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Tödliche Verfolgungsfahrt: Angeklagter entschuldigt sich

18.02.2020 - Auf der Autobahn ignoriert ein Fahrer die Haltezeichen der Polizei. Seine Flucht endet mit einem Crash, bei dem ein Unbeteiligter stirbt. Beim Prozessauftakt bedauert der Beschuldigte das Geschehene.

  • Hinter einer roten Ampel weist die Salzdahlumer Straße Brandspuren auf. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Hinter einer roten Ampel weist die Salzdahlumer Straße Brandspuren auf. Foto: Julian Stratenschulte/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Braunschweig (dpa/lni) - «Das war ein Bild des Grauens». Mit diesen Worten hat ein Polizist am Dienstag vor Gericht die drei ineinander verkeilten Autos beschrieben, von denen eines in Flammen stand. Der Unfall in Braunschweig war das tödliche Ende einer kilometerlangen Verfolgungsfahrt über die Autobahn, teils mit Tempo 240. Für den Tod eines völlig unbeteiligten Mannes bei seiner Flucht vor der Polizei entschuldigte sich der Angeklagte zum Prozessauftakt (Az.: 9 Ks 11/19).

Er bedauere das Geschehene zutiefst, ließ der 38-Jährige am Dienstag seinen Verteidiger vor dem Braunschweiger Landgericht erklären. An die Verfolgungsfahrt im August 2019 auf der Autobahn und den Unfall in Braunschweig könne er sich wegen Drogenkonsums so gut wie gar nicht erinnern. Auf seiner Flucht vor einer Polizeikontrolle krachte der Angeklagte in Braunschweig in zwei an einer roten Ampel wartende Autos. Der 33 Jahre alte Fahrer eines der beiden Autos kam dabei ums Leben.

Der Mann starb noch am Unfallort, der Fahrer des zweiten Wagens überlebte schwer verletzt. «Es gab einen Knall und dann waren die Autos einfach weg», sagte ein Zeuge am ersten Verhandlungstag, um zu verdeutlichen, mit welcher Wucht der Aufprall geschehen sein muss. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fahrlässige Tötung vor.

Am Tag des Unfalls war der Beschuldigte zwei Polizisten auf der Autobahn 2 Richtung Berlin aufgefallen. Eine Abfrage ergab, dass der Halter wegen Betäubungsmittelverstößen bekannt war und außerdem der Führerschein eingezogen werden sollte. Aus ihrem Zivilfahrzeug heraus forderten die Beamten den Fahrer zum Halten auf. Der Mann aus dem Raum Magdeburg folgte zunächst, gab dann aber kurz vor einer Abfahrt Gas. Die Verfolgung über die A39 Richtung Braunschweig begann.

Mehrmals verloren die Polizisten den Flüchtenden aus den Augen. Am Ende einer Baustelle konnten sie einen Zusammenprall nur durch eine Vollbremsung vermeiden, wie einer der Beamten später schilderte. Aus Sicht der Polizisten zwang der immer zäher werdende Verkehr den Fahrer schließlich von der Autobahn. Laut Anklage fuhr er mit immer noch mehr als 200 Kilometern pro Stunde ab - und prallte auf die stehenden Autos.

Durch seinen Verteidiger ließ der Angeklagte erklären, dass er seit einiger Zeit die synthetische Droge Crystal Meth konsumiert habe, um dem Druck als Vater und im Beruf standzuhalten. Er sei in Hamburg bei einem vielversprechenden Bewerbungsgespräch gewesen. In der Vorbereitung darauf habe er sich aufgeputscht gehabt. An die Rückfahrt nach Magdeburg könne er sich kaum erinnern, wisse nicht genau, was real gewesen sei.

Abweichend von der Staatsanwaltschaft eröffnete das Gericht das Verfahren auch wegen Mordes. Aus Sicht der Kammer könnte auch eine Tötung mit gemeingefährlichen Mitteln oder zur Verdeckung einer Straftat vorliegen. Vier weitere Prozesstage sind anberaumt, bevor am 10. März ein Urteil fallen könnte. «Das wird mich noch lange begleiten, so einen Fall zu verarbeiten, dauert sicher lange», sagte einer der beiden Polizisten, die den Angeklagten an dem Abend verfolgten.

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