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Mehr Lehrer und Laptops lassen Kritiker nicht verstummen

17.01.2020 - Die Unterrichtszahlen in Niedersachsen haben sich leicht verbessert. Erste Gelder für Laptops, Wlan und digitale Tafeln sind bewilligt. Kritikern reicht das aber nicht.

  • Ein leeres Klassenzimmer. Foto: Peter Endig/zb/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein leeres Klassenzimmer. Foto: Peter Endig/zb/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hannover (dpa/lni) - Schulen in Niedersachsen weisen eine verbesserte Unterrichtsversorgung auf und erhalten erste Fördermittel aus dem milliardenschweren «Digitalpakt Schule». Im ersten Halbjahr 2019/20 (Stichtag 29. August) habe die Versorgungsquote bei 99,6 Prozent gelegen, ein Jahr zuvor waren es 99,4 Prozent, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Freitag in Hannover bekanntgab. Zuvor hatte der SPD-Politiker mitgeteilt, dass an 23 Schulen Fördergelder für IT-Projekte vergeben werden.

Tonne sprach von einem «soliden Wert» der Unterrichtsversorgung und einem «Schritt nach vorne». Der Anstieg sei auch darauf zurückzuführen, dass im abgelaufenen Kalenderjahr rund 800 Lehrer mehr eingestellt wurden als in den Ruhestand gingen. Für das zweite Halbjahr seien bisher rund 1100 der 1350 ausgeschriebenen Lehrerstellen besetzt. «Wir haben jetzt einen vernünftigen Trend.»

Allerdings ist die Unterrichtsversorgung an Gymnasien und Grundschulen deutlich besser als etwa an den Hauptschulen. Die Bildungsgewerkschaft GEW kritisierte daher, der Durchschnittswert verdecke die Probleme an den unterschiedlichen Schulformen. Mit der Wiedereinführung der 13. Klasse an den Gymnasien im Sommer drohe an Haupt-, Real- und Oberschulen zudem eine weitere Verschlechterung.

«Uns besorgt die Frage, wie groß die Löcher in den anderen Schulformen werden, wenn die abgeordneten Lehrkräfte zurück an die Gymnasien müssen», sagte GEW-Landeschefin Laura Pooth. Wegen Krankheitsausfällen und Fortbildungen der Lehrer sei ohnehin erst eine Unterrichtsversorgung von 105 Prozent in der Praxis ausreichend. Während die Gymnasien laut Ministerium zurzeit auf 102,2 Prozent kommen, erreichen die Hauptschulen lediglich 94,3 Prozent.

Die Unterrichtsversorgung gibt an, zu welchem Prozentsatz der vorgesehene Unterricht und zusätzliche Lehrerstunden für Inklusion, Ganztagsschule und Sprachförderung abgedeckt werden können. Der kurzfristige Ausfall von Schulstunden wegen der Erkrankung von Lehrern ist in diesem Wert nicht eingerechnet.

Der FDP-Bildungspolitiker Björn Försterling warf Tonne angesichts der neuen Zahlen gar Realitätsverweigerung vor. Es fehlten rund 200 Lehrer, um das Minimum an Schule leisten zu können, das den Schülern zustehe. Mit der Rückkehr zur 13. Klasse seien von Sommer an 1250 weitere Stellen notwendig. «Dafür wurde bisher keinerlei Vorsorge getroffen», sagte Försterling. «Es droht ein Schulnotstand.»

Aber auch der Philologenverband Niedersachsen kritisierte, die Versorgungsquote verschleiere den Blick auf den tatsächlichen Einstellungsbedarf. «Die Berichte aus den Schulen sind nach wie vor alarmierend», sagte Verbandschef Horst Audritz.

Für eine bessere IT-Ausstattung an den Schulen sollen Fördergelder aus dem milliardenschweren «Digitalpakt Schule» sorgen. Die ersten Mittel aus dem 2019 beschlossenen Bundesprogramm fließen nun an 23 Schulen in Niedersachsen, wie Minister Tonne bei der Übergabe der Bescheide in Helmstedt sagte. Neben fünf Helmstedter Grundschulen hätten 13 weitere Schulträger per Post Bewilligungsbescheide für 18 Schulen aller Schulformen erhalten.

«In Helmstedt werden die Gelder für die Anschaffung von Laptops und sogenannte Activboards genutzt», berichtete Bürgermeister Wittich Schobert (CDU). Zudem würde leistungsfähiges WLAN für alle Klassenräume geschaffen. Der Unterricht werde dadurch viel flexibler.

Niedersachsen stockt laut Bericht den eigenen Bundesanteil von 470 Millionen Euro um rund 52 Millionen Euro auf, so dass mehr als 520 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Summe der bisher ausgestellten Bescheide liege bei rund 930 000 Euro. Bislang hätten sich 31 Schulträger in Niedersachsen Anträge gestellt, von 240 lägen Registrierungen vor.

Für die GEW handelt es sich dennoch um kaum mehr als Kosmetik. «Fototermine mit der Übergabe von Fördermitteln ändern hier nichts an der dramatischen Unterfinanzierung des Bildungssystems insgesamt», sagte die Landesvorsitzende Pooth. Aus ihrer Sicht fehlen nachhaltige Konzepte für eine auskömmliche Finanzierung der Schulen mit mehr und besser bezahlten Beschäftigten.

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