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Warnstreiks im Nahverkehr: Busse und Bahnen stehen still

29.09.2020 - In vielen Städten in Niedersachsen geht am Dienstag im Nahverkehr wegen eines Warnstreiks nichts mehr. Die Pendler hatten sich offenbar gut drauf vorbereitet. Aber nicht nur im Nahverkehr legen Beschäftigte vorübergehend die Arbeit nieder.

  • Das Verdi-Logo prangt an einer Warnweste. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Das Verdi-Logo prangt an einer Warnweste. Foto: Christophe Gateau/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Busse, Straßenbahnen oder U-Bahnen standen still - und viele Berufstätige haben den Weg zur Arbeit anders bewältigt. Ein Warnstreik hat den öffentlichen Nahverkehr am Dienstag vielerorts in Niedersachsen und Bremen lahmgelegt. In Niedersachsen betroffen waren Hannover, Braunschweig, Wolfsburg, Göttingen, Goslar und Osnabrück. Größere Beeinträchtigungen im Straßenverkehr habe es angesichts der Vorankündigungen aber nicht gegeben, die Pendler hätten sich gut vorbereitet, sagte ein Sprecher der Polizei Hannover.

Die Verkehrsbetriebe Üstra in Hannover hatten zuvor ihren Fahrgästen geraten, auf andere Verkehrsmittel auszuweichen. Die Beteiligung am Warnstreik im Nahverkehr war nach Einschätzung der Gewerkschaft Verdi groß. Die Beschäftigten seien diszipliniert und trügen Atemschutzmasken, sagte ein Sprecher. Die Mitarbeiter seien aufgerufen, zu den normalen Schichtzeiten in die Betriebshöfe zu kommen, insgesamt rund 3750 Verdi-Mitglieder würden im Laufe des Tages erwartet - mehr als geplant.

Auch im Tarifstreit des öffentlichen Dienstes legten zahlreiche Beschäftigte in Niedersachsen vorübergehend die Arbeit nieder. Die Resonanz sei deutlich größer als erwartet, genaue Zahlen gebe es wegen der in der Corona-Krise dezentralen Warnstreiks aber nicht, sagte ein Sprecher der Gewerkschaft. Geschätzt sei die Beteiligung um etwa 15 Prozent höher als geplant. Die Stimmung sei kämpferisch. Das gelte auch bei den parallelen Warnstreiks im Nahverkehr: «Die sind wirklich richtig sauer und werden das auf die Straße tragen.»

Die Gewerkschaft hatte Beschäftigte etwa in Salzgitter, Braunschweig, Wolfsburg, Hannover und Bremerhaven zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen - in mehr als 20 Kliniken sowie bei Entsorgungsunternehmen, Straßenreinigungen und Stadtverwaltungen. In Lüneburg zogen Beschäftigte der städtischen Krankenhäuser und psychiatrischen Kliniken mit Krankenhausbetten auf den Marktplatz und forderten ein Einlenken der Arbeitgeber. «In Zeiten von Corona sind die Beschäftigten in den Gesundheitsämtern und Krankenhäusern besonders gefordert», mahnte dbb-Bundeschef Ulrich Silberbach. Bis zur dritten Verhandlungsrunde am 22. und 23. Oktober seien zahlreiche Warnstreiks geplant.

Verdi und der Beamtenbund dbb fordern für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro, bei einer Laufzeit von 12 Monaten. Mitte September war die zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis geblieben.

Zwar gehört auch der öffentliche Nahverkehr zum öffentlichen Dienst, mit den Tarifverhandlungen haben die Forderungen aber nichts zu tun. Verdi hatte zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen, um bundesweite Tarifgespräche für die 87 000 Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr durchzusetzen. Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände lehnen eigenen Angaben zufolge die Aufnahme von bundesweiten Verhandlungen bei gleichzeitigen Tarifrunden auf Landesebene ab.

Mit Papp-Aufstellern protestierten rund 30 Beschäftigte der Üstra am Betriebshof Glocksee in Hannover. Auch an weiteren Stellen in der Stadt zeigten Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe, dass ihnen die «Haltung der Arbeitgeber nicht passt», wie es ein Sprecher der Gewerkschaft formulierte. Die Aufsteller zeigten Gesicht und Körper von Beschäftigten, um trotz der Pandemie und der Abstandsregeln nah zusammenstehen zu können. Ziel sei, im Nahverkehr bundeseinheitliche Standards zu setzen, weil die Arbeitsbedingungen in Deutschland sich stark auseinander entwickelt hätten.

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