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Urteil abgemildert: Bewährungsstrafe wegen Kindesmissbrauchs

09.06.2020 - Seinen Beruf und seine Familie hat er verloren, aber er muss doch nicht ins Gefängnis: Im Berufungsprozess vor dem Landgericht Bückeburg ging es um das richtige Strafmaß für einen Lehrer, der Kinderpornografie hortete und seinen Sohn sexuell missbrauchte.

  • Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Die Statue der Justitia steht mit einer Waage und einem Schwert in der Hand. Foto: Arne Dedert/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Ein wegen sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagter Lehrer hat im Berufungsprozess vor dem Landgericht Bückeburg ein milderes Urteil erreicht. Der 37-Jährige erhielt am Dienstag eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren und muss sich unter anderem von Spielplätzen fernhalten sowie seine Sexualtherapie fortsetzen. «Er versucht, sein Leben neu in die Hand zu nehmen und aus diesem Scherbenhaufen das Beste zu machen», begründete der Vorsitzende Richter Axel Schulte. Zudem sei er durch die sechsmonatige Untersuchungshaft gewarnt. (Az.: 4 Ns 406 Js 4803/19 (5/20))

Das Amtsgericht Stadthagen hatte den Mann im November 2019 zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt. Der nicht vorbestrafte Pädagoge ging in Berufung, weil er nach seinem Geständnis auf eine Bewährungsstrafe hoffte.

Die Taten kamen in der gut einstündigen Verhandlung am Dienstag nicht mehr im Einzelnen zur Sprache, denn von der Verteidigung war nur das Strafmaß angefochten worden. Der Familienvater hatte im ersten Prozess gestanden, 2015 seinen damals zweijährigen Sohn sexuell missbraucht zu haben. Zudem räumte er den Besitz von knapp 30 000 Bild- und Videodateien mit Missbrauchsdarstellungen ein. Sie waren bei Durchsuchungen in seinem Haus gefunden worden. Ende 2016 hatte er auch in zwei Fällen Kinderpornografie-Dateien an andere Täter verschickt.

Spezialisierte Fahnder aus den USA hatten die Polizei auf die Spur des verheirateten Gymnasiallehrers aus dem Kreis Schaumburg gebracht. Der Mann lebt inzwischen getrennt von seiner Frau und den beiden Kindern in Hannover, das Scheidungsverfahren läuft. Derzeit ist er bei etwa um die Hälfte gekürzten Bezügen vom Dienst suspendiert, seinen Beamtenstatus wird er verlieren.

Im Landgericht Bückeburg trat der ehemalige Lehrer in dunkelblauem Anzug mit Weste und Krawatte auf und ließ überwiegend seinen Verteidiger sprechen. Fragen beantwortete der 37 Jahre alte Brillenträger mit dem akkurat gestutzten Bart knapp mit sonorer Stimme. Nach Darstellung seines Verteidigers trifft er einmal in der Woche eine Sexualtherapeutin und lässt sich zudem mit Tabletten und Spritzen behandeln, so dass er «kein sexuelles Bedürfnis jeglicher Art» mehr verspüre. Seine Therapeutin bescheinige ihm eine ausgeprägte Neigung, aber keine Pädophilie, sagte der Jurist.

Auch die Staatsanwältin hatte eine zweijährige Bewährungsstrafe gefordert. Grundsätzlich sei sexueller Missbrauch das Schlimmste, was einem Kind passieren könne, sagte sie in ihrem Plädoyer. Im Hinblick auf seinen eigenen Sohn habe das Anfassen zwar im «unteren Rahmen dessen, was strafbar ist» gelegen, allerdings sei ein zweijähriges Kind, das keine Aussage machen könne, «das perfekte Opfer». Im ersten Prozess hatte das Gericht dem Mann geglaubt, dass er lediglich einmal seinen Sohn missbraucht habe.

Die Bewährungszeit wurde auf vier Jahre festgelegt. Sollte er in dieser Zeit erneut straffällig werden, komme er in Haft, warnte der Richter den Pädagogen, der nach eigenen Angaben derzeit auf Jobsuche ist, um auch weiterhin Unterhalt für seine Kinder zu zahlen.

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