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Initiative kämpft für Römerlager Wilkenburg

21.05.2019 - Ein 2015 bei Hannover entdecktes Marschlager macht deutlich, wie weit die Römer vor mehr als 2000 Jahren nach Nordosten vorgedrungen sind. Bürger befürchten, dass das Denkmal Kiesbaggern zum Opfer fällt.

  • Ein Infotafel weist im Hemminger Ortsteil Wilkenburg auf ein römische Truppenlager hin. Foto: Julian Stratenschulte © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Infotafel weist im Hemminger Ortsteil Wilkenburg auf ein römische Truppenlager hin. Foto: Julian Stratenschulte © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hannover (dpa/lni) - Ein Acker südlich von Hannover birgt nach Überzeugung von Historikern einen unbezahlbaren Schatz: Bei der Auswertung von Luftbildern entdeckten Experten vor vier Jahren die Umrisse eines römischen Marschlagers. Tatsächlich wurden auf der rund 30 Hektar großen Fläche mit Hilfe von Metalldetektoren unter anderem römische Münzen, Sandalennägel und Gewandnadeln gefunden. Weil das Gebiet immer noch für den Kiesabbau vorgesehen ist, macht eine Bürgerinitiative jetzt Druck auf die Politik. Mit einer Onlinepetition erreichte sie, dass sich am Dienstag Abgeordnete des niedersächsischen Landtags mit ihrem Anliegen befassten.

Im Petitionsausschuss appellierte der Hobby-Archäologe Werner Dicke an die Landespolitiker, sich für den Erhalt und die Erforschung des Römerlagers Wilkenburg einzusetzen. «Wird der geplante Kiesabbau realisiert, vernichten wir Kulturgüter wahrscheinlich europäischen Ranges», sagte einer der Sprecher der Initiative «Kultur bergen statt Kies schürfen». Die Gruppe hatte innerhalb von sechs Wochen über die Internetseite des Parlaments knapp 6000 Unterstützer gefunden. Damit handelt es sich um die erste erfolgreiche Onlinepetition seit deren Einführung im niedersächsischen Landtag im September 2017.

Das gut 2000 Jahre alte Lager ist ein Bodendenkmal. Besucher sehen heute nur eine Infotafel und eine Ackerfläche, die zurzeit grün ist. Im Raumordnungsprogramm ist es noch als Rohstoffsicherungsgebiet für den Kiesabbau ausgewiesen.

Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur entscheidet nicht über den Abbau oder Nichtabbau von Kies und Sand in Wilkenburg. «Diese Entscheidung trifft die Region Hannover, da das Planungsrecht auf kommunaler Ebene liegt», betonte eine Vertreterin des Ministeriums. Sollte die Region Hannover den Kiesabbau zulassen, müsse das kiesabbauende Unternehmen die flächendeckende Erforschung des römischen Marschlagers finanzieren. Die Grünen im Landtag sehen dagegen Kulturminister Björn Thümler (CDU) am Zug. «Es wäre unerträglich, wenn diese wichtige und bestens erhaltene Lagerstätte von einst 20 000 Legionären dem Kiesbagger zum Opfer fallen würde», sagte Fraktionschef Christian Meyer. «Das Vorranggebiet Kiesabbau wurde vom Land ausgewiesen und kann auch vom Land gestrichen werden.»

Die Initiatoren der Petition wollen dagegen einen dauerhaften Kulturerlebnis-, Lern- und Erholungsort schaffen. Schon jetzt gibt es die Römer AG Leine, die regelmäßig Führungen und Vorträge an dem Fundort anbietet. «Wir gehen nicht davon aus, dass dort ein Riesenmuseum gebaut werden muss - Schöningen Nummer zwei», sagte Kristina Osmers von der Initiative. Das 2013 eröffnete Erlebniszentrum am Fundort der Schöninger Speere in Ostniedersachsen hatte 15 Millionen Euro gekostet und stand wegen der hohen Kosten von Anfang an in der Kritik.

Das Lager Wilkenburg hat nach Auskunft von Historikern eine einzigartige Bedeutung, weil es das einzige seiner Art in Norddeutschland ist. Es wurde während des Immensum bellum - eines Aufstands germanischer Stämme - zwischen 1 und 5 nach Christus errichtet.

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