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Weniger Straftaten, mehr Aufklärung: Kriminalität im Tief

12.03.2020 - Der Einbrecher in den eigenen vier Wänden - viele Menschen fürchten das. Aber bei Einbrüchen gehen die Zahlen in Niedersachsen immer weiter runter. Unterdessen machen der Polizei andere Straftaten große Sorgen.

  • Boris Pistorius (SPD). Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Boris Pistorius (SPD). Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

So wenige Einbrüche wie seit fast 50 Jahren nicht mehr, die Kriminalitätszahlen auf einem historischen Tiefstand - die Polizei in Niedersachsen hat sich gute Noten verdient. Es sei «schon etwas kurios», dass die Zahl der Straftaten im vergangenen Jahr auf einem fast identischen historischen Tief geblieben sei - exakt drei Straftaten weniger als 2018 seien registriert worden, sagte Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Donnerstag zur Vorlage der Kriminalstatistik für 2019. Die Zahl der registrierten Straftaten betrug im vergangenen Jahr 506 582, während die Aufklärungsquote von 62,8 Prozent auf 63,4 Prozent stieg.

Bei den Wohnungseinbrüchen gab es wieder einen deutlichen Rückgang - dieses Mal um 15,59 Prozent auf 9456 Fälle. Im Einbruchs-Hochjahr 1993 seien es fast dreimal so viele gewesen, betonte Pistorius. Er sprach von einem erfreulichen «Beleg für ein sicheres Leben in Niedersachsen». Allerdings stieg die Gesamtzahl der Opfer von Straftaten um 2,1 Prozent auf 101 320, vor allem wegen häuslicher Gewalt.

MORD, TOTSCHLAG, FAHRLÄSSIGE TÖTUNG: Bei den Straftaten gegen das Leben gab es einen spürbaren Rückgang um 15,5 Prozent auf 364 Fälle. Damit kommen diese Fälle auf einen Anteil an der gesamten Kriminalität von gerade einmal 0,07 Prozent. Allerdings stieg die Zahl der Toten um knapp elf Prozent auf 62. Knapp 97 Prozent der Fälle von Mord und Totschlag wurden aufgeklärt.

WOHNUNGSEINBRÜCHE: Bei den Wohnungseinbrüchen gab es erneut einen spürbaren Rückgang, nämlich um 15,59 Prozent auf 9456 Fälle. Unter 10 000 Fälle - «das gab es in Niedersachsen seit Jahrzehnten nicht mehr», sagte Landespolizeipräsident Axel Brockmann. Schon 2018 war die Zahl der Wohnungseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr um gut 17 Prozent auf 11 202 Fälle gesunken. Die Versuchsquote stieg um 1,18 Prozentpunkte auf 42,21 Prozent - das bedeutet, dass über vier von zehn Einbrüchen im Versuchsstadium steckenblieben.

Gründe seien etwa besser gesicherte Wohnungen. Die Aufklärungsquote sank nach Brockmanns Angaben zwar leicht von 24,89 Prozent auf 24,03 Prozent, sei im Vergleich mit dem bundesweiten Durchschnitt von knapp 18 Prozent aber gut.

SEXUALDELIKTE: Es gab 20,6 Prozent mehr Sexualdelikte. Die Zunahme auf insgesamt 8045 Fälle hängt laut Brockmann damit zusammen, dass bestimmte sexuelle Belästigungen wie etwa Grapschen nach einer Gesetzesänderung in größerem Umfang als Straftat verfolgt werden. Bei Vergewaltigungen sowie vergewaltigungs- oder nötigungsähnlichen Delikten gab es einen Rückgang um etwa drei Prozent auf 1286 Fälle.

Brockmann machte allerdings klar, dass kinderpornografische Videos und Fotos, die von Jugendlichen und auch Kindern «oft unreflektiert und leichtfertig» über Messenger-Dienste weitergegeben würden, immer mehr zum Problem werden. Menschen würden so immer wieder zu Opfern, sagte er zum sogenannten «Sexting». Insgesamt gab es einen deutlichen Anstieg bei den Zahlen tatverdächtiger Kinder, nämlich ein Plus von 12,22 Prozent auf 7840. Hintergrund sei vor allem die Nutzung digitaler Medien. Hier erweise sich die Digitalisierung «mehr als Fluch denn als Segen», sagte Pistorius.

DIEBSTAHL: Bei den Diebstählen sank die Zahl einfacher Fälle um 4,8 Prozent auf 88 123 und die der schweren Diebstähle um 4,3 Prozent auf 75 213. Zusammengerechnet machen die Diebstähle fast ein Drittel der registrierten Straftaten in Niedersachsen aus.

HÄUSLICHE GEWALT UND GEWALT GEGEN POLIZEIBEAMTE: Die registrierten Fälle häuslicher Gewalt nahmen um 3,5 Prozent zu - insgesamt gab es 20 166 Fälle. Im vergangenen Jahr starben 25 Menschen, davon 17 Frauen. Pistorius sagte, dass häusliche Gewalt, bei der «das Anzeigeverhalten lange sehr zurückhaltend war, sich immer mehr aus dem Dunkel- in das Hellfeld verlagert». Ebenfalls angestiegen waren die Opferzahlen bei Gewalt gegen Polizeibeamte - hier gab es ein Plus von 8,52 Prozent auf 3260 Fälle. 1260 Polizeibeamte wurden verletzt, 12 von ihnen schwer. Jede Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten sei «verwerflich und inakzeptabel», betonte Pistorius.

MESSERANGRIFFE: Seit 2017 wertet das Landeskriminalamt Messerangriffe aus, das Niveau hat sich seitdem kaum verändert. Im vergangenen Jahr gab es 2218 Fälle, davon 19 Tote und 110 Schwerverletzte. Der Anstieg bei den tödlich Verletzten war spürbar: 2018 waren es noch sieben.

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