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Infektionszahlen steigen weiter: Neuer Handlungsleitfaden

05.10.2020 - In vier Landkreisen in Niedersachsen gibt es derzeit Corona-Hotspots, die Einschränkungen im öffentlichen Leben notwendig machen. Den örtlichen Behörden hilft nun ein neuer Handlungsleitfaden mit verschiedenen Eskalationsstufen.

  • Ein Abstrich für das Testverfahren auf das Virus SARS-CoV-2. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Abstrich für das Testverfahren auf das Virus SARS-CoV-2. Foto: Sebastian Gollnow/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Nach wie vor steigt die Zahl der Corona-Fälle in Niedersachsen. Zu einem Schwerpunkt des Infektionsgeschehens hat sich in den vergangenen Tagen der Westen des Landes entwickelt. Allen voran der Landkreis Vechta, aber auch die benachbarten Kreise Cloppenburg und Emsland melden kritische Werte.

Landesweit meldete das Sozialministerium in Hannover (Stand: 9.00 Uhr) einen Zuwachs der laborbestätigten Fälle um 175 auf insgesamt 21 234 Infektionen. Gesundheitsministerin Carola Reimann und Innenminister Boris Pistorius (beide SPD) haben einen neuen Handlungsleitfaden vorgestellt.

KREIS VECHTA: Der Landkreis Vechta mit rund 140 000 Einwohnern ist derzeit die Region mit den meisten Corona-Neuinfektionen. Der Statistik des Landesgesundheitsamtes zufolge haben sich dort in den vergangenen sieben Tagen rechnerisch 54,6 Menschen pro 100 000 neu mit Sars-CoV-2 infiziert. Hintergrund sind Ende der vergangenen Woche bekanntgewordene Infektionen in einem Pflegeheim unter Bewohnern und Mitarbeitern. Zwei betroffene Bewohner sind am Wochenende im Alter von 92 und 84 Jahren gestorben. Weil sich das Ausbruchsgeschehen im Wesentlichen auf das Altenheim beschränkt, sind in dem Landkreis bislang keine Einschränkungen des öffentlichen Lebens geplant, die über die grundsätzlichen Corona-Schutzmaßnahmen des Landes hinausgehen, sagte ein Kreissprecher.

KREIS CLOPPENBURG: Der Nachbarkreis Cloppenburg kämpft schon seit drei Wochen gehen sehr hohe Infektionszahlen. Aktuell meldet das Landesgesundheitsamt dort 48,6 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Als Reaktion hatte der rund 170 000 Einwohner zählende Landkreis die Verlängerung von Schutzmaßnahmen zunächst bis zum 11. Oktober verfügt. Demzufolge ist Mannschafts- oder Einzelsport derzeit nicht erlaubt, ab der 5. Jahrgangsstufe gilt die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes auf dem gesamten Schulgelände und auf dem Schulweg. Ausgenommen sind Grund- und Förderschulen.

KREIS EMSLAND: Auch der an die Niederlande grenzende Landkreis Emsland mit rund 320 000 Einwohnern kämpft seit dem Ausbruch von Corona unter Mitarbeitern eines Schlachthofs in Sögel mit stark angestiegenen Infektionszahlen. Dort wurden Stand Sonntag 81 positive Fälle ermittelt. Aktuellen Angaben des Landes zufolge wurden in diesem Landkreis in den vergangenen sieben Tagen 42,2 Fälle pro 100 000 Einwohner registriert. Um die Verbreitung des Virus zu verlangsamen, verfügte der Kreis für die Samtgemeinde Sögel Einschränkungen des öffentlichen Lebens. So dürfen sich dort sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich nicht mehr als sechs Personen treffen. Ausgenommen sind Treffen von engen Familienangehörigen oder von zwei Hausständen. Die Ausübung von Mannschafts- oder Kontaktsportarten ist vorerst untersagt; Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe 5 müssen in Sögel Mund-Nasen-Schutz auch während der Unterrichtsstunden tragen.

KREIS WESERMARSCH: In dem Landkreis Wesermarsch wurden am Montag 36,1 Neuinfektionen auf 100 000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen registriert. In der Gemeinde Lemwerder wurden daraufhin alle Schulen, Kindergärten und Kitas geschlossen. Am Freitag waren eine Kita-Erzieherin und ein Sechstklässler positiv auf Corona getestet worden. Weitere Fälle kamen am Wochenende hinzu.

NEUER HANDLUNGSLEITFADEN: Das am Montag von Gesundheits- und Inneministerium vorgestelle Konzept richtet sich an die zuständigen Behörden vor Ort und beinhaltet Handlungsempfehlungen anhand von verschiedenen Szenarien und Warnstufen. Maßstab für diese Warnstufen ist weiterhin die Zahl der Neuinfizierten pro 100 000 Einwohner in den Landkreisen binnen einer Woche. Ab einer Inzidenz von 20 empfiehlt sich demnach über die in der Corona-Verordnung vorgeschriebenen Maßnahmen hinaus die Prüfung weiterer Kontaktbeschränkungen und Restriktionen für private wie öffentliche Veranstaltungen. Bei einem sehr starken oder sogar eskalierenden Infektionsgeschehen ab 50 könnten dann zusätzlich örtliche, regionale oder im Extremfall landesweite Einschränkungen ergriffen werden. Eine bestimmte Inzidenz werde aber nicht automatisch eine neue Vorgabe auslösen, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD). Die jeweilige Situation müsse im Einzelfall betrachtet werden.

OBERGRENZEN FÜR PRIVATE TREFFEN: Zum ersten Mal im Laufe der Corona-Pandemie will die Landesregierung auch private Treffen in den eigenen vier Wänden beschränken. Je nach Infektionsgeschehen können die Obergrenzen dabei regional unterschiedlich ausfallen. Als Richtwerte zur Inzidenz sieht der derzeit in der Abstimmung befindliche Entwurf vor: Bei 0 bis 35 Neuinfektionen dürfen sich in privaten Räumlichkeiten bis zu 25 Menschen treffen, draußen auf privatem Gelände bis zu 50. Ab 35 Neuinfektionen dürfen sich, egal ob drinnen oder draußen, nur noch bis zu 25 Menschen auf privatem Grund treffen und ab 50 Neuinfektionen höchstens zehn.

Anders sieht es in öffentlichen Räumen aus, etwa in der Gastronomie. Dort sollen bis zu 100 Teilnehmer erlaubt werden. Diese Obergrenze könnte den Richtwerten für die Neuinfektionen entsprechend zunächst auf 50 und dann auf 25 Gäste gesenkt werden. In allen Szenarien gelten zudem die Vorgaben zum Abstand halten und Maske tragen.

SCHULFERIEN: Ende der Woche beginnen die Herbstferien in Niedersachsen. Sollte das Verbot der Sportausübung in Sögel oder dem Kreis Cloppenburg fortgesetzt werden, wären davon auch die Schülerinnen und Schüler betroffen. Generelle Reiseverbote für Bürger aus Landkreisen und Kommunen mit besonders hohen Infektiosquoten gibt es in Niedersachsen aber nicht. Die aktuelle Corona-Verordnung Niedersachsens sieht kein Beherbergungsverbot oder Einschränkungen für Reisen vor, im Unterschied zu anderen Bundesländern. Hier sind aber nicht die vom Land Niedersachsen veröffentlichten Corona-Zahlen ausschlaggebend, sondern die Statistik des Robert-Koch-Instituts.

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