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Lügen, Tricks und Drohungen: Wie falsche Polizisten vorgehen

18.01.2021 - In Hannover mussten sich am Montag gleich zwei Betrügerbanden vor dem Landgericht verantworten. Beide brachten alte Menschen dazu, Bargeld und Schmuck vor die Tür zu legen. Das Landeskriminalamt berichtet von einem drastischen Anstieg derartiger Fälle.

  • Ein Polizist steht im Regen vor einem Streifenwagen dessen Blaulicht aktiviert ist. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Polizist steht im Regen vor einem Streifenwagen dessen Blaulicht aktiviert ist. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die angeblichen Polizisten überrumpeln hochbetagte Menschen am Telefon mit Lügengeschichten, versetzen sie in Todesangst und bringen ihre Opfer um ihr Erspartes. Einen Einblick in die miesen Tricks von Betrügerbanden, die sich als Polizisten ausgeben, haben gleich zwei Prozesse im Landgericht Hannover gegeben. Allerdings saßen am Montag nicht die Drahtzieher, die von der Türkei agiert haben sollen, auf der Anklagebank. Verantworten mussten sich vielmehr Logistiker, Fahrer und diejenigen, die die Beute abholten.

Vier Männer im Alter von 24 bis 35 Jahren sowie eine 39-jährige Frau sollen zwischen September 2019 und März 2020 in zehn Fällen daran beteiligt gewesen sein, Senioren zu bestehlen. Ihnen wird vorgeworfen, Bargeld, Schmuck und Gold im Wert von insgesamt rund 280 000 Euro erlangt zu haben. Tatorte waren Rinteln und Bad Nenndorf im Landkreis Schaumburg, Celle, Nienburg, Gehrden und Hannover.

Die Betrugsmasche war immer die gleiche, wie der Staatsanwalt zum Prozessauftakt vortrug. So rief ein vermeintlicher Oberkommissar Petersen die Opfer an und warnte vor einer rumänischen Einbrecherbande. Die Senioren sollten ihre Wertgegenstände vor die Tür - in einen Blumenkübel oder Mülleimer - legen, damit sie von den Beamten unbemerkt abgeholt und in Sicherheit gebracht werden könnten.

Tatsächlich verbarg sich hinter «Oberkommissar Petersen» ein von der Türkei aus agierender Drahtzieher der Bande, gegen den ein separates Ermittlungsverfahren läuft. Wenn die Angerufenen skeptisch wurden, bat er sie, nach einem Signalton die 110 zu wählen. Tatsächlich meldete sich dann durch einen technischen Trick eine angebliche Kommissarin Müller - laut Anklage die 39-jährige Angeklagte -, um wieder mit Petersen zu verbinden. In teils stundenlangen Gesprächen - oft spätabends - machte der falsche Polizist Druck. Wenn sie nicht kooperiere, würden ihr die Knochen gebrochen und sie wäre am nächsten Tag tot, sagte der Anrufer laut Staatsanwaltschaft einer 83-Jährigen aus Celle (Az.: 46 KLs 27/20).

Nach Angaben des Landeskriminalamtes (LKA) in Hannover versuchen immer mehr Kriminelle in Niedersachsen, als falsche Polizeibeamte Senioren um ihr Geld zu bringen. Die Zahl dieser Taten stieg von 236 im Jahr 2015 auf 7731 im Jahr 2019. Von den 7731 wurden nur 95 vollendet, die Schadenssumme belief sich auf knapp 3,3 Millionen Euro. Für 2020 rechnet das LKA mit einem weiteren Anstieg. Die beiden Betrugsbanden, die am Montag vor Gericht standen, konnten überführt werden, weil Angerufene skeptisch geworden waren und die echte Polizei alarmiert hatten. Daraufhin wurden Telefone überwacht.

Vor dem Prozessauftakt gegen die vier Männer und eine Frau wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs war eine andere Bande verurteilt worden. Eine 27-Jährige erhielt als Logistikerin eine zweijährige Bewährungsstrafe. Sie sei Vertrauensperson eines Mannes gewesen, gegen den ein gesondertes Verfahren laufe, sagte die Vorsitzende Richterin. Dieser habe von der Türkei aus agiert. Mitangeklagt waren drei junge Männer, sie erhielten Geld- beziehungsweise Arbeitsauflagen, zwei von ihnen wegen Beihilfe zum Betrug. Die vier sollen die Beute - insgesamt rund 60 000 Euro - im April und Mai 2018 mit dem Auto abgeholt haben. (Az.: 34 KLs 12/18).

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