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Unbekannte erschießen junge Wölfin

23.07.2019 - Mit einem schweren Gegenstand und einer Schlinge um den Hals sollte die erschossene Wölfin wohl für immer im Kanal verschwinden. Doch der Tierkadaver tauchte wieder auf. Die Täter: unbekannt. Die Polizei sucht jetzt nach Hinweisen.

  • Ein Wolf steht am 29.10.2015 in einem Gehege in Springe (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Wolf steht am 29.10.2015 in einem Gehege in Springe (Niedersachsen). Foto: Julian Stratenschulte/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Wittingen (dpa/lni) - Unbekannte haben in Wittingen eine Wölfin getötet und ihren Kadaver im Elbe-Seitenkanal versenkt. Das recht junge Tier sei mit einer Schusswaffe getötet worden, teilte die Polizei am Dienstag mit. Der oder die unbekannten Täter hätten versucht, die tote Wölfin mittels einer Metallschlinge und eines schweren Gegenstands im Kanal zu versenken. Die Polizei ermittelt nun in dem Fall, weil Wölfe unter Naturschutz stehen und es verboten ist, die Tiere zu töten.

Der Tierkadaver wurde am Sonntagabend im Kreis Gifhorn aus dem Wasser gefischt. Ein Jäger hatte den Körper entdeckt, die Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts holten dann das Tier aus dem Kanal, wie die «Braunschweiger Zeitung» berichtete. Der Wolfsberater für den Kreis Gifhorn, Joachim Remitz, war bei der Aktion anwesend. Beim Bergen sei nur noch die Schlinge samt Stahlseil sichtbar gewesen, sagte er. Der beschwerende Gegenstand fehlte. Die tote Wölfin wurde - wie in solchen Fällen üblich - für weitere Untersuchungen zum Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung nach Berlin gebracht.

Dort wird der Kadaver unter anderem per Computertomograph untersucht. Außerdem wird festgestellt, wie groß, wie schwer und wie alt die Wölfin war. Bei der Sektion werden etwaige Geschosspartikel sichergestellt und an die zuständige Staatsanwaltschaft übergeben. Nach etwa vier bis fünf Wochen erstellt das Institut einen Befund zum Fall und sendet ihn an das jeweilige Bundesland.

Die Berliner Experten sollen auch feststellen, ob sie die Wölfin einem Rudel zuordnen können. Dazu wird in der Regel eine genetische Untersuchung im Labor gemacht. Es ist laut Polizei schwer zu sagen, ob das vermutlich etwa zwei Jahre alte Tier in der Nähe des Fundorts getötet wurde. Zwar seien ein Ein- und Ausschussloch am Körper des Tieres zu erkennen gewesen, aber kein Projektil gefunden worden. «Das ist bisher ein Puzzlespiel ohne viele Teile», sagte ein Polizeisprecher und verwies darauf, dass Ermittlungen in solchen Fällen generell schwierig seien. Die Polizei Wittingen bittet die Menschen deshalb um Hinweise.

Mögliche Tipps erhofft sich die Polizei von den Experten in Berlin. Möglicherweise könnten sie etwas über die Projektilgröße sagen. Dann könnten die Ermittler Schlüsse zu in Frage kommenden Waffen ziehen. Dass der Kadaver versenkt wurde, spreche jedenfalls dafür, dass jemand die Wölfin mit Absicht erschossen hat, sagte ein Sprecher.

«Sowas habe ich noch nicht erlebt», sagte Wolfsberater Remitz. Er sei angesichts der kriminellen Energie der oder des Täters verwundert: «Das sitzt noch tief in den Knochen.» Es gebe immer wieder Leute, die Wölfen gegenüber ablehnend eingestellt seien, sagte Wolfsberater Karl-Gustav Laser der «Allgemeinen Zeitung» zu dem Fall. Er hoffe, dass der Täter ermittelt werde und das Verhalten keine Schule mache.

In Niedersachsen gibt es nach Angaben der für die Beobachtung der Tiere zuständigen Landesjägerschaft bereits 22 nachgewiesene Rudel. Insgesamt dürften demnach mehr als 300 Wölfe im Land leben. Einzelne Wölfe dürfen nur ganz selten und mit einer Sondergenehmigung gejagt werden. Landesweit gibt es derzeit nur eine Genehmigung zum Abschuss eines Wolfes im Landkreis Nienburg, die am 31. Juli ausläuft. Dieser Leitwolf darf abgeschossen werden, weil er wolfsabweisende Zäune überwunden und Rinder in einer Herde angegriffen hat.

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