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Schwimmbäder werden durch Bürgersinn gerettet

23.05.2020 - Die finanzielle Lage öffentlicher Schwimmbäder ist schlecht, die DLRG fordert ein großes öffentliches Bauprogramm. In der Not nehmen vielerorts Bürger die Sache selbst in die Hand.

  • Badegäste planschen bei sommerlichen Temperaturen im Ricklinger Bad in Hannover. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Badegäste planschen bei sommerlichen Temperaturen im Ricklinger Bad in Hannover. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die ersten Freibäder in Niedersachsen öffnen zwar wieder, aber die Stilllegung von Bädern schreitet vielerorts auch unabhängig von der Corona-Krise voran. In einigen Kommunen gelingt es jedoch, das Bädersterben abzuwenden oder zu verzögern - dann ist oft bürgerschaftliches Engagement am Werk. Fördervereine greifen den klammen Städten und Gemeinden, den Trägern der öffentlichen Bäder, unter die Arme.

In den beginnenden Corona-Sommer gehen Kommunen wie Förderer mit Bangen. Welches Loch der Schwimmbetrieb dieses Jahr in die Kassen reißen wird, ist ungewiss.

Die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft stemmt sich seit langem gegen das Bädersterben. Jährlich machen nach DLRG-Angaben in Deutschland etwa 80 Hallen- und Freibäder endgültig dicht. Damit verschwinden Freizeitmöglichkeiten; es gibt weniger Orte, an denen überhaupt das Schwimmen erlernt werden kann. Die DLRG setzt sich für ein milliardenschweres Paket von Bund, Ländern und Kommunen ein, um eine flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Bädern zu sichern.

Aktuell gibt es in Niedersachsen 337 Hallenbäder und 324 Freibäder, wie der Bäderatlas der Deutschen Gesellschaft für das Bäderwesen ausweist. Landesweite Zahlen zu Schließungen der vergangenen Jahre gibt es nicht. Die Landesregierung hat 2019 ein Programm mit 100 Millionen Euro aufgelegt, um Sportstätten und Schwimmbäder zu sanieren.

DLRG-Sprecher Achim Wiese sieht die Kommunen in der Pflicht, ihre Schwimmbäder zu erhalten. «Betriebswirtschaftlich rechnet sich ein Bad fast nie», sagte er der Deutschen Presse-Agentur. «Auch eine Stadtbibliothek rechnet sich nicht oder ein Theater.» Nach DLRG-Auffassung gehöre aber das alles zur Daseinsfürsorge.

Dem widerspricht der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund. «Es ist eine freiwillige Aufgabe», sagt Sprecher Thorsten Bullerdiek. Aber natürlich seien Bäder eine wichtige Einrichtung der Volksgesundheit. «Jede Verwaltung ist eigentlich bemüht, Bäder zu erhalten», sagt er. Den Einsatz von Bürgern für ihre Bäder sehen Gemeindebund wie die DLRG als sinnvolle Ergänzung. Bullerdiek verweist auf das Hallenbad in Nörten-Hardenberg (Kreis Northeim), das seit langem erfolgreich von einer Genossenschaft betrieben wird.

Aktuell wird in Bergen bei Celle über die Schließung des Hallenbades diskutiert, aber Bürgermeisterin Claudia Dettmar-Müller (parteilos) sucht nach Auswegen. «Es wäre ein Jammer, das Bad zu schließen», sagte sie der dpa. Probleme hat der Bau von 1979 genug. Heizung, Flachdach und Brandmeldeanlage müssten dringend saniert werden - Kostenpunkt etwa eine Million Euro. Jährlich muss die Stadt eine halbe Million Euro zum Betrieb zuschießen.

Ihr Konzept: Das Notwendigste sanieren, die Betriebskosten möglichst senken, die Einnahmen erhöhen durch den Umbau des Bades zu einem Gesundheitszentrum mit Physiotherapie und einer «kleinen, aber feinen Sauna». Und Dettmar-Müller hofft darauf, dass Ehrenamtler sich für den Einsatz im Bad zur Verfügung stellen.

Die Samtgemeinde Tarmstedt (Kreis Rotenburg) bietet ihren 11 000 Einwohner noch drei kleine Freibäder. Die Kommune müsse jährlich etwa 300 000 Euro zuschießen, sagt Samtgemeindebürgermeister Frank Holle (CDU). Aber jedes der Bäder in Wilstedt, Hepstedt und Kirchtimke hat einen Förderverein. Ohne sie, gesteht der Bürgermeister ein, hätten die Bäder wahrscheinlich geschlossen werden müssen.

Die Vereinsmitglieder helfen bei der Rasenpflege, sie sammeln Spenden und finanzieren zum Beispiel das Frühschwimmen. «Wir entlasten die Gemeinde», sagt Peter Breitsprecher, Vorsitzender des Fördervereins Ummelbad in Hepstedt. Er sieht die engagierten Bürger auch als Schutz, falls in der Kommunalpolitik doch wieder überlegt werden sollte, ein Bad zu schließen. «Die Gemeinde kann das nicht klammheimlich dicht machen.» Aber für die kommende Saison ist er pessimistisch. «Das Defizit wird in diesem Jahr besonders groß.»

Ein Happy-End wird es für das Freibad im Emdener Stadtteil Borssum geben. In der maroden Anlage hatte die DLRG einen Videoclip gedreht, um anschaulich ihrer Forderung «Rettet die Bäder!» Nachdruck zu verleihen. Nun wird saniert, auch der Bund schießt Geld zu, im Mai 2022 soll Wiedereröffnung sein. Zum Konzept gehört, dass ein Förderverein nach Angaben der Stadt künftig «handfeste Unterstützung» bei der Pflege von Rasen, Anlagen und Gebäude leistet. Er will das Bad mit Strandkiosk und Sportveranstaltungen attraktiv machen.

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