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Aufnahmestopp für Grenzdurchgangslager Friedland droht

02.07.2020 - Die Verzweiflung ist groß: Im Grenzdurchgangslager Friedland steigt die Zahl der Corona-Fälle. Nun droht der Landrat mit drastischen Maßnahmen.

  • Bernhard Reuter (SPD) spricht bei einer Versammlung. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Bernhard Reuter (SPD) spricht bei einer Versammlung. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Angesichts des Corona-Ausbruchs im Grenzdurchgangslager Friedland hat der Landkreis Göttingen dringend Hilfe vom Bund und vom Land Niedersachsen gefordert. Sie müssten dafür sorgen, dass Spätaussiedler ab sofort nur noch dann nach Friedland kommen dürfen, wenn sie zuvor andernorts 14 Tage lang in Quarantäne waren und negativ auf das Coronavirus getestet wurden, sagte Landrat Bernhard Reuter (SPD) am Donnerstag.

Derzeit kämen deutschstämmige Aussiedler aus Kasachstan und anderen Risikogebieten völlig unkontrolliert ins Lager. Dort gebe es mittlerweile bereits 61 Infizierte, sagte Reuter. Weil infizierte und nicht infizierte Bewohner separiert werden müssten, sei die Kapazität des Lagers erschöpft, erklärte die Leiterin des Corona-Krisenstabes, Kreisrätin Marlies Dornieden. Friedland ist seit mehreren Jahren die bundesweit einzige Aufnahmeeinrichtung für deutschstämmige Spätaussiedler.

«Ich betrachte die Entwicklung mit großer Sorge», sagte Landrat Reuter. Denn für die kommenden Wochen und Monate sei mit zahlreichen weiteren, möglicherweise mit Tausenden zusätzlichen Spätaussiedlern zu rechnen. Sollte der Bund und das Land nicht handeln, werde er nicht davor zurück schrecken, einen generellen Aufnahmestopp für das Lager zu verhängen, um eine weitere Ausbreitung des Virus in Friedland zu verhindern, sagte der Landrat.

In der Gemeinde Friedland hätten die Einwohner mittlerweile große Angst vor Ansteckung, sagte Bürgermeister Andreas Friedrichs (SPD). Der Ort stelle zwar seit Jahrzehnten seine Aufnahme- und Integrationsbereitschaft immer wieder nachdrücklich unter Beweis. «Aber so geht es nicht weiter», sagte Friedrichs.

Nach Angaben der niedersächsischen Landesaufnahmebehörde ist die Zahl der Corona-Infektionen im Lager am Donnerstag weiter gestiegen. Bei den jüngsten Untersuchungen seien elf weitere Aussiedler positiv getestet worden, sagte eine Sprecherin. Betroffen seien mittlerweile knapp 50 Spätaussiedler, aber auch im Lager untergebrachte Asylsuchende sowie Mitarbeiter der Einrichtung.

Sollte die Zahl der Neu-Infizierten weiter steigen, könnte dies zu neuen Einschränkungen für alle Menschen im Landkreis Göttingen führen, sagte Landrat Reuter. Derzeit werde der kritische Wert von 50 Neu-Infizierten je 100 000 Einwohner pro Woche zwar noch deutlich unterschritten. Dies könnte sich aber schnell ändern, wenn in Friedland weitere möglicherweise infizierte Menschen aufgenommen werden müssten.

Das Grenzdurchgangslager hat 700 Betten. Weil ein Großteil der derzeit knapp 320 Bewohner wegen der Quarantäne-Maßnahmen aber alleine oder in kleinen Gruppen untergebracht sind, gibt es nach Angaben der Landesaufnahmebehörde keine freien Plätze mehr.

Am 19. Juni wurde das Virus Sars-CoV-2 bei einer neu angekommenen vierköpfigen Familie nachgewiesen. Seither werden Bewohner und Mitarbeiter des Lagers sowie alle neu ankommenden Spätaussiedler systematisch getestet. Am Donnerstag lagen noch nicht alle Ergebnisse der bisherigen Tests vor.

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