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Waldbesitzer erhalten Soforthilfe gegen Borkenkäfer

09.09.2019 - Viele Wälder in Niedersachsen leiden, wegen Dürre und Schädlingen sind Millionen Bäume abgestorben. Mit frischem Geld will das Land dem Borkenkäfer zu Leibe rücken. Die Opposition zweifelt, ob das reicht.

  • Ein Borkenkäfer krabbelt auf einem entrindeten Fichtenstamm. Foto: Hendrik Schmidt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Ein Borkenkäfer krabbelt auf einem entrindeten Fichtenstamm. Foto: Hendrik Schmidt/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Hannover (dpa/lni) - Wegen großer Schäden an Niedersachsens Wäldern stellt das Land den Waldbesitzern eine Soforthilfe von 1,5 Millionen Euro zur Verfügung. Mit dem Geld soll die Ausbreitung des Borkenkäfers bekämpft werden, wie das Landwirtschaftsministerium in Hannover am Montag bekanntgab. «Die Waldbesitzer erleben aktuell ein flächenhaftes Siechtum ihrer Wälder», sagte Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) nach einem Treffen mit dem Waldbeirat, dem 21 Organisationen angehören. «Die Erhaltung unseres Waldes hat für mich in diesem Jahr höchste Priorität.»

Zwei Drittel der Soforthilfe (eine Million Euro) entfallen auf die Beschaffung von Borkenkäferfallen und Borkenkäferlockstoffen, die den privaten und kommunalen Waldbesitzern unentgeltlich überlassen werden. Zudem wird beispielsweise der Einsatz geschulter Hilfskräfte zur Früherkennung von Schäden durch den Borkenkäfer gefördert. Die sogenannten Waldläufer sollen die Förster unterstützen und entlasten.

Otte-Kinast zufolge ist das Baumsterben mittlerweile nicht mehr auf Fichten begrenzt, sondern hat sich auf Buchen, Kiefern, Eichen und Ahorn ausgeweitet. Alleine in diesem Jahr sei angesichts von Hitze und Trockenheit eine baumlose Fläche von rund 10 000 Hektar entstanden. Die Zahl abgestorbener Bäume gehe in die Millionen.

Neben der Soforthilfe sei die Wiederbewaldung zerstörter Flächen die wichtigste Aufgabe, sagte die Ministerin. Der Zugang zur staatlichen Forstförderung müsse einfacher werden. Beim Aufbau klimaangepasster Mischwälder gehe es um «ganz wichtige Entscheidungen für die nächsten 100 Jahre». Die Förderung sei daher an Baumarten geknüpft.

Benötigt werden laut Hermann Spellmann, Leiter der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt in Göttingen, bereits in Deutschland bekannte Baumarten, die aber an geeigneteren Standorten als bisher gepflanzt werden sollen. Otte-Kinast betonte, dass es den gezielten Umbau der Wälder schon seit 30 Jahren in Niedersachsen gebe. Darauf müsse das Land aufbauen.

Strittig ist allerdings, ob es überall einer aktiven Aufforstung bedarf oder ein Teil des Waldes zur Erholung sich selbst überlassen werden sollte. So geht der Naturschutzbund (Nabu) Niedersachsen davon aus, dass Letzteres sowohl günstiger als auch umweltfreundlicher ist.

Ministerin Otte-Kinast sieht das anders. Die CDU-Politikerin bezeichnete die Forderung, den Wald sich selbst zu überlassen, als «ökologisch fragwürdig, weil sich aufgrund der Klimaveränderung Fehlentwicklungen und Waldschutzprobleme ungehindert ausbreiten» könnten. Auch wirtschaftlich sei das nicht klug. Allerdings hatte die Landesregierung 2017 mit dem Programm «NWE10» beschlossen, dass zehn Prozent der Fläche der Niedersächsischen Landesforsten einer natürlichen Waldentwicklung überlassen werden.

Die Grünen-Agrarpolitikerin Miriam Staudte kritisierte, Otte-Kinast habe den Schutz der Wälder «regelrecht verschlafen», so dass nun zu wenig Geld bereitstehe. Staudte verwies auf Hessen: Dort hatte die Landesregierung aus CDU und Grünen Ende August angekündigt, bis 2023 rund 170 Millionen Euro in die Wälder zu investieren, weitere 30 Millionen Euro soll der Bund beisteuern.

Auf Bundesebene strebt Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bei einem nationalen Waldgipfel am 25. September Beschlüsse an. Die Forstwirtschaft fordert einen umfassenden «Pakt für den Wald». Insgesamt sei von Kosten von rund zwei Milliarden Euro auszugehen, hatte der Verband der privaten Waldeigentümer (AGDW) erläutert.

Bäume sind auch für das Klima wichtig, weil sie das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) speichern. Niedersachsen ist laut Agrarministerium zu einem Viertel seiner Fläche von Wald bedeckt.

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