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Unerwarteter Geldsegen: «Seute Deern» kann nachgebaut werden

15.11.2019 - In Bremerhaven hatten alle die «Seute Deern» schon aufgegeben. Ein Gutachten bescheinigte dem Museumsschiff einen Totalschaden. Es sollte abgewrackt werden. Nun wird es mithilfe von Bundesmitteln rekonstruiert. Der Bund der Steuerzahler hält das für unvertretbar.

  • Das Museumsschiff «Seute Deern» liegt am Museumshafen des Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Foto: Patrik Stollarz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Museumsschiff «Seute Deern» liegt am Museumshafen des Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. Foto: Patrik Stollarz/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Bremerhaven/Berlin (dpa/lni) - Damit hatte in Bremerhaven keiner mehr gerechnet: Der Bund übernimmt die Kosten für den Nachbau des maroden Museumsschiffs «Seute Deern». Und zwar nicht nur einen Teil des Geldes, sondern alles: 46 Millionen Euro stellt der Haushaltsausschuss zur Verfügung, nur der Bundestag muss noch zustimmen, wie der Bremerhavener SPD-Bundestagsabgeordnete Uwe Schmidt mitteilte. «Wir sind positiv überrascht», freute sich Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) am Freitag. Kritik kommt vom Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen. «Wir halten die Entscheidung für unvertretbar», betonte Vorstand Carl Kau.

Mit dem Geldsegen aus Berlin bekommt die Geschichte der hundertjährigen «Seute Deern», die in Bremerhaven immer wieder für Streit gesorgt hatte, eine neue Wende. Ein Gutachten hatte dem Wahrzeichen der Stadt einen «konstruktiven Totalschaden» bescheinigt. Es sollte nach dem Willen des Stiftungsrates des Schifffahrtsmuseums abgewrackt werden. «Das Thema war beendet», betonte der Steuerzahlerbund-Vertreter. Die Bremerhavener seien zwar traurig gewesen. «Aber die Einsicht hat überwogen.»

Denn die Bark war nicht erst zum Sorgenkind geworden, als das Schiff Ende August wegen massiven Wassereinbruchs auf den Grund des Museumshafens gesunken war. Eine Instandhaltung war lange versäumt worden: Der Holzrumpf war anfällig für Fäulnis, Wurmfraß und Muschelbefall, durch Spalten drang Wasser ein und musste permanent abgepumpt werden. Der Bund, das Land Bremen und die Stadt Bremerhaven hatten für eine Sanierung der Dreimastbark, die zum Deutschen Schifffahrtsmuseum gehört, am Ende mehr als 30 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Dann kam die Havarie - und damit die Entscheidung zum Rückbau.

Uwe Schmidt wollte sich damit nicht abfinden. Zusammen mit dem Hamburger SPD-Bundestagsabgeordneten Johannes Kahrs warb er weiter um Gelder beim Bund. Nun müssen Stadt und Land nichts für den Nachbau zahlen. «Wir haben im Hintergrund die Arbeit gemacht. Jetzt müssen die anderen ran», sagte Schmidt.

Der Steuerzahlerbund kritisierte die Entscheidung des Bundestags als «völlig rückwärts orientiert». Bremerhaven habe ganz andere Probleme als die «Seute Deern». «Es gäbe jede Menge zukunftsgerichtete Projekte, die sich über das Geld freuen würden», betonte Kau.

Die nun geplante Sanierung kommt einem Neubau gleich. Das Gutachten hatte dargelegt, dass 75 Prozent des Schiffes Schrott sind. Schmidt sagte, die Rekonstruierung werde nach dem vorliegenden Konzept sieben Jahre in Anspruch nehmen. Sinnvoll sei es, das Projekt auch als touristischen Mehrwert für Bremerhaven zu nutzen. Der Stiftungsrat kommt Mitte Dezember zusammen, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Museumsdirektorin Sunhild Kleingärtner bezeichnete den Beschluss des Bundestags als «großartig». Sie verwies zugleich aber darauf, dass der Museumshafen eine nachhaltige Perspektive brauche. «Das ist die Lehre, die aus Jahrzehnten der Unterfinanzierung und des Sanierungsstaus gezogen werden muss.» Auch künftig seien Mittel nötig, um die Instandhaltung der Schiffe und maritimen Objekte sicherzustellen.

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