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Celle: Polizei soll Täter zu späterem Opfer gebracht haben

30.09.2020 - Zwei Messerattacken haben am Montagabend Celle am Südrand der Lüneburger Heide erschüttert. Im Fall des erstochenen 54-Jährigen kann der Sohn des Opfers das Vorgehen der Polizei vor der Tat nicht nachvollziehen.

  • Ein Blaulicht leuchtet an einer Polizeistreife. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Blaulicht leuchtet an einer Polizeistreife. Foto: Lino Mirgeler/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ausgerechnet die Polizei hat einen 45-Jährigen, der seinen Onkel in Celle getötet haben soll, zu seinem späteren Opfer gebracht. Es habe sich um eine gefahrenabwehrrechtliche Maßnahme der Polizei gehandelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Lüneburg am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Zu den Hintergründen könne sie nichts sagen. Nach einem Bericht der «Celleschen Zeitung» war der 45-Jährige am Montagnachmittag in der Celler Innenstadt wegen Diebstahls, Beleidigung und Körperverletzung aufgefallen.

Da keine Haftgründe vorlagen und der Mann keinen festen Wohnsitz hat, sollen die Polizisten entschieden haben, ihn zu seinem Onkel zu bringen. Dort soll er betrunken den 54-Jährigen mit einem Messerstich getötet haben. «Der ist Intensivstraftäter - warum die Polizei den bei meinem Vater vorbeigebracht hat, verstehe ich überhaupt nicht. Der ist hier doch gar nicht gemeldet», sagte der Sohn des Opfers der Zeitung.

Der mutmaßliche Täter war nach Polizeiangaben erst wenige Tage zuvor aus dem Gefängnis entlassen worden. Dem Zeitungsbericht zufolge hatten die Beamten ihn gegen 18.00 Uhr bei seinem Onkel abgeliefert, gegen 20.10 Uhr ging bei der Polizei Celle ein Notruf ein, gemeldet wurde zunächst ein Überfall. Der 45-Jährige wurde noch am Tatort festgenommen. Am Dienstagabend wurde gegen den Mann Haftbefehl wegen Totschlags erlassen. Eine Atemalkoholmessung bei dem mutmaßlichen Täter ergab eine Alkoholisierung, wie die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte. «Es wurden Blutproben genommen, deren Auswertung jedoch noch aussteht.»

Fast zeitgleich ereignete sich in einem anderen Stadtteil von Celle ebenfalls ein Messerangriff. Nach den bisherigen Erkenntnissen hatte ein 20-Jähriger vom Fahrrad aus einen 59 Jahre alten Fußgänger attackiert. Der 59-Jährige wurde notoperiert und ist inzwischen außer Lebensgefahr. Erkenntnisse zum Tatmotiv liegen der Sprecherin zufolge noch nicht vor. Es gebe Hinweise auf eine Beeinflussung durch Alkohol beziehungsweise Betäubungsmittel.

Die 70 000-Einwohner-Stadt Celle, die wegen ihrer Fachwerk-Altstadt und ihres Schlosses ein beliebtes Touristenziel ist, war erst 14 Tage zuvor von einem Kriminalfall erschüttert worden. Damals wurde ein Juweliergeschäft überfallen, der Inhaber erschoss die beiden Räuber. Die Ermittler prüfen, ob es sich dabei um Notwehr handelte.

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