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«NRW-Wirtschaft kämpft sich aus Krise»

01.07.2020 - Noch hat die Corona-Krise große Teile der NRW-Wirtschaft fest im Griff. Doch es gibt Anzeichen für eine Besserung der Lage. Die Erholung könnte auch schneller kommen als anderswo in Deutschland.

  • Der Schriftzug der «Agentur für Arbeit» ist am Gebäude der Agentur für Arbeit angebracht. Foto: Marijan Murat/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Der Schriftzug der «Agentur für Arbeit» ist am Gebäude der Agentur für Arbeit angebracht. Foto: Marijan Murat/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Für die von der Corona-Krise schwer gebeutelten Unternehmen und Beschäftigten in Nordrhein-Westfalen gibt es erste positive Signale. Das Forschungsinstitut RWI erwartet, dass sich die NRW-Wirtschaft etwas schneller belebt als im übrigen Bundesgebiet. Bis zum Herbst 2021 könne sich die NRW-Wirtschaft von dem Einbruch erholt haben. Noch in diesem Jahr ist nach Einschätzung der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit bei der Beschäftigung eine Wende zum Besseren möglich. Voraussetzung für die positiven Erwartungen ist nach Angaben der Experten aber, dass es in Deutschland nicht zu einem anhaltenden Wiederanstieg der Infektionsraten kommt.

Noch hat die Corona-Krise die Zahl der Arbeitslosen in NRW aber weiter ansteigen lassen. Insgesamt waren im Juni in NRW knapp 771 000 Menschen arbeitslos gemeldet, wie die Regionaldirektion am Mittwoch mitteilte. Das waren knapp 14 000 Personen mehr als im Mai und sogar gut 137 000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Arbeitslosenquote stieg damit um 0,2 Prozentpunkte auf 7,9 Prozent. Zum Vergleich: Bundesweit lag die Arbeitslosenquote im Juni bei 6,2 Prozent.

Der Vorsitzende der Regionaldirektion NRW, Torsten Withake, sieht schon jetzt einige positive Trends. So sei der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Juni schon deutlich geringer ausgefallen als in den stärker vom Lockdown geprägten Monaten April und Mai. Außerdem sei die Zahl der Menschen, die eine neue Arbeit aufnehmen konnten, im Vergleich zu den beiden Vormonaten wieder deutlich gestiegen. «Es ist wieder Belebung in den Arbeitsmarkt gekommen», betonte Withake.

Das RWI Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung erwartet, dass die Wirtschaftsleistung in NRW im gesamten Jahr 2020 um 5,5 Prozent sinkt. Für ganz Deutschland rechnen die Forscher mit einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 5,8 Prozent. «Die Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen kämpft sich langsam aus der Krise», kommentierte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) die von ihm am Mittwoch vorgestellten Zahlen.

Seit dem Tiefpunkt vom April beginne sich die Stimmung aufzuhellen. Die vom Land zur Stützung der Konjunktur bereitgestellten fünf Milliarden Euro könnten zusätzliches Wachstum schaffen, so dass der Rückgang der Wirtschaftsleistung in NRW auf fünf Prozent begrenzt werden könne, sagte Pinkwart.

Die konjunkturelle Belebung dürfte nach RWI-Einschätzung insbesondere vom privaten Konsum getragen werden. Die Ausweitung des Kurzarbeitergeldes stabilisiere die Einkommen. Zudem hätten die privaten Haushalte während der Schließung der Läden unfreiwillig Geld zurückgehalten. Viele Menschen dürften jetzt Anschaffungen und Ausgaben für Dienstleistungen nachholen, erwarten die Forscher. Sie begründen ihre Einschätzung unter anderem mit der relativ geringen Bedeutung der Autoindustrie für NRW. Deren Probleme schlügen nicht so stark durch, so dass die Erholung im Land schneller komme als in anderen Regionen Deutschlands.

Noch sei die Stimmung unter den NRW-Unternehmen aber «äußert angespannt», sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammern NRW, Thomas Meyer. Trotz der Corona-Lockerungen und der Unterstützungsmaßnahmen aus der Politik sei keine schnelle Erholung in Sicht. Bei einer IHK-Umfrage unter 1500 NRW-Unternehmen hätten 40 Prozent der Befragten angegeben, dass ihnen die Rückkehr zur Normalität erst im nächsten Jahr gelingen könne.

Fast jedes zweite Unternehmen (47 Prozent) bewerte seine Geschäftslage als schlecht, nur 14 Prozent hätten gute Geschäfte gemeldet. Über 40 Prozent der Befragten rechneten für 2020 mit einem Umsatzrückgang von mehr als 25 Prozent, fast jedes fünfte Unternehmen fürchtet sogar einen Umsatzrückgang von über 50 Prozent.

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