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Mehdorn zum Zugunglück von Eschede: Opfer tief verletzt

20.10.2020 - Ex-Bahnchef Hartmut Mehdorn hat sich dafür gerechtfertigt, nach dem Zugunglück von Eschede nicht im Namen der Bahn Opfer und Hinterbliebene um Verzeihung gebeten zu haben. «Für mich war klar, dass man das Emotionale und das Geschäft auseinanderhalten muss», sagte er in einem Interview für die NDR-Doku-Talk-Reihe «Die Narbe». Das NDR Fernsehen zeigt die Sendung am Mittwoch um 21.00 Uhr. «Es gab kein direktes Versagen. Wenn es hilft, dass eine Entschuldigung ein Lippenbekenntnis ist, dann ist es aber nicht sehr viel wert. Eine Entschuldigung muss ja vom Herzen kommen», sagte Mehdorn.

  • Hartmut Mehdorn spricht bei einer Veranstaltung. Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Hartmut Mehdorn spricht bei einer Veranstaltung. Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bei dem bislang schwersten Bahnunglück in der bundesdeutschen Geschichte waren im Juni 1998 insgesamt 101 Menschen ums Leben gekommen, 88 Reisende wurden schwer verletzt. Der Intercity-Express 884 «Wilhelm Conrad Röntgen» war in der niedersächsischen Gemeinde mit Tempo 200 gegen eine Betonbrücke geprallt. Ursache des Unglücks war ein gebrochener Radreifen, der sich an einer Weiche vor der Brücke verhakt hatte. Ein Strafverfahren gegen die Bahn und den Radreifenhersteller wurde 2003 eingestellt.

Mehdorn, der als Bahnchef von 1999 bis 2009 die Aufarbeitung des Unglücks verantwortete, sagte: «Natürlich sind die Opfer tief verletzt. Und natürlich haben sie eine gewisse Erwartungshaltung. Und Opfer - warum auch immer - sind halt immer auf der Suche nach einem Schuldigen.» Er könne aber nachvollziehen, dass die Menschen einen Schuldigen suchten. Aus der Sicht eines Bahn-Verantwortlichen gebe es «ständig im Kleinen und Großen Einzelschicksale. Und Sie müssen halt sehen, dass Sie nicht selbst dabei verrückt werden oder ihren Schlaf verlieren».

Mehdorns Vorgänger Johannes Ludewig, der zum Zeitpunkt des Unglücks Chef der Deutschen Bahn war, sagte dem NDR dagegen: «Es gibt eine juristische Seite und es gibt auch eine moralische Seite. Und ich glaube schon, dass in diesem moralischen Sinne natürlich hier die Bahn klar in einer wie immer gearteten Verantwortung war. Und deswegen wäre es schon am Platze gewesen, sich zu entschuldigen.» Dies sei eines der Dinge, die er heute anders machen würde.

Erst 15 Jahre nach dem ICE-Unfall von Eschede entschuldigte sich der damalige Bahnchef Rüdiger Grube: «Wir können den Unfall nicht ungeschehen machen, aber wir wollen uns für das entstandene menschliche Leid bei Ihnen entschuldigen», sagte er bei einer Gedenkfeier für die 101 Todesopfer.

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