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Amiris Wut: Union kämpft nach Hübner-Wirbel um Unschuld

17.01.2021 - Der Fußball wird das Thema Rassismus nicht los. Bayer-Profi Nadiem Amiri nimmt eine Entschuldigung von Unions Florian Hübner an. Doch welche Worte beim Zoff in Köpenick tatsächlich gefallen sind, verrät niemand. Nun müssen die DFB-Ermittler für Klarheit sorgen.

  • Unions Trainer Urs Fischer (l) und Christopher Lenz (4.v.l) halten Nadiem Amiri (2.v.l) von Leverkusen am Arm. Foto: Andreas Gora/dpa-Pool/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Unions Trainer Urs Fischer (l) und Christopher Lenz (4.v.l) halten Nadiem Amiri (2.v.l) von Leverkusen am Arm. Foto: Andreas Gora/dpa-Pool/dpa © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Tränen der Wut und Rassismus-Vorwürfe, schnelle Entschuldigungen und fußball-typische Beschwichtigungsversuche: Der heftige Streit zwischen Leverkusens Nadiem Amiri und Berlins Florian Hübner beschäftigt nun die Ermittler des Deutschen Fußball-Bundes. Über allem schwebt auch Tage nach dem Zoff auf dem Rasen die Frage: Was passierte wirklich im Stadion an der Alten Försterei?

Wenn der DFB-Kontrollausschuss am Montag in Frankfurt seine Arbeit aufnimmt, sind noch viele Facetten des brisanten Vorfalls zu klären. Sind die schlimmen Worte «Scheiß Afghane» in Richtung Amiri wirklich gefallen? Und welche verbalen Entgleisungen gab es noch während und nach dem nächsten Überraschungserfolg der Eisernen in der Bundesliga gegen Leverkusen durch das späte 1:0-Siegtor von Cedric Teuchert?

Amiri hat die Entschuldigung von Hübner angenommen. «Er ist zu mir in die Kabine gekommen. Es sind aus den Emotionen heraus unschöne Worte gefallen, die ihm sehr leid tun», wurde der 24-Jährige in einem Club-Statement von Bayer am Samstag zitiert. Aus Sicht des deutschen Nationalspielers ist die Angelegenheit damit «erledigt».

Union Berlins Geschäftsführer Oliver Ruhnert sorgte aber nur wenige Stunden später in seinem Bemühen, den guten Ruf seines Clubs zu retten, für neue Verwirrung. Der Manager hat offenbar erkannt, dass Union inmitten der sportlichen Sensationsstimmung durch den Fall seine moralische Unschuld verlieren könnte.

Natürlich verurteile man jede Form von Rassismus, machte der 49-Jährige klar. Das sei praktisch Union-DNA. Aber: «Für uns hat es diese rassistische Thematik, wie sie jetzt gerade dargestellt wird, nicht gegeben», sagte Ruhnert. «Der Spieler hat gesagt, er hat sich so nicht geäußert». Hübner werde vom Verein nicht sanktioniert.

Die Frage, wofür sich der Verteidiger bei Amiri entschuldigt hat, und wieso sich Bayer-Verantwortliche wie Rudi Völler oder Amiri nicht umfänglicher äußern, um zur Aufklärung beizutragen, ist offen. Auch Ruhnert verriet nicht, was Hübner tatsächlich gesagt habe, verblüffte dafür aber mit der kruden Argumentation, dem Verteidiger könne kein Rassismus vorgeworfen werden, da dieser mit einer «nicht weißen» Frau liiert sei.

Laut Ruhnert war die lange langweilige Partie geprägt von vielen verbalen «Scharmützeln» auf beiden Seiten. Es habe «durchaus Entschuldigungen des einen oder anderen Spielers, der auf dem Feld war und nicht unbedingt unser Trikot angehabt hat», gegeben. Daher habe man gleich zu einem Krisengipfel aller Beteiligten nach Abpfiff in der Kabine gedrängt. Mit Leverkusen sei man im Reinen.

Die Verteidigungsstrategie der Köpenicker zielt darauf ab, die Aussage «Scheiß Afghane» in Zweifel zu ziehen. Nur durch die Worte von Amiris Bayer- und DFB-Kollege Jonathan Tah in TV-Interviews wurde der Vorfall in seiner möglichen Tragweite publik. Ruhnert betonte nun, auch Tah kenne die Worte nur vom «Hörensagen». Das hat der Bayer-Verteidiger auch selbst schon eingeräumt. «Ich habe es selber nicht gehört», sagte er der ARD-«Sportschau».

Ein Bericht aus der Sendung belastet die Eisernen aber unabhängig davon weiter. «Chillt mal, wir sind in Deutschland hier», soll als weitere Aussage gefallen sein, als sich Leverkusens Leon Bailey nach einem Foul nicht aufhelfen lassen wollte. Wer dies sagte, ist durch TV-Aufnahmen nicht zu klären. Doch die Konnotation ist gleichfalls rassistischer Natur und dürfte, da öffentlich transportiert, den Kontrollausschuss auch beschäftigen.

«Unabhängig vom Ausgang dieses Verfahrens duldet der DFB grundsätzlich keinerlei Rassismus oder Diskriminierung auf seinen Plätzen! Das ist für uns ein absolutes No-Go und wird bei Nachweis auch entsprechend bestraft», sagte der Vorsitzende Anton Nachreiner. Daran wird er sich in der Anklageschrift messen lassen müssen.

«Rassismus hat in unserer Gesellschaft und damit auch im Fußball nichts zu suchen! Wir sind daher dem 1. FC Union Berlin und Bayer 04 Leverkusen dafür dankbar, dass sich beide Clubs direkt nach dem Spiel entsprechend schnell und klar positioniert haben», twitterte die Deutsche Fußball Liga am Samstag.

Doch wurden Anti-Rassismus-Aussagen von den Clubs tatsächlich und ausreichend forciert? Wurde nicht eher vor allem den Gepflogenheiten des Fußball-Business entsprechend relativiert? Ruhnert pflichtete auch der überraschenden Aussage von Leverkusens Kerem Demirbay bei, dass die Dinge eigentlich «auf dem Platz» bleiben müssen.

Von Bayer gibt es bislang außer den emotionalen Tah-Vorwürfen nur das wenige Zeilen lange Statement von Amiri und eine knappe Aussage von Trainer Peter Bosz nach dem Spiel. «So etwas darf auf dem Platz nie, nie passieren.» Und Union errichtete durch die Aussagen von Manager Ruhnert erstmal eine verbale Wagenburg.

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