Diese Seite benötigt Javascript! Bitte aktivieren Sie Javascript für eine korrekte Darstellung.

Angeklagter im Mordprozess: «Ich hatte Angst um mein Leben»

10.08.2020 - Ein 21-jähriger Mann wird auf offener Straße erstochen. Die Anklage spricht von Hass und Eifersucht. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht - und beruft sich auf Notwehr.

  • Eine Bronzeplastik der römischen Göttin der Gerechtigkeit, Justitia. Foto: picture alliance/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur

    Eine Bronzeplastik der römischen Göttin der Gerechtigkeit, Justitia. Foto: picture alliance/dpa/Symbolbild © dpa - Deutsche Presse-Agentur GmbH

Es müssen unfassbar grausame Szenen gewesen sein: Am Abend des 8. Februar 2020 ist in Bocholt ein 21-jähriger Mann auf offener Straße erstochen worden. Die Ärzte zählten später 35 Stich- und Schnittverletzungen - allein 18 an Kopf und Gesicht. Seit Montag muss sich der mutmaßliche Täter in Münster vor Gericht verantworten. Zum Prozessauftakt sprach der 33-jährige Deutsch-Iraker von einer Notwehr-Situation. Er sei selbst angegriffen worden und habe sich nur verteidigt. Den Richtern am Landgericht Münster sagte er: «Ich hatte Angst um mein Leben».

Der durchtrainierte Mann auf der Anklagebank sagte, er habe den 21-Jährigen nur zur Rede stellen wollen. Er habe den Verdacht gehabt, dass der jüngere Mann bei seiner getrennt von ihm lebenden Frau ein- und ausgehe. Die Anklage spricht von «tiefstem Hass und Eifersucht» - was er selbst bestreitet.

Nach seinen Angaben wurde er zuerst mit einem Messer angegriffen. Er habe sich nur verteidigt. Der andere Mann habe ein Messer gezückt und ihn dann auch noch mit einem Gürtel geschlagen. «Ich hatte das Gefühl, dass er mir den Gürtel um den Hals legen wollte», sagte der Angeklagte.

Im Gerangel sei es ihm jedoch gelungen, das Messer zu ergreifen. «Ich kann mich nur erinnern, dass ich einmal zugestochen habe. Das war eine Reaktion von mir - ganz automatisch.» An weitere Stiche will sich der 33-Jährige nicht erinnern können. «Dann bin ich weggerannt.» Der 21-Jährige habe da aber noch gestanden.

Der 33-Jährige selbst war bereits im November 2019 aufgrund des Verdachts von häuslicher Gewalt aus der ehemals gemeinsamen Ehe-Wohnung verwiesen worden. Die von seiner Frau erhobenen Vorwürfe weist er vor Gericht zurück. «Sie lügt», so der Angeklagte am Montag im Prozess.

Die Tatwaffe war ein doppelt geschliffenes Jagdmesser. Das 21-jährige Opfer hatte keine Chance. Einer der vielen Stiche hatte sein Gehirn verletzt. Er starb noch am selben Abend im Krankenhaus. Als Todesursache wurde Verbluten nach innen und außen festgestellt.

Der Angeklagte war nach der erzwungenen Trennung von seiner Frau und den beiden gemeinsamen Kindern bereits Wochen vor der Bluttat mit dem 21-Jährigen aneinander geraten, den er für seinen Nebenbuhler hielt. Schon da hatte er ihm laut Anklage gedroht, «er sei Araber und könne tun und lassen, was er wolle». Auch seine inzwischen von ihm geschiedene Frau soll er gewürgt und mit einem Messer bedroht haben. Diese Vorwürfe werden ebenfalls mitverhandelt.

Die Anklage lautet auf Mord aus niedrigen Beweggründen und aus Heimtücke. Das Schwurgericht Münster hat für den Prozess zunächst noch fünf Verhandlungstage bis zum 3. September vorgesehen. Im Fall einer Verurteilung wegen Mordes droht dem 33-Jährigen lebenslange Haft.

Schließen

Aus Sicherheitsgründen werden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet.

Um das zu verhindern, werden Sie bitte vor Ende dieses Zeitraums wieder aktiv.

Nach erfolgtem Logout können Sie sich erneut anmelden.
Aus Sicherheitsgründen wurden Sie nach 30 Minuten Inaktivität vom System abgemeldet. Bitte loggen Sie sich erneut ein.

Homepage aktualisieren