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Infektionszahlen in Niedersachsen steigen weiter

21.10.2020 - Um alle Kontaktpersonen von Corona-Infizierten zu finden, braucht es viele Helfer. Die Gesundheitsämter sind am Rande ihrer Kapazität. Deshalb will die Landesregierung neue Personalpools anzapfen.

  • Ein Patient lässt vor einer Arztpraxis einen Abstrich machen. Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Patient lässt vor einer Arztpraxis einen Abstrich machen. Foto: Kay Nietfeld/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Immer mehr Regionen in Niedersachsen überschreiten bei den Corona-Infektionen einen wichtigen Grenzwert. Am Mittwoch übertraf der Landkreis Verden die Marke von 50 bestätigten Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in einer Woche. Das Landesgesundheitsamt errechnete eine Inzidenz von 66,4; der Landkreis erließ Kontaktbeschränkungen. Die Stadt Osnabrück lag nach Landesangaben mit einer Inzidenz von 49 nur noch knapp unter der Marke, ab der Einschränkungen folgen.

Zur Unterstützung der örtlichen Gesundheitsämter in der Pandemie plant die Landesregierung, auch Mitarbeiter anderer Behörden abzuordnen. Die Corona-Nachrichten im Einzelnen:

WACHSENDE ZAHLEN: Am Mittwoch weisen nach Angaben des Landesgesundheitsamtes acht Städte oder Kreise in Niedersachsen sehr hohe Neuinfektionsfälle von mehr als 50 pro 100 000 Einwohner in einer Woche auf: Delmenhorst (205), Cloppenburg (126), Vechta (108,5), Northeim (103,6), Grafschaft Bentheim (89,7), Kreis Oldenburg (65,7), Kreis Verden und das Emsland (51,7). Der Landkreis Northeim gab den eigenen Wert allerdings nur noch mit 63,5 an. Der Landkreis Diepholz überschritt am Mittwoch nach eigenen Angaben mit einem Wert von 57,6 ebenfalls die kritische Schwelle. Die Fallzahlen werden oft mit zeitlicher Verzögerung an das Land übermittelt.

Im Vergleich zu den vergangenen Monaten seien die Infektionsherde mittlerweile breiter verstreut im Land und oft nicht mehr klar zu verorten, sagte eine Regierungssprecherin am Mittwoch. Das mache es schwierig, die Kontakte der Infizierten nachzuverfolgen. Helfen könne dabei ein vorsorglich geführtes Kontakttagebuch, wie es auch der Virologe Christian Drosten empfiehlt.

Landesweit stieg die Zahl der laborbestätigten Corona-Fälle um 514 auf insgesamt 27 026. Zwei infizierte Menschen starben seit Dienstag, damit stieg die Zahl der Toten seit Beginn der Pandemie auf 719.

Ein Infektionsherd im Kreis Verden liege in einem Behindertenheim in Langwedel, sagte Amtsärztin Jutta Dreyer. Nicht nur der Landkreis Verden, sondern ganz Niedersachsen, Deutschland und Europa stünden «vor einem neuen Ausbruchsgeschehen mit unabsehbaren Folgen», warnte Landrat Peter Bohlmann. «Dem können wir nur noch mit einer wesentlich deutlicheren Einschränkung unserer Kontakte entgegensteuern.» Einer neuen Verordnung nach dürfen sich im Kreis öffentlich nur noch bis zu zehn Personen treffen. Im privaten Rahmen sind es ebenfalls bis zu zehn Personen, aber nur aus zwei Haushalten.

Im Nachbarland Bremen stieg die Zahl der bestätigten Fälle um 142 auf insgesamt 3866. Von den neuen Fällen entfielen 8 auf die Stadtgemeinde Bremerhaven. Die Sieben-Tage-Inzidenz gab das Gesundheitsressort am Mittwoch mit 99,99 für die Stadtgemeinde Bremen an (Stand 15.45 Uhr), am Vortag lag der Wert bei 94,3 (Stand 14.00 Uhr).

KEINE NEUEN TESTZENTREN: Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen (KVN) setzt für Corona-Tests auf landesweit rund 230 Schwerpunktpraxen. Das seien Arztpraxen, die sich in Extraräumen schwerpunktmäßig um die Abstriche kümmerten, sagte ein KVN-Sprecher. Patienten würden diesen Praxen von anderen Ärzten zugewiesen. Neue Testzentren oder Drive-In-Stationen wie im Frühjahr seien nicht geplant. Das einzige Testzentrum am Flughafen Langenhagen werde bis zum 8. November geöffnet bleiben.

Die Landkreise könnten aber Testzentren in Eigenregie einrichten und die Tests über die KVN abrechnen, sagte der Sprecher. Zu Beginn der Pandemie waren in allen 37 Landkreisen und 8 kreisfreien Städten Abstrichzentren eingerichtet worden, die bis Ende Juli arbeiteten.

BEAMTE WERDEN ABGEORDNET: Die Landesregierung will nötigenfalls Landesbeamte abordnen, um die lokalen Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Corona-Infektionsketten zu unterstützen. Bei einem weiteren Anstieg der Infektionszahlen hält Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) auch in Niedersachsen regionale Ausgangsbeschränkungen wie im Berchtesgadener Land für denkbar. Auszuschließen seien weitere Kontakteinschränkungen derzeit nicht, sagte er der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (NOZ).

Wie Althusmann erläuterte, seien das Innen- und das Sozialministerium beauftragt worden, ein personelles Verstärkungskonzept für alle Gesundheitsämter in Niedersachsen vorzulegen. An einigen Orten helfen bereits Bundeswehrsoldaten bei der Kontaktverfolgung.

NICHT NUR LÜFTEN: Regelmäßiges Lüften in den Klassenräumen und warme Kleidung für die Schüler - das allein kann nicht die Antwort auf den neuen Anstieg der Corona-Zahlen sein, sagt der Landeselternrat Niedersachsen. «Unsere Schulen und das gesamte Schulsystem brauchen nun endlich und umgehend angemessene Investitionen durch Bund und Länder», teilte der Verband mit. Nicht jede Schule sei baulich geeignet, das Lüften umzusetzen. Außerdem leide der Unterricht darunter. Stattdessen müsse auch digitaler Unterricht ermöglicht werden. Die Eltern dürften nicht wieder mit Homeschooling allein gelassen werden. Schüler aus Familien mit Risikopersonen sollten zudem nicht als Schulschwänzer behandelt werden.

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