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Versuchter Mord und Brandstiftung?: Angeklagter schweigt

24.07.2019 - Es ist Sonntagnachmittag. Plötzlich hört eine Mieterin in einem Haus einen Knall. Als sie die Tür zum Treppenhaus öffnet, schlagen ihr Flammen entgegen. Nun steht der mutmaßliche Brandstifter vor Gericht.

  • Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: D.- W. Ebener/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Statue der Justitia mit einer Waage in ihrer Hand. Foto: D.- W. Ebener/Archiv © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hannover (dpa/lni) - Ein 36-Jähriger, der Feuer in einem Mehrfamilienhaus in Hannover gelegt haben soll, schweigt zu den Vorwürfen. Das teilte sein Anwalt am Mittwoch zum Prozessauftakt am Landgericht Hannover mit. Der Mann soll im Februar in seiner Wohnung im Dachgeschoss sowie vor den Türen zweier weiterer Wohnungen im zweiten Obergeschoss Brandbeschleuniger verteilt und angezündet haben. Der Mann ist laut Anklageschrift heimtückisch vorgegangen, weil er Hausbewohnern den Fluchtweg durch das Treppenhaus abgeschnitten habe. So habe der Angeklagte in Kauf genommen, dass sie das Haus nicht mehr rechtzeitig verlassen können.

Zum Zeitpunkt des Brandes waren drei Menschen in den beiden Wohnungen in der zweiten Etage. Eine 85 Jahre alte Nachbarin flüchtete in ihre Küche und die Feuerwehr rettete sie anschließend über eine Drehleiter durch das Fenster. Zwei Kinder einer vierköpfigen Familie, die in der benachbarten Wohnung lebte, schafften es auf ihren Balkon. Von dort aus brachte die Feuerwehr sie in Sicherheit. Niemand wurde verletzt.

Vor Gericht soll geklärt werden, wie genau der Mann das Feuer gelegt hat. Er soll in seiner Wohnung im Backofen und in der Abstellkammer sowie an den Türen der Wohnungen in der darunterliegenden Etage Brandbeschleuniger verteilt haben. Ob er diesen selbst anzündete oder den Backofen anstellte und eine Verpuffung erst seine Wohnung und dann die Türrahmen entzündete, war zu Prozessbeginn nicht klar.

Am ersten der vier Verhandlungstermine sagte die 85-Jährige aus. Sie sei am Tattag von einem Spaziergang zurückgekehrt, habe sich einen Tee gekocht, dann habe sie erst ein «komisches Geräusch» und danach einen Knall gehört. Daraufhin sei sie zu ihrer Wohnungstür gegangen. «Da war eine riesige Feuerwand», beschrieb sie dem Richter.

Warum der Deutsche den Brand gelegt haben könnte, blieb zunächst offen. Der 36-Jährige habe sich zwei bis drei Wochen vor der Tat laut mit dem Vater, der mit seiner Familie im zweiten Stock wohnte, gestritten, beschrieb die Rentnerin. Der Vater habe sich aufgeregt, weil der Angeklagte nachts Krach gemacht habe. Auch die Polizei sei deshalb gekommen, sagte die Zeugin.

In dem Prozess (Az.: 39 Ks 8/19) sollen noch weitere Zeugen aussagen. Zudem werden ein psychiatrischer Gutachter, eine Polizistin sowie eine Hundeführerin, die an der Brandstätte war, gehört. Dem Angeklagten drohen 5 bis 15 Jahre Haft. Ein Urteil wird frühestens für den 31. Juli erwartet. Bis zum 6. August sind Verhandlungstermine angesetzt.

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