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Naturschützer lehnen vereinfachten Wolfs-Abschuss ab

22.05.2019 - Der Streit um den Wolf geht weiter. Ein von der Bundesregierung gewünschter vereinfachter Abschuss findet den Beifall der Weidetierhalter, stößt bei den Umweltverbänden aber auf Kritik.

  • Wölfe in einem Gehege eines Wildparks. Foto: Patrick Pleul/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Wölfe in einem Gehege eines Wildparks. Foto: Patrick Pleul/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hannover (dpa/lni) - Naturschutzverbände kritisieren den vom Bundeskabinett beabsichtigten vereinfachten Abschuss von Wölfen. Die Politik trete den Artenschutz mit Füßen, sagte am Mittwoch die Landesgeschäftsführerin des BUND in Niedersachsen, Susanne Gerstner, in Hannover. Der Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) fragte, ob die Landesregierung die Wiederausrottung des Wolfes wünsche. Zielscheibe der Kritik der beiden Naturschutz-Landesverbände ist auch Landesumweltminister Olaf Lies. Der SPD-Politiker hatte die Änderungen des Bundesnaturschutzgesetzes befürwortet.

Nach dem Gesetzentwurf von Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) soll der Abschuss von Wölfen auch dann ermöglicht werden, wenn unklar ist, welches Tier genau zum Beispiel die Schafherde angegriffen hat. Es sollen so lange Wölfe geschossen werden dürfen, bis es keine Schäden mehr gibt.

Nabu und BUND kritisierten, dass die geplante Regelung die Rudelstrukturen der Wölfe willkürlich zerstöre, was wiederum zu vermehrten Weidetierrissen führen könnte. Den Konflikt zwischen Wolf und Weidetierhaltung löse nur ein besserer Herdenschutz mit unbürokratischeren Hilfen für Weidetierhaltern.

Unterdessen wurde bekannt, dass am Montag bei Celle ein illegal geschossener Wolf gefunden wurde. Der Tierkadaver werde in einem Institut in Berlin untersucht, sagte eine Polizeisprecherin. Es werde wegen Verstoßes gegen das Naturschutzgesetz ermittelt. Nach Angaben des Nabu handelt es sich um den achten illegal erschossenen Wolf in Niedersachsen. Die Politik dürfe illegale Tötungen mit Forderungen nach Abschussquoten und Bestandsregulierungen nicht salonfähig machen, forderte die Naturschutzorganisation. Lies sagte, der Fall müsse verfolgt und streng bestraft werden.

Der Vorsitzende des Landesschaftzuchtverbandes Niedersachsen Joachim Rehse befürwortete prinzipiell den leichteren Abschuss des Wolfes. «Das ist eine Grundvoraussetzung für die Weidetierhaltung insgesamt», sagte Rehse. Es müsse aber zum Beispiel auch über eine Wolfs-Obergrenze und die Möglichkeit der Bejagung des Wolfes gesprochen werden. Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers forderte einen Wolfsmanagement-Plan: «Dazu gehören dann auch Wolfshabitate mit einer regelmäßigen Überprüfung der Populationsentwicklung, und auch Zonen, die für den Wolf tabu sind.»

Nach wie vor keine Spur gibt es von dem zum Abschuss freigegebenen Leitrüden des sogenannten Rodewalder Rudels aus dem Kreis Nienburg/Weser. Er soll zahlreiche Nutztiere gerissen haben, darunter auch Rinder und Ponys. Ende Januar hatte der Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss dieses Wolfs erteilt. Der Wolf ist in der EU geschützt und darf nicht gejagt werden.

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