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Mann soll Flüchtlingshelferin ermordet haben: Prozessauftakt

12.03.2020 - Der Fall sorgte im Spätsommer vergangenen Jahres für Entsetzen: Die Leiche einer 61-Jährigen wurde in ihrer Wohnung gefunden - versteckt in einem Verschlag. Schnell fiel der Verdacht auf einen Mann.

  • Dem Angeklagten werden kurz vor dem Prozessbeginn die Handschellen abgenommen. Foto: Lucas Bäuml/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Dem Angeklagten werden kurz vor dem Prozessbeginn die Handschellen abgenommen. Foto: Lucas Bäuml/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die 61-Jährige gab dem jungen Mann aus Marokko Deutschunterricht, half ihm bei Behördengängen und freundete sich mit ihm an. Ende August 2019 soll der abgelehnte Asylbewerber die weit ältere Frau aus Hannover in ihrer Dachgeschoss-Wohnung ermordet haben, um an ihr großes Vermögen zu gelangen. Seit Donnerstag steht der 33-Jährige wegen grausamen Mordes aus Habgier vor dem Landgericht Hannover - ein blasser, etwas dicklicher Mann mit kurz geschorenen Haaren. Mit leiser Stimme macht er persönliche Angaben, schweigt aber auf Anraten seines Verteidigers zu den Vorwürfen.

Der Angeklagte habe die 61-Jährige gefesselt und geknebelt und ihren Kopf mit Paketband umwickelt, so dass sie qualvoll erstickte, sagte Staatsanwältin Wiebke Gratz. Zuvor habe der heute 33-Jährige im August 2019 seine Bekannte gezwungen, ihm das Versteck mit ihrem Vermögen preiszugeben. Die Frau hatte in ihrer Wohnung rund 69 000 Euro in bar sowie Goldmünzen und Schmuck im Gesamtwert von knapp 100 000 Euro, weil sie den Banken misstraute.

Die Anklageschrift offenbart, wie brutal und kaltblütig der mutmaßliche Mörder vorging. Demnach packte er den Leichnam in einen Bettbezug und versteckte ihn in einem über die Küche zugänglichen Kriechboden. Zur Geruchs- und Flüssigkeitsbindung habe er Katzenstreu und Dämmmaterial in das Versteck getan, sagte die Staatsanwältin. Die Geschwister des ledigen Opfers meldeten die Frau bereits Ende August bei der Polizei als vermisst, doch erst nach gut zwei Wochen entdeckten die Beamten das Versteck - auch weil sich zunehmend Maden in der gesamten Wohnung befanden.

Der Tatverdächtige habe zwischenzeitlich behauptet, die Flüchtlingshelferin sei nach Spanien gereist, um Bekannte in die Irre zu führen, sagte die Staatsanwältin. Nachdem er aus den Medien den Fund der Leiche mitbekam, flüchtete er und wurde Mitte September in einem Taxi auf der Autobahn 7 nahe Kassel gefasst. Bei seiner Festnahme hatte er knapp 38 000 Euro bei sich. Ein anderer Mann soll dem Marokkaner zuvor geholfen haben, das geraubte Gold und den Schmuck zu verkaufen und Geld in seine Heimat zu transferieren. Gegen diesen Mann wird gesondert ermittelt.

Der Bruder und die Schwester des Opfers treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Sie waren allerdings beim Prozessauftakt nicht dabei - laut ihrem Anwalt Wilhelm-Michael Bruns geht es ihnen angesichts des qualvollen Todes ihrer Schwester sehr schlecht. In einer Woche (19. März) soll der Bruder des Opfers als Zeuge vernommen werden.

Möglicherweise werde sich sein Mandant sich zu einem späteren Zeitpunkt äußern, sagte der Verteidiger des 33-Jährigen, Jens Werner Theunert, nach der Verhandlung. Bei der Polizei hatte der Verdächtige sich in Widersprüche verwickelt. Dem Anwalt zufolge spricht die Beweislage gegen den jungen Mann, der im März 2015 nach Deutschland gekommen war. Weil er keine Papiere hatte, konnte er laut Theunert nach Ablehnung seines Asylantrags nicht abgeschoben werden.

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