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Rund 12 000 Prüflinge kämpfen um das Abitur

11.05.2020 - Historisches zum Start, dann Mathe und am Schluss Latein - trotz Corona läuft das Abitur in Niedersachsen. Dass das Land auch an allen anderen Prüfungen festhält, stößt auf harsche Kritik.

  • Ein Schild «Ruhezone Abitur» hängt während der Abiturprüfung in einer Gesamtschule. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Schild «Ruhezone Abitur» hängt während der Abiturprüfung in einer Gesamtschule. Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die ersten Klausuren sind Geschichte: Begleitet von der vehementen Forderung, alle anderen Prüfungen bis auf das Abitur abzusagen, haben am Montag die schriftlichen Abschlussarbeiten begonnen. Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) wünschte dem Abiturjahrgang 2020 mit rund 12 000 Prüflingen viel Erfolg, sah sich aber erneuter Kritik von Opposition und Bildungsorganisationen ausgesetzt.

Die Chance auf Entlastung aller Betroffenen sei bisher vertan worden, hieß es am Montag in einer Erklärung von Landesschülerrat (LSR), Landeselternrat (LER), Schulleitungsverband (SLVN) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Darin wurde Minister Tonne aufgefordert, seine Blockadehaltung aufgeben. «Er hält an Prüfungen fest, die sich unter den Corona-Bedingungen nicht im Ansatz gerecht und vergleichbar gestalten lassen», sagte zudem Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg.

Mit dem Fach Geschichte war Montag das wegen des Coronavirus um mehrere Wochen verschobene Abi gestartet. Am Dienstag geht es mit Mathe weiter und als letztes steht Latein für Samstag, 30. Mai, auf dem Programm. Jeder Absolvent legt schriftliche Prüfungen in vier Fächern ab, davon drei in einem Fach mit erhöhtem Anforderungsniveau. Danach folgen die mündlichen Prüfungen, bevor Mitte Juli die Ausgabe der Abi-Zeugnisse ansteht. Seit 2006 gibt es in Niedersachsen das Zentralabitur mit landesweit einheitlichen Aufgaben.

«Unser Eindruck war, dass die Schulen für den Prüfungsstart unter den schwierigen Bedingungen gut aufgestellt sind», sagte Bianca Trogisch, Sprecherin der Landesschulbehörde in Lüneburg. Größere Probleme seien bisher nicht gemeldet worden. Das Abi werde den Schülerinnen und Schülern viel abverlangen, sagte Tonne. «Wir haben allerdings Zeitpuffer zur Extravorbereitung und Hygienemaßnahmen eingezogen, um der Lage gerecht zu werden», betonte er.

Sein Festhalten an den weiteren Prüfungen, etwa für den Hauptschul- oder Realschulabschluss vom 20. bis 28. Mai, wird von Bildungsorganisationen kritisiert. «Sich unter den aktuellen Bedingungen auf die Abschlussprüfungen der neunten oder zehnten Klasse vorzubereiten, überfordert viele Schülerinnen und Schüler», sagte Florian Reetz vom Landesschülerrat. Zahlreiche Themen seien noch nicht behandelt worden und müssten jetzt durchgepeitscht werden.

Der Landeselternrat verwies auf Berichte über fehlende Lehrer und unzureichende digitale Ausstattung. Unter diesen Umständen seien Vorbereitung und Durchführung äußerst fragwürdig, sagte die LER-Vorsitzende Cindy-Patricia Heine. Sie räumte aber ein, dass es kein einheitliches Meinungsbild aller Erziehungsberechtigten gebe.

Minister Tonne hatte mit Blick auf das Abitur mehrmals betont, dass alle Prüfungen wie in den anderen Ländern auch stattfinden sollten, um einen Corona-Malus für Niedersachsen zu vermeiden. Jetzt solle das Abitur erstmal gemacht werden, um danach die Ergebnisse genau anzuschauen, kündigte Tonne bei NDR Info an.

Als Reaktion auf die Kritik an den anderen Prüfungen sagte ein Ministeriumssprecher am Montag: «Was für das Abitur gilt, das gilt auch für die Haupt- und Realschulabschlüsse: An den Abschlüssen soll kein Corona-Makel haften bleiben, vielmehr sollen die Schülerinnen und Schüler stolz auf ihre Leistungen sein können.» Hinweise auf die Belastungsproblematik nehme man aber sehr ernst. Ein deutliches Signal der Entlastung werde derzeit geprüft.

Mit Blick auf die Auswirkungen für das nächste Schuljahr will Tonne zunächst das Ende des aktuellen Schuljahres abwarten. Erst dann lasse sich erkennen, wie groß die Ausfälle wirklich seien, sagte Tonne im Radio-Interview und stellte dabei klar: «An den Sommerferien haben wir nicht vor, zu rütteln.»

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