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Mehr Homeoffice: Pauschale Pflicht oder Einzellösungen?

12.01.2021 - Manche Angestellte sitzen schon seit Monaten im heimischen «Büro» - aber in der verschärften Corona-Krise will die Politik mehr Betriebe dafür gewinnen. Gewerkschaften und Arbeitgeber erklären, dass das nicht so einfach geht. Dabei ist auch der Arbeitsschutz ein Thema.

  • Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, spricht. Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Stephan Weil (SPD), Ministerpräsident von Niedersachsen, spricht. Foto: Michael Kappeler/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil hat die Unternehmen aufgefordert, alle Beschäftigten möglichst von zu Hause arbeiten zu lassen. «Angesichts der starken Ausbreitung des Coronavirus müssen auch in der Arbeitswelt die Kontakte - wo immer es geht - auf das Nötigste beschränkt werden», sagte der SPD-Politiker am Dienstag nach Beratungen der Landesregierung mit Vertretern von Gewerkschaften und Arbeitgebern in Hannover. «Ich hoffe sehr, dass unser gemeinsamer Appell dazu beiträgt, dass die Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten und zum Homeoffice noch intensiver genutzt werden.» Ähnlich hatte sich Weil zuvor schon in der «Welt» geäußert.

Die niedersächsischen Metallarbeitgeber erklärten, es würden derzeit ergänzende Homeoffice-Einsätze der Beschäftigten geprüft, wo immer dies machbar sei. Zur Debatte über feste Verpflichtungen jedoch sagte Verbandschef Volker Schmidt der Deutschen Presse-Agentur: «Wir setzen auf das Prinzip der Freiwilligkeit - es gibt kein juristisch verankertes Recht auf Homeoffice.» Die Gewerkschaft Verdi betonte, wo Homeoffice vereinbart werde, müsse der Arbeitsschutz gesichert sein.

In einem gemeinsamen Papier werde nun einvernehmlich festgehalten, dass in der aktuellen Pandemie-Entwicklung alle Optionen untersucht werden müssten, sagte Schmidt. Er unterstrich: «Wir haben die Möglichkeit für Homeoffice in erheblichem Umfang schon zur Verfügung gestellt. Aber das ist auch mit erheblichen Kosten verbunden.»

So müsse laut Arbeitsstättenverordnung etwa in sämtlichen Fällen geprüft werden, ob der Arbeitsplatz zu Hause in puncto Ausstattung oder Ergonomie identisch mit dem Büroarbeitsplatz von Angestellten sei. Auch müssten die Betriebe darauf achten, dass die Daten- und IT-Sicherheit gewährleistet sei. In manchen Fällen reiche es auch aus, Regelungen zum mobilen Arbeiten von unterwegs zu vereinbaren. «Es hat schon sehr viele Anstrengungen gegeben - aber wir können hier nicht alle über einen Kamm scheren», meinte Schmidt.

Verdi-Landeschef Detlef Ahting sagte der dpa, es müsse natürlich darum gehen, Kontakte weiter zu reduzieren. Dabei dürfe aber nicht vorschnell ein Homeoffice-Konzept entstehen, ohne Schutzstandards für Beschäftigte angemessen zu berücksichtigen. «Wenn wir ehrlich sind: Auch mobiles Arbeiten bezieht sich ja oft auf Arbeiten von zu Hause.»

Zudem müsse man darauf achten, dass Mitarbeitern bei gleichzeitiger Kinderbetreuung zu Hause keine dauerhafte Doppelbelastung entstehe. Arbeitnehmer müssten auch ungestört arbeiten können. «Mobiles Arbeiten darf kein Hebel sein, um möglicherweise weniger Arbeitsschutz durch die Hintertür einzuführen», erklärte Ahting.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) fordert einen gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice. «Wir müssen den Blick aber auch für die Bereiche schärfen, in denen mobiles Arbeiten nicht möglich ist», stellte Bezirkschef Mehrdad Payandeh klar. «Da braucht es jetzt besonders gute Hygienekonzepte.» Auch Fragen der Kinderbetreuung müssten genauer berücksichtigt werden - «onst wird das auf Dauer eine große Belastung für die Beschäftigten und vor allem für Frauen.»

Die FDP erklärte, das Land müsse auch den eigenen Beschäftigten in den Verwaltungen leichter Arbeiten von zu Hause aus ermöglichen. Die Regierung solle «mobiles Arbeiten grundsätzlich und dauerhaft ermöglichen», forderte Landtagsfraktionschef Jörg Bode. Seine Grünen-Kollegin Julia Willie Hamburg schloss sich der Sicht ihrer Bundespartei an: Nötig seien verbindliche Homeoffice-Regeln. «Die Politik greift aktuell zum Schutz vor Corona bis ins kleinste Detail des Privatlebens ein. Aber dort, wo die meisten Kontakte geschehen, nämlich bei der Arbeit, sagen wir bisher nur «bitte, bitte»».

Weil wies Kritik aus dem Bundeskanzleramt zurück, die Haltung der Ministerpräsidenten der Länder sei in der Pandemie-Bekämpfung teilweise zu zögerlich gewesen. Solche Vorwürfe seien «Teil eines Schwarzer-Peter-Spiels», das niemandem helfe. «Pandemie-Bekämpfung war, ist und bleibt eine Gemeinschaftsaufgabe.»

Als «unbefriedigend» bezeichnete der Ministerpräsident die fehlende Weiterentwicklung der Corona-Warn-App. Die Politik habe in den vergangenen Monaten in so viele Grundrechte eingreifen müssen, dass sich ihm nicht erschließe, warum das Recht auf informationelle Selbstbestimmung da eine solche Ausnahme bilden müsse. Die Warn-App sei zwar kein Allheilmittel - «aber einen wesentlich größeren Beitrag als bisher könnte sie ganz sicher leisten».

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