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Höchststrafe für Mord an Flüchtlingshelferin

04.06.2020 - Trotz erdrückender Beweise bestritt ein 33-Jähriger im Landgericht Hannover, seine mütterliche Freundin getötet zu haben. Der Mann aus Marokko erhielt lebenslang mit Feststellung der besonderen Schwere der Schuld.

  • Die Statue Justizia. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Statue Justizia. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Als die Leiche einer seit Wochen vermissten Rentnerin aus Hannover in einem Verschlag in ihrer eigenen Wohnung entdeckt wurde, konnte die 61-Jährige nur noch am Zahnstatus identifiziert worden: Für das Verbrechen im vergangenen Sommer ist am Donnerstag ein 33-Jähriger zu einer lebenslangen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Nach Überzeugung des Landgerichts Hannover ermordete der Mann aus Marokko seine wohlhabende Freundin, um an ihr verstecktes Vermögen zu gelangen. Dabei sei er besonders grausam vorgegangen. Die Richter stellten die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren unwahrscheinlich. (Az.: 39 Ks 3/20)

Der Angeklagte war im März 2015 als Asylbewerber nach Deutschland gekommen, die ledige Frau gab ihm ehrenamtlich Deutschunterricht, half ihm bei Behördengängen und suchte nach einer beruflichen Perspektive für ihn. Es habe sich ein «tiefes freundschaftliches Verhältnis» entwickelt, sagte der Vorsitzende Richter Stefan Joseph.

Der fast 30 Jahre jüngere Mann habe mitbekommen, dass seine Freundin zunehmend zu Hause Geld und Gold hortete, weil sie den Banken misstraute. Zum Tatzeitpunkt Ende August 2019 befanden sich laut Anklage rund 69 000 Euro in bar sowie Goldmünzen und Schmuck im Wert von knapp 100 000 Euro in ihrer Wohnung.

Der Mann bestreitet das Verbrechen bis heute. Joseph zufolge tischte er - angepasst an die erdrückende Beweislage - immer neue Lügengeschichten auf. Nach der Verhandlung sagte der 33-Jährige seinem Verteidiger, er wolle in Revision gehen.

Nach Überzeugung des Gerichts fesselte und knebelte der Mörder die 61-Jährige und umwickelte ihren Kopf mit Paketband, so dass sie qualvoll erstickte. «Das ist ein langsamer, grausamer, fürchterlicher Tod», wandte sich der Richter an den äußerlich ungerührten, nach unten blickenden Angeklagten. «Sie haben ihr unfassbares Leid beschert.»

Eine Nachbarin beobachtete am Tatabend einen Mann, der das Haus verließ und die Tür abschloss. Am nächsten Tag verließ der 33-Jährige seine Flüchtlingsunterkunft und tauchte unter. Er wurde wenig später in einem Taxi auf der A7 nahe Kassel gefasst und hatte 38 000 Euro bei sich. Zahlreiche DNA-Spuren - unter anderem im Versteck der Leiche und an den Geldscheinen - überführten den Mann, der sich zum Verbleib der übrigen Beute nicht äußerte. Die Geschwister der Getöteten traten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Sie hatten ihre Schwester direkt nach ihrem Verschwinden als vermisst gemeldet. Die Leiche wurde aber erst nach mehrmaligem Durchsuchen der Wohnung in dem Verschlag hinter der Spülmaschine entdeckt.

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