft unnötig von der Mutter», ergänzt Rogoschik. Die Tatsache, dass die Igel noch sehr klein sind, ist ihr zufolge kein ausreichendes Anzeichen dafür, dass sie auch krank sind.

Die Tierschutzeinrichtung appelliert, erst zu handeln, wenn Igel auf der Seite liegen oder sich sehr kalt anfühlen. «Wenn sie bluten oder Fliegeneier am Körper haben, kann ein Tierarzt aufgesucht werden», sagt Zentrumsleiterin Rogoschick. Kommen die Igel nach Leiferde, werden sie aufgepäppelt und schnellstmöglich ausgewildert. Laut Rogoschik kümmert sich das Zentrum um etwa 240 Stacheltiere jährlich.

«Das Einsammeln junger Igel ist ein Zeichen falsch verstandenen Tierschutzes und ein klarer Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz», betont Nabu-Sprecher Foth. Ganze Igelfamilien würden so auseinandergerissen. Dabei sei es im Herbst wichtig, dass die Tiere nicht gestört würden, damit sie sich vor dem Winter genügend Fettreserven anfressen könnten.

«Der Igel ist kein Haustier. Er möchte nicht bei uns Leben», sagt Rogoschik. Einige Menschen würden die Tiere erst mit nach Hause nehmen, später aber nach Leiferde bringen. «Dann haben sie gemerkt, dass der Igel stinkt oder sie in den Urlaub wollen».

Es gibt aber auch ganz einfache Möglichkeiten, Igeln zu helfen: «Das bereits gefallene Laub sollte einfach liegen gelassen werden», nennt Nabu-Sprecher Foth als Beispiel. Die Laubhaufen seien ideale Behausungen gerade zur Jungenaufzucht.

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