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NordLB: 2021 starke Konjunkturerholung, Firmen skeptischer

15.01.2021 - Ist das Schlimmste schon durchgestanden? Der Corona-Einbruch des vorigen Jahres könnte bald überwunden sein, vermuten Ökonomen der NordLB. Neuer Optimismus für 2021 ist aber hochgradig abhängig von wirksamen Impfungen. Etliche Firmen trauen dem Frieden noch nicht.

  • Ein Mann betritt die Norddeutsche Landesbank (NordLB). Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Mann betritt die Norddeutsche Landesbank (NordLB). Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) sieht die wirtschaftliche Entwicklung im neuen Jahr nach der tiefen Rezession 2020 wieder deutlich positiver. Das Institut erwartet eine Steigerung der deutschen Wirtschaftsleistung um 3,5 Prozent, im kommenden Jahr könne das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dann um 4,1 Prozent zulegen. «In unserem Basisszenario gehen wir von einer sukzessiven Besserung der Pandemielage aus», sagte NordLB-Vorstand Christoph Dieng am Freitag.

Viele niedersächsische Unternehmen sind jedoch zumindest mit Blick auf die ersten Monate wegen der Folgen des zweiten Shutdowns voller Sorge - sie befürchten laut einer Umfrage weiter erhebliche Probleme.

«In den meisten entwickelten Volkswirtschaften rechnen wir mit einer deutlichen Erholung», meinte Dieng. Für das prognostizierte kräftige Wachstum komme es allerdings vor allem darauf an, dass die «sehr vielversprechenden» Impfungen gegen das Coronavirus rasch in breite Bevölkerungsschichten getragen werden, erklärte der Manager.

Im abgelaufenen Jahr geriet die deutsche Wirtschaft in eine der heftigsten Abschwungphasen der Nachkriegszeit. Das BIP brach im Vergleich zu 2019 um 5,0 Prozent ein, wie das Statistische Bundesamt anhand einer ersten Schätzung berichtete. Stärker war die Wirtschaftsleistung nur während der Finanzkrise 2009 geschrumpft (5,7 Prozent). NordLB-Chefvolkswirt Christian Lips sagte in Hannover, auch in anderen Ländern Europas sei die Wirtschaft «in einem beispiellosen Maß eingebrochen», teils zweistellig. Vielerorts sei es auch das insgesamt schlechteste Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg gewesen.

Nach der «Achterbahnfahrt» aus desaströsem Frühling, Stabilisierung im Sommer und neuen Problemen im Herbst seien nun die Impfungen wichtig, unterstrich auch Lips. So könne das Verbrauchervertrauen zurückkehren: «Wer möchte nicht wieder gern in ein Konzert gehen, wer möchte nicht wieder gern eine Urlaubsreise planen?» Viele Betriebe hätten sich umgestellt. «Homeoffice ist ein wichtiger Faktor», meinte Lips. Er appellierte aber: «Die Disziplin muss hochgehalten werden, wir dürfen auf keinen Fall den Erfolg der Impfkampagne gefährden.»

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr waren zunächst zahlreiche Industrieunternehmen geschlossen, der deutsche Einzelhandel musste auch im zweiten Lockdown dichtmachen. Gastronomiebetriebe bangen um ihre Existenz, Hilfen für kleine und mittelständische Firmen kommen oft nicht richtig an. Erstmals seit 2011 verzeichnete Deutschland 2020 zudem wieder ein Haushaltsdefizit - die Milliardenhilfen belasten die Staatskasse und führen zu neuer hoher Verschuldung.

Dieng mahnte, es gebe trotz der Zuversicht «auch Abwärtsrisiken». Dazu zählten ein «ungünstiger Pandemieverlauf durch Enttäuschungen bei den Impfstoffen oder zu geringe Impfbereitschaft». Er betonte: «Derzeit spricht aber viel dafür, dass die Pandemie nach einem harten Winter schrittweise beherrschbar wird.» Die Inflation dürfte laut NordLB 2021 von 0,4 Prozent im vorigen Jahr auf 1,3 Prozent anziehen.

Für ihre Heimatregion Niedersachsen kalkuliert die Landesbank im neuen Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent. 2020 hatte zur Jahresmitte ein um die Preisentwicklung bereinigtes Minus von 7,3 Prozent gestanden, für das Gesamtjahr rechnet die NordLB nun mit 5,4 bis 5,5 Prozent weniger Wirtschaftsleistung. «Wir hatten hier einen massiven Einbruch bei den Industrieumsätzen, im dritten Quartal aber eine sehr starke Erholungsdynamik», sagte Ökonom Eberhard Brezski.

Viele Betriebe schraubten ihre Erwartungen während des Corona-Lockdowns zum Jahreswechsel herunter. «Der Zukunftsoptimismus rutscht derzeit förmlich weg. Er schmilzt wie Butter in der Sonne», sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbands Niedersachsenmetall, Volker Schmidt, zu einer Umfrage von 14 Arbeitgeberverbänden.

Der Analyse zufolge erlitt die Industrie im vergangenen Jahr einen Produktionseinbruch von durchschnittlich 20 Prozent bei den meisten Unternehmen. «So was haben wir in diesem Ausmaß noch nicht erlebt», sagte Schmidt. Vor diesem Hintergrund erwarteten die Unternehmen im Dezember noch ein Produktionsplus von 10 Prozent im neuen Jahr. Im Januar ging dieser Wert inzwischen jedoch auf 6 Prozent zurück.

Auf dem Arbeitsmarkt habe das Kurzarbeitergeld einen «Kollaps» verhindert. Niedersachsenmetall geht dennoch davon aus, dass in den Jahren 2020 und 2021 etwa 55 000 Stellen in der Industrie des Landes verloren gehen - davon allein 35 000 Stellen bei den Autozulieferern.

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