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Nach tödlichen Hinterhofschüssen: Prozess vor Abschluss

26.01.2020 - In der Dunkelheit fallen auf einem Parkplatz Schüsse. Das Opfer hat keine Chance und stirbt noch am Abend im Krankenhaus. Das Motiv? Aus Sicht der Staatsanwaltschaft aus niedrigen Beweggründen.

  • Eine Statue der Justizia. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Statue der Justizia. Foto: Peter Steffen/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Braunschweig (dpa/lni) - Die tödlichen Schüsse in einem Hinterhof in Salzgitter vor einem Jahr haben viele Menschen schockiert - nun neigt sich der Mordprozess gegen den mutmaßlichen Täter dem Ende entgegen. Dem 33 Jahre alten Syrer wird vorgeworfen, den aus dem Irak stammenden Lebensgefährten seiner Schwester am 26. Januar 2019 auf einem Parkplatz getötet zu haben, weil er die Beziehung nicht duldete. Ein Urteil könnte Anfang Februar fallen. (Az: 9 Ks 7/19)

Am Montag nach der Tat erinnerten niedergelegte Rosen an das blutige Geschehen vom Wochenende. Anwohner berichteten von einem mulmigen Gefühl, viele machten sich Sorgen, Gerüchte über Auseinandersetzungen verfeindeter Familienclans kursierten vor allem im Netz. Dann kam aber schnell die Nachricht von der Festnahme eines dringend Tatverdächtigen. Er soll sein Opfer mit mehreren Schüssen getötet haben, weil er mit dessen Liebesbeziehung zu seiner Schwester nicht einverstanden war. Sanitäter hatten noch versucht, den 25-Jährigen auf einem Parkplatz im Stadtteil Lebenstedt zu reanimieren. Im Klinikum starb der Mann dann an seinen Schussverletzungen.

Im August begann im Braunschweiger Landgericht der Prozess gegen den mutmaßlichen Schützen mit starken Sicherheitsvorkehrung: Neben einem Großaufgebot an Polizisten und doppelten Einlasskontrollen wurde der Angeklagte in Handschellen vorgeführt. Laut Anklage war das Ziel des 33-Jährigen die Wiederherstellung der Ehre seiner muslimischen Familie. Für die Staatsanwaltschaft handelt es sich um Mord aus Heimtücke und niedrigen Beweggründen.

Die Freundin des späteren Opfers war laut Anklage wegen der familiären Probleme im Herbst 2018 an einen unbekannten Ort geflohen. Ihr Bruder habe die Beziehung nicht akzeptiert, weil seine Schwester vom muslimischen Glauben abgefallen sei. Ihr Konvertieren stand im Raum. Im Friseursalon des Irakers in Seesen bei Goslar soll der Angeklagte ihm im November dann direkt mit dem Tod gedroht haben.

Am Tattag soll der 33-Jährige das Haus seiner Familie mit der Ankündigung verlassen haben, die Ehre nun zu retten. Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wusste er genau, wo der 25-Jährige sein Auto abends parkte, und lauerte ihm dort in der Dunkelheit auf. Die Mutter des Opfers hörte die Schüsse am Telefon. Der mutmaßliche Täter schwieg beim Prozessbeginn zu den Vorwürfen und blieb auch im weiteren Verlauf dabei.

Die Tatwaffe bleibt verschollen, kein Zeuge sah die Tat direkt. Prozessbeobachter meinen aber, dass die Indizienkette gegen den Angeklagten stichhaltig ist. Sie erkennen in Anträgen der Verteidiger daher auch taktische Manöver. So forderte ein Verteidiger für den Fall einer Verurteilung seines Mandanten einen Strafnachlass. Die Tat sei vorhersehbar gewesen - und die Behörden hätten zu wenig getan, um sie zu verhindern, so sein Vorwurf. Derartige Andeutungen hatte er laut einem Bericht der «Salzgitter Zeitung» bereits früher im Verfahren gemacht.

«Etwaige Spekulationen, Behauptungen und Vorwürfe der Verteidigung gegenüber den Strafverfolgungsbehörden, die sich im Beweisantrag finden, kommentieren wir ausschließlich in der dafür vorgesehenen Form der Stellungnahme gegenüber dem Gericht», sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft der Zeitung beim vorerst letzten Verhandlungstag am 16. Januar. Derzeit wird nach Angaben einer Gerichtssprecherin ein psychiatrisches Gutachten eingeholt. Im Anschluss an die Vorstellung dieses Gutachtens seien die Plädoyers vorgesehen. Das Urteil könnte dann am 13. Februar fallen.

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