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Totschlag an Tochter: Neun Jahre Haft

01.03.2019 - Ihre Mutter hat sie erstickt und ihr dann den Kopf abgetrennt. Maya wurde nur wenige Monate alt. Das Landgericht entschied später auf Mord aus niedrigen Beweggründen - lebenslang. Im Zweiten Anlauf haben die Richter jetzt anders geurteilt.

  • Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Statue der Justitia ist zu sehen. Foto: Peter Steffen/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Lüneburg (dpa/lni) - Im Prozess um den grausamen Tod eines Säuglings hat das Landgericht Lüneburg die Mutter wegen Totschlags zu neun Jahren Haft verurteilt. Das Gericht ging dabei am Freitag nicht von einem minder schweren Fall aus. Die 25-Jährige hatte im Dezember 2016 in Soltau ihre damals vier Monate alte Tochter Maya erstickt und ihr dann den Kopf abgetrennt.

Das Gericht stand vor einer besonders schweren Entscheidung. «Das Geschehen, das hier aufzuklären war, ist wirklich sehr ungewöhnlich», sagte der Vorsitzende Richter Axel Knaack. Der abgetrennte Kopf mache den Fall noch rätselhafter. «Wir wissen nicht, was dahinter steht, wir können das auch nicht aufklären.»

Das Gericht folgte bei seiner Entscheidung einem der beiden psychiatrischen Gutachter. Im Gegensatz zu seinem Kollegen hatte der keine Anzeichen für eine schwere Persönlichkeitsstörung bei der aus Eritrea stammenden Frau gesehen. Für die Tat dürfte ein Bündel mehrerer Motive zusammengekommen sein, entschied die Kammer. Dazu gehörten allgemeine Überforderung, Beziehungsstress und das Gefühl perspektivischer Ausweglosigkeit. Auch könne das nichtehelich geborene Kind angesichts des kulturellen Hintergrundes als Sünde empfunden worden sein. Bis zu der Tat habe die Frau keinerlei Anzeichen einer Störung gezeigt, betonte Knaack.

Ursprünglich habe sie sich und das Kind umbringen wollen, hatte die Frau ausgesagt. Dabei habe sie sich das Ladekabel eines Handy um den Hals gehalten. Als sie aufgewacht sei, habe das Baby tot im Bett gelegen. Das hielt das Gericht für wenig glaubhaft. Die Frau könne nicht angenommen haben, sich auf diesem Wege umbringen zu können.

Mit dem toten Mädchen im Kinderwagen sei sie mit dem Zug nach Hannover und zurück gefahren, hatte die Frau weiter ausgesagt. Auch das hielt die Kammer für wenig plausibel. Sehr wahrscheinlich sei, dass das Mädchen da noch am Leben war, möglicherweise habe die Mutter einen Betreuer für Maya gesucht. Später floh die Frau vorübergehend nach Frankreich, kehrte dann aber nach Soltau zurück.

Die Verteidigung war anders als die Staatsanwaltschaft von einem minder schweren Fall des Totschlags ausgegangen, weil die Frau erhebliche Beeinträchtigungen aufweise. Die Anklage hatte am Montag auf eine Haftstrafe von zwölf Jahren und zehn Monaten plädiert, die Frau sei schuldfähig. «Ich finde keine Gründe, die so etwas wie nachvollziehbar sind», sagte der Staatsanwalt. Die Anwältin des als Nebenkläger auftretenden Vaters hatte 15 Jahre Haft gefordert.

«Das war keine Rabenmutter, sie hat ihr Kind durchaus geliebt», betonte am Freitag Richter Knaack. Die Frau hatte am Montag in ihrem Schlusswort den Tod der Tochter unter Tränen bedauert. «Bis ans Ende meines Lebens werde ich darunter leiden müssen», sagte sie.

Das Gericht hatte die Frau vor gut einem Jahr zu lebenslang wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen verurteilt. Sie habe sich ein unabhängiges Leben ohne Kind gewünscht, hatte das Landgericht damals erklärt. Zudem habe sie sich am Vater des Mädchens rächen wollen, weil er sie allein gelassen habe. Dagegen war die Anklage davon ausgegangen, dass die Frau aus Rache für angeblich erlittene Gewalt durch den Vater des Kindes gehandelt hatte. Der Bundesgerichtshof hob die Entscheidung später jedoch teilweise auf. Auch in Karlsruhe gab es aber keinen Zweifel daran, dass die Frau ihr Kind getötet hat.

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