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Hannover testet den kostenlosen Nahverkehr

19.11.2019 - Hannover will am ersten Adventssamstag den öffentlichen Nahverkehr kostenlos anbieten. Der Großversuch soll zeigen, ob das ein Modell für die Zukunft sein kann - und zieht Kritik auf sich.

  • Ein Fahrkartenautomat steht an der Haltestelle "Kröpke" der hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Fahrkartenautomat steht an der Haltestelle "Kröpke" der hannoverschen Verkehrsbetriebe Üstra. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hannover (dpa/lni) - Wer am Samstag vor dem ersten Advent seine Weihnachtseinkäufe in Hannover erledigen will, kann an dem Tag im kompletten Stadtgebiet kostenlos Bus und Bahn fahren. «Das ist ein Großversuch für Hannover», sagte ein Sprecher der Region Hannover am Montag. Mit der Aktion am 30. November solle getestet werden, ob ein kostenfreier öffentlicher Nahverkehr die Menschen tatsächlich dazu bewegt, ihr Auto stehen zu lassen.

Zählungen und eine wissenschaftliche Begleitung sollen nach seinen Angaben einen «handfesten Beleg» in der Diskussion rund um kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) oder ein Jahresticket für 365 Euro liefern. An dem Aktionstag sollen mehr Busse und Stadtbahnen als sonst unterwegs sein, um das erhöhte Passagieraufkommen zu bewältigen. Rund 200 000 Euro Kosten sind nach Angaben des Sprechers durch den Ausfall von Einnahmen aus dem Fahrkartenverkauf zu erwarten.

Andere große niedersächsische Kommunen planen zur Weihnachtszeit keine Versuche mit komplett kostenlosem Nahverkehr. In Göttingen wird an den Adventssamstagen ein kostenfreies Shuttle zwischen Park&Ride-Parkplätzen und Innenstadt angeboten, der Rest bleibt kostenpflichtig. Auch in Braunschweig ist kein Aktionstag mit kostenlosem ÖPNV angedacht, Christoph Graffam von der Braunschweiger Verkehrs-GmbH sagte aber: «Wir denken immer wieder über das Thema nach.» In Lingen im Emsland soll es dagegen kostenlose Busse an allen vier Adventssamstagen geben. Wie in Hannover ist das Ziel, die Innenstadt zu entlasten und Menschen vom Nahverkehr zu überzeugen.

Kritisch sieht Marco Hörmeyer von den Stadtwerken Osnabrück die Aktion: «Wer an diesem Tag zum ersten Mal auf öffentlichen Nahverkehr umsteigt, wird wohl vor allem unpünktliche und überfüllte Busse erleben.» Das würde bei Erstkunden vor allem Vorurteile gegen den ÖPNV bestätigen und nicht zu einer erhöhten Akzeptanz führen.

Wichtiger als solch punktuelle Aktionen seien daher langfristige Maßnahmen. Osnabrück plane für kommenden Februar ein komplett neues Liniennetz mit einer engeren Taktung. Zu Ideen wie einem 365-Euro-Ticket meinte Hörmeyer: «Wir können nicht erst an der Preisschraube drehen und dann mit den Angeboten nicht hinterherkommen.» Der Sprecher der Region Hannover sagte hingegen, bei dem Versuch in der Landeshauptstadt gehe es vor allem erst mal darum, Erfahrungen zu sammeln.

Ob der öffentliche Nahverkehr durch niedrigere Preise attraktiver gestaltet werden kann, wird derzeit auch in Bremen diskutiert. Im kommenden Jahr wolle die rot-grün-rote Koalition prüfen lassen, ob die Einführung eines kostenfreien Nahverkehrs oder eines Jahrestickets für 365 Euro sinnvoll ist, berichtete ein Sprecher. Auch in der Hansestadt soll es in der Vorweihnachtszeit keine Tests mit kostenlosem ÖPNV geben.

Ob die Menschen in Hannover am ersten Adventssamstag ihr Auto tatsächlich stehen lassen, bleibt unklar. Komplett autofrei werde die Stadt nicht sein, prognostiziert der Regionssprecher. Wer Staus aber ganz sicher vermeiden möchte, kann aufs Fahrrad zurückgreifen. Die können am Aktionssamstag kostenlos ausgeliehen werden.

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