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Norddeutsche Länder ziehen bei Wasserstoff an einem Strang

26.08.2019 - Die norddeutschen Länder haben das Potenzial von Wasserstoff für sich erkannt: Mit seiner Hilfe kann Windstrom in großem Stil gespeichert und verkauft werden. Doch nun muss auch die Nachfrage nach der Technologie wachsen, mahnen Experten.

  • Enak Ferlemann (CDU). Foto: Mohssen Assanimoghaddam/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Enak Ferlemann (CDU). Foto: Mohssen Assanimoghaddam/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Cuxhaven (dpa) - Die norddeutschen Länder und der Bund wollen bei der Energiewende neben der Windkraft mehr auf umweltfreundliche Wasserstofftechnologie setzen. «Der Norden hat mit seinen Windparks eine Riesenchance», betonte der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann, am Montag bei einer Veranstaltung der Windenergiebranche zu «grünem Wasserstoff» in Cuxhaven. Überschüssiger Strom aus Windmühlen könne in umweltfreundlichen Wasserstoff umgewandelt - und so gespeichert und leichter transportiert werden.

Das berge neue Potenziale für Windparkbetreiber an Land und auf hoher See, die bisher von Stromtrassen abhängig seien. Neben Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee könnten künstliche Inseln entstehen, wo der erzeugte Strom in Wasserstoff umgewandelt werde, sagte Ferlemann. Schiffe könnten an den Plattformen entweder den Wasserstoff als Treibstoff tanken oder aber ihn an Land bringen, damit ihn Industrie oder Fahrzeuge nutzten. «So etwas hat noch niemand auf der Welt gemacht», sagte Ferlemann. «Solche Visionen müssen wir angehen». Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie wäre bereit, solche Flächen auf hoher See auszuweisen.

Eine andere Möglichkeit wäre es, den Offshore-Strom zunächst an Land zu bringen und an der Küste in Wasserstoff zu verwandeln und zu speichern. «Die Rahmenbedingungen dafür liegen vor», sagte Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos).

Die geplanten Stromtrassen gen Süden würden dadurch nicht überflüssig. «Wir brauchen beides: den konsequenten Ausbau aller Trassen als auch die Wasserstofftechnologie», unterstrich der niedersächsische Umweltminister Olaf Lies (SPD). Denn künftig werde nicht weniger, sondern mehr Energie benötigt als heute. Damit diese emissionsfrei sei, müsse die von der Bundesregierung auferlegte Deckelung der Windenergie-Produktion beendet und wieder intensiv in den Ausbau investiert werden.

Nicht nur an Offshore-Windparks könnte der Strom direkt in Wasserstoff umgewandelt werden. «Betreiber von Windparks der ersten Generation an Land suchen händeringend nach einer Perspektive», sagte Ferlemann. Nach 20 Jahren laufe die Förderung aus. Sie könnten nun in einen sogenannten Elektrolyseur investieren. Der meist gasförmige Wasserstoff (chemisches Zeichen: H) ist das häufigste Element im Universum. In Verbindung mit Sauerstoff bildet er Wasser (H2O).

Das Problem sei, dass die relativ teure Wasserstofftechnologie bislang zu wenig von den Verbrauchern nachgefragt werde, weil die Elektro-Mobilität im Fokus stehe, sagte Ferlemann. «Es nützt ja nicht zu produzieren, wenn die Nachfrage nicht da ist.» Als ersten Schritt schlug er vor, dass Kommunen keine neuen Diesel- oder Elektrobusse mehr kaufen sollten, sondern Wasserstoffbusse.

Er kündigte an, dass der Bund bis Ende des Jahr seine Wasserstoff-Strategie fertig haben werden. Auch die norddeutschen Länder erarbeiten zurzeit eine gemeinsame Wasserstoffstrategie. «Es geht um die Klimaschutzziele, die wir erreichen wollen», sagte Lies.

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