Mit Schröder im Rücken: Basketball Löwen wollen nach oben

08.03.2021 Der deutsche NBA-Star Dennis Schröder betont bei jeder Gelegenheit seine Verbundenheit zur Heimat in Braunschweig. Wenn es nach ihm geht, spielen die Basketball Löwen bald um Titel. Bis sie aber mit Teams wie Bayern München mithalten können, ist es ein weiter Weg.

Dennis Schröder steht mit Ohrhörern beim Aufwärmen in der Halle. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Zwischen Braunschweig und Los Angeles liegen rund 9200 Kilometer. Doch trotz dieser riesigen Entfernung versucht NBA-Star Dennis Schröder, den Basketball Löwen Braunschweig ganz nah zu sein. «Ich versuche, alle Spiele zu verfolgen und checke auf jeden Fall immer den Boxscore», sagte der gebürtige Braunschweiger über die Begegnungen des Clubs, deren Alleingesellschafter er seit dieser Saison ist. Auch an diesem Dienstag (19.00 Uhr/Magentasport) wird der 27 Jahre alte Point Guard aus der Ferne wieder verfolgen, wie sich die Niedersachsen gegen Bayern München schlagen.

Das Starensemble aus München kommt als Titelanwärter und glänzt auch auf höchster europäischer Ebene in der Euroleague. Als erstes deutsches Team stehen die Bayern kurz davor, sich in der Königsklasse für die Playoffs zu qualifizieren.

Das Löwen-Team steckt dagegen im Tabellenmittelfeld der Bundesliga fest und entledigte sich mit dem knappen Sieg beim MBC am Wochenende erst einmal der gröbsten Abstiegssorgen. Was schon ein Erfolg in dieser komplizierten Saison ist, in der das Team durch zwei Corona-Zwangspausen zurückgeworfen wurde. Zudem verletzte sich zuletzt auch noch Nationalspieler Lukas Meisner an der Schulter. Sein Ausfall ist für die Löwen besonders bitter, weil der 25-Jährige als gebürtiger Braunschweiger und deutsches Talent für die neuen Braunschweiger Ambitionen mit Schröder steht.

Was bedeutet das Engagement des NBA-Stars für die Niedersachsen, die sich so gern nach oben orientieren und mit den Top-Teams messen wollen? «Zunächst die Sicherstellung des Bundesliga-Basketballs an dem Standort», antwortet Geschäftsführer Nils Mittmann ganz nüchtern. «Das ist aber auch das Allerwichtigste», betont er sofort.

Der Einstieg Schröders sichert den Löwen in der wirtschaftlich angespannten Situation der Corona-Krise nicht weniger als die Existenz. Das Engagement des größten deutschen Basketball-Stars seit Dirk Nowitzki sorgt auch international für viel Aufmerksamkeit und soll auch im Detail erkennbar sein: Auf Schröders Wunsch wurde ein neues Logo in den neuen Clubfarben Schwarz-Gold gestaltet.

«Irgendwann müssen wir das aber abhaken und mit Inhalt füllen», sagt Geschäftsführer Mittmann, der auch in Braunschweig geboren ist und dort mehrere Jahre Bundesliga spielte. Teams wie Alba Berlin oder Bayern München könnten sich darüber positionieren, dass sie Meister werden wollen. Für die anderen Teams sei es dagegen schwierig, das glaubwürdig anzustreben. Deshalb setzt Braunschweig auf den Weg, den Dennis Schröder aus der Nachwuchsabteilung des Vereins in die NBA vorgemacht hat: Mit Talenten aus Deutschland oder Europa nach oben.

Der Ansatz, sich auf die Entwicklung von jungen Spielern zu konzentrieren und ihnen in Braunschweig eine «Ausbildung und Plattform» zu geben, wird bereits sichtbar. Im Januar meldeten die Löwen, dass 63,8 Prozent aller Einsatzminuten auf Spieler mit einem deutschen Pass entfallen. Damit lagen die Löwen deutlich vor Alba Berlin (54,3) und ratiopharm Ulm (53,2), die beide für ihre gute Nachwuchsarbeit bekannt sind. Neben Meisner überzeugen auch Karim Jallow, Gavin Schilling und der erst 18-jährige Luc van Sloten.

Das Braunschweiger Modell bezeichnete BBL-Experte Stefan Koch jüngst als «das mutigste Projekt der Liga». Auch Bayerns Geschäftsführer Marko Pesic verfolgt genau, was in Braunschweig passiert. Dass es auch Kritik an Schröders Engagement gibt, kann er nicht verstehen. «Für den deutschen Basketball ist das eine großartige Sache», sagte Pesic. Schröder ficht diese Kritik eh nicht an. Er ist überzeugt von dem Weg und hat einen Traum. «Ich würde schon gerne mit knapp 35 noch einmal nach Braunschweig kommen, für die Löwen spielen und eine Meisterschaft holen.»

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