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Bandscheiben-Skandal: Angeklagter Arzt weist Vorwürfe zurück

05.11.2019 - Ein Skandal um defekte Bandscheiben führt zu einem ersten Prozess gegen einen Mediziner. Dabei geht es zunächst nur um Korruption. Geschädigte Patienten müssen sich aber noch gedulden.

  • Der Haupteingang zum Landgericht Aurich. Foto: Ingo Wagner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Haupteingang zum Landgericht Aurich. Foto: Ingo Wagner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Aurich (dpa/lni) - Im Skandal um defekte Bandscheibenprothesen in Ostfriesland hat ein angeklagter Arzt vor Gericht Korruptionsvorwürfe zurückgewiesen. Der Mediziner soll für den bevorzugten Einsatz von Wirbelsäulenimplantaten eines bestimmten Herstellers unerlaubt Geld kassiert haben. Die Klinikleitung habe jedoch von seinen Nebentätigkeiten gewusst, ließ der 55-Jährige am Dienstag über seinen Anwalt am Landgericht Aurich mitteilen. Dort begann der Prozess gegen den entlassenen Leiter der Wirbelsäulenchirurgie am Klinikum Leer.

In dem Verfahren geht es in insgesamt 74 Fällen um Vorteilsannahme und Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall. In diesem Zusammenhang ist auch die ehemalige Geschäftsführerin einer Vertriebsgesellschaft angeklagt. Ihr Verteidiger forderte kurz nach Prozessbeginn die Einstellung des Verfahrens aus formalen Gründen.

Die Zentralstelle für Korruptionsstrafsachen bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück hatte in dem Verfahren zwei Anklagen verbunden. Danach sollen der Facharzt für Neurochirurgie und ein Unternehmen für Medizinprodukte ein Implantat für die Wirbelsäulenchirurgie entwickelt haben. Der Arzt setzte Patienten die Implantate bei Operationen am Klinikum Leer ein. Dafür wurde er prozentual an Umsätzen beteiligt und kassierte mehr als 14 000 Euro.

Daneben soll der Mediziner von einer weiteren Vertriebsgesellschaft eine fortlaufende Vergütung bekommen haben, damit er Implantate eines bestimmten Herstellers bevorzugt. In der Anklageschrift ist von mehr als 128 000 Euro in den Jahren 2011 bis 2016 die Rede.

Die beiden Angeklagten ließen die Vorwürfe über ihre Verteidiger abstreiten. Der Arzt sei vom Erfolg seines Implantat-Produktes überzeugt und habe Zahlungen dafür als Anteil an seiner Erfindung verstanden, sagte sein Anwalt.

Die Unregelmäßigkeiten am Klinikum Leer waren nach dem Rückruf von defekten Implantaten eines britischen Herstellers ans Licht gekommen. Die Klinikleitung hatte darauf die dienstlichen Mails des Arztes geprüft und war auf Provisionsrechnungen gestoßen. Darauf schaltete die Klinik die Polizei ein.

Ein weiterer Prozess gegen den Arzt wegen Körperverletzung in 59 Fällen steht noch aus. Denn viele eingesetzte Implantate hatten sich als schadhaft erwiesen und waren später im Körper der Patienten verrutscht oder zerbröselt. An den Folgen litten zahlreiche Patienten, sie mussten erneut operiert werden. Einige von ihnen verfolgten daher mit Spannung den Prozessauftakt in Aurich. Das Verfahren um Körperverletzung sollte eigentlich Ende 2018 am Amtsgericht Leer beginnen, wurde aber nach einem Befangenheitsantrag gegen den Richter verschoben. Dieser Prozess beginnt voraussichtlich im kommenden Jahr.

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